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19. Mai 2022: Tierversuche: Reduktionsstrategie als Einstieg in den Ausstieg nutzen

Menschen für Tierrechte legen Maßnahmenplan vor

Um die geplante Reduktionsstrategie der Bundesregierung so effektiv wie möglich auszugestalten, hat der Bundesverband Menschen für Tierrechte einen Maßnahmenplan erarbeitet und diesen an alle relevanten politischen Entscheidungsträger übermittelt. Die 10-seitige Broschüre enthält konkrete Vorschläge, die kurz- und langfristig einen Ausstieg aus dem Tierversuch einleiten können.

Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, Tierversuche reduzieren zu wollen. Auf Seite 44 heißt es dazu: „Wir legen eine Reduktionsstrategie zu Tierversuchen vor. Wir verstärken die Forschung zu Alternativen, ihre Umsetzung in die Praxis und etablieren ein ressortübergreifendes Kompetenznetzwerk (…)“ (1).

Basis: existierende Ausstiegskonzepte
Auf Basis der mittlerweile existierenden Ausstiegskonzepte und der aktuellen Lage in Wissenschaft und Sicherheitsprüfung hat der Bundesverband Menschen für Tierrechte jetzt Vorschläge erarbeitet und zusammengestellt, die kurz- und langfristig einen Ausstieg in Deutschland einleiten können. Diese umfassen die gezielte Förderung tierversuchsfreier Verfahren sowie interdisziplinäre Ansätze, die Beschleunigung der Validierung sowie die Einführung eines Kompetenzzentrums als Koordinationsstelle. Weitere Maßnahmen sind unter anderem neue Ansätze für die Risikobewertung, Teststrategien für Giftigkeitsprüfungen, 10-Jahres-Pläne für die angewandte und die translationale Forschung sowie und eine gerichtsfeste Negativ-Liste.

Wichtig: konkrete Ausstiegsdaten
„Es war zwar sehr enttäuschend, dass der Tierversuchs-Ausstieg aus den Wahlprogrammen von Grünen und SPD nicht in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde, wir werden die Bundesregierung aber dennoch nach Kräften unterstützen, damit die angekündigte Reduktionsstrategie ein Erfolg wird. Unser Ziel ist, dass die Reduktion der Einstieg in den perspektivischen Ausstieg aus dem Tierversuch wird. Vorbild können die bereits erarbeiteten Ausstiegsstrategien der USA und der Niederlande sein. Entscheidend ist, dass die Bundesregierung endlich konkrete Ausstiegsdaten festlegt, bis zu denen bestimmte Tierversuche beendet werden müssen. Dass dies funktioniert, hat das Verbot von Tierversuchen für Kosmetik gezeigt“, sagt Dr. Christiane Hohensee, Fachreferentin für tierversuchsfreie Verfahren und Leiterin der Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs.

Vorbilder USA und Niederlande
Als erster EU-Mitgliedstaat hatten die Niederlande 2016 ein Gutachten erarbeitet, das einen möglichen Fahrplan für eine strukturierte und differenzierte Ausstiegsstrategie vorschlägt (2). Kernpunkte waren konkrete Zielvereinbarungen und gestaffelte Ausstiegsdaten für bestimmte Bereiche. Die USA folgten 2019 mit einer Richtlinie der Umweltbehörde EPA (3). Diese verbietet toxikologische Versuche an Säugetieren ab 2035. Dazu werden ab 2025 die Fördergelder für Tierversuche in diesem Bereich um 30 Prozent gekürzt und ab 2035 ganz gestrichen.

Download der 10-seitigen Broschüre „Maßnahmen für eine tierversuchsfreie Forschung“ als PDF.

Quellen:
(1) Download des Koalitionsvertrages 2021-2025 unter: www.spd.de
(2) National Comité advies dierproevenbeleid (2016). NCad opinion Transition to non-animal research.
(3) Grundstein für die Richtlinie (Directive to Prioritize Efforts to Reduce Animal Testing) und den im Jahr 2020 vorgelegten US-Ausstiegsplan (New Approach Methods Work Plan – Reducing use of animals in chemical testing) war das bereits 2009 verabschiedete Konzept „Toxicology in the 21st Century“.

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Pressestelle:
Christina Ledermann
Mobil: 0179/450 46 80
E-Mail: ledermann@tierrechte.de
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Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Neue Geschäftsstelle: Severinusstr. 52, 53909 Zülpich
Tel: 02252/830 12 10, Internet: www.tierrechte.de


Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Zülpich (früher Aachen) sind Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion, um das Ende der „Nutztier“-Haltung zu erreichen. Darüber hinaus ernennt der Verband beispielsweise das „Ersatzverfahren bzw. Replace des Jahres“ sowie das: „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Etablierung der Tierschutz-Verbandsklage, eine tierlose bio-vegane Landwirtschaft sowie die Aufnahme von Tierrechten in die Lehrpläne von Schulen. Der Verband gibt viermal im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

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