Die Reduktion von Tierversuchen oder die Förderung tierversuchsfreier Verfahren kommen im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung nicht vor. Dabei hat insbesondere die Industrie großes Interesse an neuen tierfreien Verfahren, weil sie preiswerter, schneller und meist aussagekräftiger sind. Unter der Ampel-Regierung im Herbst 2024 wurde eine Reduktionsstrategie zu Tierversuchen erarbeitet. Diese wurde jedoch nicht abgeschlossen. Dabei hatten die Beteiligten aus Wissenschaft, Industrie und Tierschutz erhebliche Kapazitäten in die Konzeption der Strategie investiert. Die Bundesregierung muss jetzt die richtigen Weichen in Richtung einer tierversuchsfreien Zukunft stellen, im Interesse der Tiere, aber auch im Interesse von Gesundheit, Forschung und Industrie.
Mit Blick auf das Staatsziel Tierschutz im deutschen Grundgesetz ist es nun an der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD, die Reduktionsstrategie der Vorgängerregierung fortzuführen – auch, um Deutschland als Forschungs- und Wirtschaftsstandort zukunftsfähig zu machen. Eine zusätzliche Förderung von tierversuchsfreien Methoden wie Zell-, Organ- und Gewebekulturen, Biochip-Technologien und computerbasierten Verfahren liefert nicht nur wertvolle Werkzeuge, sondern kann auch zur Verbesserung der Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen zum Beispiel in der Entwicklung von Therapiemöglichkeiten durch die Industrie beitragen.
Leitfaden für den Ausstieg aus dem Tierversuch
Damit die Reduktionsstrategie umgesetzt und effektiv gestaltet wird, hat Menschen für Tierrechte zusammen mit einem Bündnis von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen einen Leitfaden für die Politik vorgelegt. Die 8-seitige Broschüre enthält konkrete Vorschläge, wie der Ausstieg aus dem Tierversuch gelingen kann.
Kompetenzzentrum als Koordinationsstelle
Zentral ist, dass ein Kompetenzzentrum, unter Beteiligung aller Stakeholder, die Strategie erarbeitet und deren Umsetzung begleitet. Flankierend ist eine Überarbeitung des Tierversuchsrechts im Bereich der Genehmigungspraxis nötig sowie das überfällige Verbot von schwerbelastenden Versuchen.
Bewertung der Versuche und Umschichtung der Fördergelder
Das Bündnis fordert außerdem, dass alle durchgeführten Tierversuche rückblickend bewertet und in eine Datenbank aufgenommen werden. Versuche, die keine relevanten Ergebnisse ergaben, dürfen nicht mehr durchgeführt werden. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Umschichtung der Fördergelder im Sinne der humanbasierten tierfreien Verfahren. Zugleich muss die Validierung und Anerkennung der neuen Methoden gezielt gefördert und erleichtert werden. Dazu sollte eine Fachgruppe aus Wissenschaft und Industrie eine Agenda aufstellen, in welchen Bereichen besonders dringend neue Verfahren benötigt werden, beispielsweise weil hier sehr viele Tiere eingesetzt oder besonders belastende Versuche durchgeführt werden.
Wende in der Risikobewertung
Eine weitere Maßnahme ist eine Wende in der Risikobewertung für Chemikalien, Arzneimittel, Medizinprodukte, Pestizide und Biozide auf EU-Ebene. Die Tierschutzorganisationen fordern, ebenso wie die Industrie, dem Vorbild der USA zu folgen und tierversuchsfreie Verfahren und Humandaten für die Bewertung zuzulassen.
Studium: mehr tierfreie Verfahren lehren
Auch im Studium muss zukünftig der Einsatz von Tieren konsequent durch die bereits zahlreich verfügbaren tierfreien Methoden beendet werden. Die wissenschaftliche Kritik am Tierversuch sowie die neuen Verfahren müssen verpflichtend in die Lehrpläne aufgenommen werden. Parallel fordern die Vereine, dass nach dem Vorbild der Niederlande Lehrstühle und Studiengänge etabliert werden, die sich schwerpunktmäßig mit tierfreien Verfahren und dem Übergang zu einer humanbasierten Forschung beschäftigen.
Koalitionsvertrag erfüllen – Paradigmenwechsel einleiten
Mit dem gemeinsamen Maßnahmenplan fordert das Tierschutzbündnis endlich den überfälligen Paradigmenwechsel in Forschung, Lehre und Produkttestung einzuleiten. Die Reduktionsstrategie muss jetzt mit Leben gefüllt werden, um dem Ziel, dem Ausstieg aus dem Tierversuch, endlich näher zu kommen. Andere Länder sind hier schon viel weiter. Die Bundesregierung muss jetzt die richtigen Weichen stellen, im Interesse der Tiere, aber auch im Interesse von Gesundheit, Forschung und Industrie.
Hier können Sie sich den Maßnahmenplan als PDF herunterladen.
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Pressestelle:
Christina Ledermann
Fon: 05840/2900025
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E-Mail: ledermann@tierrechte.de
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Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Severinusstr. 52, 53909 Zülpich
Tel: 02252/830 12 10
www.tierrechte.de
www.ausstieg-aus-der-tierhaltung.de
www.ausstieg-aus-dem-tierversuch.de
www.invitrojobs.de
www.satis-tierrechte.de
www.stadttauben.de
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Zülpich (früher Aachen) sind Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Ernährungs- und Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion. Mit dem Projekt Ausstieg aus der Tierhaltung zeigt er Landwirt:innen Alternativen auf, wie sie auch ohne sogenannte Nutztiere erfolgreich und nachhaltig wirtschaften können. Um tierversuchsfreie Methoden voranzubringen, veröffentlicht der Verband das „Ersatzverfahren bzw. Replace des Jahres“ sowie das: „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Außerdem unterstützt der Verband das tierschutzkonforme Stadttaubenmanagement und gibt mehrmals im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

