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18. Januar 2023: Zukunftsszenarien zeigen: Tierhaltung hat keine Zukunft

Neues Projekt stellt Alternativen jenseits der Tierhaltung vor

Diverse Szenarien gehen davon aus, dass die traditionelle Tierhaltung keine Zukunft hat. Anlässlich der am 20. Januar beginnenden Landwirtschaftsmesse Grüne Woche macht der Bundesverband Menschen für Tierrechte deswegen auf sein neues Informations- und Vernetzungsportal „Ausstieg aus der Tierhaltung“ aufmerksam. Dieses stellt zukunftsfähige und wirtschaftliche Einkommensquellen für Landwirt:innen jenseits der Tierhaltung vor.

Anlässlich der weltgrößten Landwirtschaftsmesse werden am Wochenende wieder Zehntausende gegen die Folgen der intensiven Landwirtschaft und der Tierindustrie protestieren. Massentierhaltung und Monokulturen sind nicht nur verheerend für Klima und Tiere, sie schaden auch Böden, Wasser und Biodiversität. Es besteht weitgehend Einigkeit, dass eine grundsätzliche Transformation des Landwirtschafts- und Ernährungssystems nötig ist. Doch Parteien und Gesellschaft sind uneinig bezüglich der Ziele und Maßnahmen.

Traditionelle Tierhaltung wird verdrängt
Die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) hat 2022 zwei Zukunftsszenarien zum Thema „Landwirtschaften 2042“ entworfen. In beiden kommt es zu einem deutlichen Rückgang der Tierbestände. Szenario 1 geht davon aus, dass tierische Produkte zukünftig günstiger in Bioreaktoren hergestellt werden, was die traditionelle Tierhaltung sukzessiv verdrängt. Szenario 2 geht davon aus, dass die Förderstrukturen komplett im Sinne des Klimaschutzes umstrukturiert werden. Durch staatliche Lenkungsmaßnahmen steigt die Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen.

Neue Geschäftsmodelle bieten Chancen
In beiden Zukunftsvisionen geht der Trend weg von der Tierhaltung hin zu neuen Geschäftsmodellen. Landwirt:innen werden zu Multi-Unternehmern, die neben dem Anbau von pflanzlichen Grundnahrungsmitteln Einnahmen durch das Betreiben von Photovoltaik, Windkraftanlagen oder Biogasproduktion generieren. Einkommensmöglichkeiten entstehen auch durch den Emissionshandel, das Erbringen von Gemeinwohlleistungen wie die Wiedervernässung von Mooren sowie durch touristische Aktivitäten und Erlebnisgastronomie. Chancen für Landwirt:innen liegen aber auch im Bereich der zellulären Landwirtschaft. Als Rohstofflieferant für hybride Produkte, die auch pflanzliche Komponenten enthalten, ebenso wie als Betreiber von Bioreaktoren. „Dies kann auch für deutsche Landwirt:innen ein Geschäftsmodell darstellen“, sagt Florentine Zieglowski von der CellAG Deutschland.

Tierhaltung läuft aus
„Die Zukunftsszenarien der EKSH zeigen deutlich, dass die Tierhaltung keine Zukunft hat. Die gute Nachricht für Landwirt:innen: Daraus ergeben sich viele neue Chancen und Perspektiven. Genau hier setzt unser neues Projekt „Ausstieg aus der Tierhaltung“ an. Damit zeigen wir die Vielzahl von Möglichkeiten auf, wie auch ohne sogenannte Nutztiere schon heute wirtschaftlich gearbeitet werden kann“, sagt Dr. Stefanie Schindler, Fachreferentin beim Bundesverband Menschen für Tierrechte.

Hilfestellung beim Ausstieg
Die Webseite ist insofern einmalig, als sie sich als Anlaufstelle für Landwirt:innen versteht, die an ihrer bisherigen tierbasierten Wirtschaftsweise zweifeln. Sie möchte Anregungen bieten, und sie will Mut machen. Dazu stellt sie Betriebe vor, die erfolgreich umgestellt haben, enthält Interviews mit Menschen, die beim Aus- und Umstieg beraten können und bietet Informationen zu alternativen und zukunftsfähigen Einkommensquellen. Um die vielen Alternativen aufzuzeigen, wird die Webseite kontinuierlich ausgebaut und aktualisiert.

Maßnahmen für eine Agrar- und Ernährungswende
Damit die Transformation gelingen kann, fordert Menschen für Tierrechte die Politik auf, schnell konkrete Maßnahmen für eine Agrar- und Ernährungswende einzuleiten. Dazu hat er zehn Forderungen zusammengestellt. Um Ernährungssicherheit und resiliente Agrarsysteme zu gewährleisten, spricht sich der Verband für den biologischen Anbau von pflanzlichen Eiweißträgern für die menschliche Ernährung aus. Landwirt:innen sollen künftig einerseits nachhaltig und wirtschaftlich pflanzliche Lebensmittel erzeugen und andererseits im Sinne des Gemeinwohls Ökosysteme renaturieren und pflegen.

Mehr zur den Zukunftsszenarien „Landwirtschaft 2042“ unter: www.ausstieg-tierhaltung.de
Download der 10-seitigen Broschüre „Forderungen für eine Agrar- und Ernährungswende“ als PDF unter: www.tierrechte.de

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Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Severinusstr. 52, 53909 Zülpich
Tel: 02252/830 12 10
www.tierrechte.de
www.ausstieg-aus-der-tierhaltung.de
www.ausstieg-aus-dem-tierversuch.de
www.invitrojobs.de
www.satis-tierrechte.de
www.stadttauben.de


Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Zülpich (früher Aachen) sind Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Ernährungs- und Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion. Mit dem Projekt Ausstieg aus der Tierhaltung zeigt er Landwirt:innen Alternativen auf, wie sie auch ohne sogenannte Nutztiere erfolgreich und nachhaltig wirtschaften können. Um tierversuchsfreie Methoden voranzubringen, veröffentlicht der Verband das „Ersatzverfahren bzw. Replace des Jahres“ sowie das: „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Außerdem unterstützt der Verband das tierschutzkonforme Stadttaubenmanagement und gibt mehrmals im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

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