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Newsletter Tierrechte: Politische Maßnahmen für eine tierversuchsfreie Forschung / Stadttauben-Notstand in Hamburg

Newsletter Tierrechte vom 14. Juli 2023

Inhalt

  • Tierversuche: Politische Maßnahmen für eine tierversuchsfreie Forschung
  • Immer mehr Vertreter der Pharmaindustrie fordern den Ausstieg
  • Offener Brief: Tierschutz-Notstand in Hamburg – keine Hilfe für Stadttauben
  • Bündnis für Tierschutzpolitik fordert von Bundesregierung: Putenqual beenden!
  • Bundestierschutzbeauftragte wirbt für bundesweites Tierschutz-Verbandsklagerecht
  • Neuer Gesundheitsansatz fordert grundlegende Agrarwende
  • Hundefleisch: Südkorea bringt Verbot auf den Weg
  • Hoffnung: Island setzt Walfang aus
  • Niedersachsen beschließt Katzenschutzverordnung
  • Stellenausschreibung: Taubenwart:in Bad Kreuznach
  • Termine

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mit Bestürzung lasen wir diese Woche den Artikel der Berliner Zeitung, welche erneut die gravierenden Missstände im Genehmigungsverfahren bei Tierversuchen aufzeigt. In der Tierrechte Ausgabe aus dem Jahr 2020 hatte sich der Bundesverband bereits intensiv mit den massiven Missständen im gesamten Genehmigungsprozess auseinandergesetzt und schon damals eine umfassende Reform gefordert. Derzeit überarbeitet die Bundesregierung das Tierschutzgesetz und es ist höchste Zeit, diese eklatanten Defizite im Tierversuchsrecht unbedingt im Zuge dieser Überarbeitung zu beheben. Gut und richtig ist im Hinblick auf Berlin und die veröffentlichten Recherchen auch die Forderung der Berliner Landestierschutzbeauftragten an den Senat, eine umfassende Untersuchung einzuleiten. Mehr zum Thema lesen sie hier.
Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, Tierversuche mithilfe einer Strategie reduzieren zu wollen. Doch auch nach anderthalb Jahren Ampelkoalition wurde dieses Versprechen bisher nicht eingelöst. Damit die angekündigte Reduktionsstrategie endlich umgesetzt und effektiv gestaltet wird, hat der Bundesverband im Bündnis mit 14 weiteren Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen diese Woche einen gemeinsamen Maßnahmenplan für eine tierversuchsfreie Forschung an knapp 800 politische Entscheidungsträger übermittelt. Die 8-seitige Broschüre, enthält konkrete Vorschläge, wie der Ausstieg aus dem Tierversuch gelingen kann. Mit der Übergabe des gemeinsamen Maßnahmenplans fordert das Tierschutzbündnis von der Ampelkoalition endlich den überfälligen Paradigmenwechsel in Forschung, Lehre und Produkttestung einzuleiten. Die angekündigte Reduktionsstrategie muss jetzt mit Leben gefüllt werden, um dem Ziel, dem Ausstieg aus dem Tierversuch, endlich näher zu kommen. Auf tierrechte.de finden Sie die Meldung zur Veröffentlichung, sowie den Link zum Maßnahmenplan als PDF.


Tierversuch: Immer mehr Vertreter der Pharmaindustrie fordern den Ausstieg
Während sich die Industrie im Bereich Landwirtschaft gegen mehr Tierschutz wehrt, haben die Pharmakonzerne großes Interesse an tierversuchsfreien Verfahren. Kürzlich sprach sich die Chefin von Merck dafür aus, die Zahl der Tierversuche zur Entwicklung und Produktsicherung von Arzneien und Chemikalien in den kommenden Jahren deutlich senken zu wollen. Auch Roche will mehr tierfreie Verfahren einsetzen. Ein Manager des Bayer-Konzerns nannte acht Schritte zum Ausstieg aus dem Tierversuch und forderte rechtliche Hindernisse, die die Entwicklung und Nutzung der tierfreien Verfahren (NAMs) behindern zu beseitigen. Zudem müssten Entwicklung und Validierung von NAMs mit erheblichen Mitteln unterstützt werden, dafür sei die internationale und offen zugängliche Zusammenarbeit und aller Stakeholder erforderlich. Nicht aussagekräftige Tierversuche müssten sofort eingestellt und NAMs schrittweise gegen Tierversuche ausgetauscht werden. Diskussionen zwischen Industrie und Regulierungsbehörden sollten dazu führen, dass NAMs bei der Chemikalienregulierung berücksichtigt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) sprach sich ebenfalls dafür aus, Tierversuche weiter zu reduzieren.
Mehr dazu auf unserer Plattform InVitro+Jobs.

Offener Brief: Tierschutz-Notstand in Hamburg – keine Hilfe für Stadttauben
Hamburg befindet sich seit Wochen im Tierschutz-Notstand. Das einzige städtische Tierheim ist aufgrund mangelnder Kapazitäten nicht mehr in der Lage, verwaiste, verletzte und geschwächte Stadttauben zu versorgen. Hilfsbedürftige Tiere werden zum Teil eingeschläfert. Der Bundesverband appellierte an die Freie und Hansestadt Hamburg ihre Fürsorgepflichten für die Haustiere zu erfüllen und Stadttaubenschläge und Auffangstationen einzurichten. Vorbild ist Berlin, das kürzlich ein umfassendes Stadttaubenkonzept beschlossen hat.


Bündnis für Tierschutzpolitik fordert von Bundesregierung: Putenqual beenden!
Das Bündnis für Tierschutzpolitik, welchem der Bundesverband angehört, äußerte in einem offenen Brief große Besorgnis über die jüngsten Entwicklungen im Bezug auf die geplante Haltungsverordnung für Puten und die damit verbundene Leugnungskampagne der Geflügel-Industrie. Die Tierschutzorganisationen forderten Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir auf, die Rechtsbestimmungen für die Putenhaltung umfassend zu verbessern und den tierquälerischen Status Quo endlich zu beenden. Das Bündnis drängte, das Staatsziel Tierschutz endlich umzusetzen und das skandalöse Vollzugsdefizit im Sinne der Puten zu beheben. Mehr dazu lesen Sie auf tierrechte.de.

Bundestierschutzbeauftragte wirbt für bundesweites Tierschutz-Verbandsklagerecht
Die neue Bundestierschutzbeauftragte, Ariane Désirée Kari, sprach sich  vor dem Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft für ein Verbandsklagerecht für Tierschutzthemen auf Bundesebene aus. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit Langem für ein bundesweites Tierschutz-Verbandsklagerecht ein, denn es ist ein unentbehrliches Instrument zur Umsetzung des Staatsziels Tierschutz und notwendig für die Gewaltenteilung in unserem Rechtsstaat. Das Klagerecht ermöglicht anerkannten Tierschutzverbänden tierschutzrelevante Entscheidungen von Behörden gerichtlich überprüfen zu lassen.


Neuer Gesundheitsansatz fordert grundlegende Agrarwende
Gesundheitsexperten sind sich einig, dass Angesichts der Folgen des Klimawandels, von Massentierhaltung, Antibiotika-Resistenzen sowie von drohenden neuen Pandemien ein neues, umfassenderes Gesundheitsverständnis nötig ist. Die industrielle Tierhaltung ist zur Gefahr für die menschliche Gesundheit geworden. Das One Health-Konzept verlangt nach einer grundlegenden Agrarwende, forderte der Leiter des Centrums für Bioethik an der Universität Münster Johann Ach. Er unterstützt damit die Forderungen des Bundesverbands für eine Agrar- und Ernährungswende hin zu pflanzlichen Eiweißträgern.
Trotz dieser sich häufenden Meinung von Experten sind in den letzten Wochen die Christdemokraten im Europäischen Parlament gegen das Renaturierungsgesetz der Europäischen Kommission Sturm gelaufen. Mit einer knappen Mehrheit ging der Vorschlag zum sogenannten Green Deal jetzt aber doch in die nächste Runde der Verhandlungen. Das Renaturierungsgesetz verpflichtet die EU als übergreifendes Ziel, 20 Prozent ihrer Land- und Meeresfläche bis 2030 in einen ökologisch guten Zustand zu versetzen. Das wäre zumindest ein guter Anfang für eine Agrarwende, wenn wir die absolute Klimakatastrophe noch abwenden wollen. Mehr dazu auf faz.net.

Hundefleisch: Südkorea bringt Verbot auf den Weg
Abgeordnete der Demokratischen Partei Südkoreas haben Ende Juni einen Gesetzesentwurf eingebracht, der die Zucht und Schlachtung von Hunden für den menschlichen Verzehr verbietet. Der Entwurf umfasst auch das Verbot von Hundefarmen, Hundeschlachthöfen sowie des Verkaufs von Hundefleisch. Außerdem sollen Hundezüchter bei der Umstellung auf alternative Geschäftsmodelle unterstützt werden. Meinungsumfragen zeigen, dass 87,5 Prozent der Bevölkerung kein Hundefleisch essen, auch die First Lady Kim Keon-hee spricht sich offen für ein Verbot aus. Mehr dazu bei hsi.org.


Hoffnung: Island setzt Walfang aus
Island zählt zu den wenigen Ländern der Erde, in denen Wale noch gejagt werden dürfen. Im vergangenen Jahr waren 148 Finnwale gefangen worden. Jetzt kam ein Bericht der isländischen Veterinärbehörde zu dem Ergebnis, dass die Tötung der Tiere in der vergangenen Saison länger als erlaubt gedauert habe. Die Tiere wurden mit Explosivharpunen getötet, was als besonders qualvoll gilt. Daraufhin beschloss die Lebensmittel- und Fischereiministerin, die Finnwaljagd bis zum 31. August auszusetzen. Das Ministerium will in den kommenden Monaten mögliche Änderungen der Jagdtechnik sowie weitere Einschränkungen der Jagd prüfen. Die Entscheidung könnte bedeuten, dass in diesem Jahr überhaupt keine Wale gefangen werden. Im besten Falle leitet dies das Ende des isländischen Walfangs ein, was den Weg für die Einstellung des Walfangs in Norwegen und Japan ebnen könnte. Mehr dazu hier.


Niedersachsen beschließt Katzenschutzverordnung
Ende Juni stimmte der Niedersächsische Landtag für eine Katzenschutzverordnung, nach der Katzen, die sich auch draußen aufhalten, künftig gekennzeichnet, registriert und kastriert werden müssen.
Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) erklärte, dies können viel Leid und Elend bei unversorgten Katzen vermeiden. Das Ziel sei es, eine unkontrollierte Vermehrung von Streunerkatzen zu verhindern, und Wildtiere wie Vögel, die am Boden brüten, zu schützen.
Nach Berlin ist Niedersachsen das zweite Bundesland, das eine wirksame Katzenschutzverordnung auf Landesebene einführt. Wichtig wäre eine bundeseinheitliche Regelung. Doch der Koalitionsvertrag der Ampel sieht lediglich die Kennzeichnung und Registrierung von Hunden vor. Mehr dazu auf t-online.de.

Stellenausschreibung: Taubenwart:in Bad Kreuznach

In Bad Kreuznach wird zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Mitarbeiter/-in als Taubenwart/-in gesucht. Weitere Informationen finden Sie hier.


Termine


Impressum:

Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
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53909 Zülpich
Tel. 02252 – 830 12 10
Fax 02252 – 830 12 11
E-Mail: info@tierrechte.de
Web: www.tierrechte.de
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Swift-Bic AACSDE33
Alle Spenden sind steuerlich abzugsfähig

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Zülpich (früher Aachen) sind Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion. Um Landwirt:innen Alternativen aufzeigen, wie sie auch ohne sogenannte Nutztiere erfolgreich und nachhaltig wirtschaften können, betreibt Menschen für Tierrechte die Webseite ausstieg-aus-der-tierhaltung. Um tierversuchsfreie Methoden voranzubringen, veröffentlicht der Verband das „Ersatzverfahren bzw. Replace des Jahres“ sowie das: „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Außerdem unterstützt der Verband das tierschutzkonforme Stadttaubenmanagement und gibt mehrmals im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

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