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23. April 2019: Mitmachaktion für einen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch

Zum Internationalen Tag des Versuchstiers am 24. April fordert der Bundesverband Menschen für Tierrechte die Bundesregierung auf, endlich einen konkreten Masterplan für den Ausstieg aus dem Tierversuch vorzulegen. Um der Forderung mehr Nachdruck zu verleihen, hat der Tierrechtsverband jetzt eine Petition gestartet und zählt auf die Unterstützung der Bürger.

Foto: Fotolia.com/Kzenon, Grafik: Alexa Binnewies

Rund 2,8 Millionen Tiere leiden und sterben immer noch jedes Jahr in deutschen Laboren. Dabei steht in den Erwägungsgründen der EU-Tierversuchsrichtlinie (1), dass „Verfahren mit lebenden Tieren für wissenschaftliche Zwecke und Bildungszwecke vollständig zu ersetzen (sind), sobald dies wissenschaftlich möglich ist“.  „Ein Rückgang ist nicht erkennbar und die Bundesregierung hat bisher keine konsequenten Maßnahmen ergriffen, um die Tierversuchszahlen zu reduzieren. Um den überfälligen Paradigmenwechsel weg vom Tierversuch einzuleiten, brauchen wir jedoch deutlich mehr tierversuchsfreie und humanspezifische Forschungs- und Prüfmethoden“, beklagt Carolin Spicher, Biologin und Fachreferentin beim Bundesverband.

Abbauplan: Niederlande machen es vor
Damit der anvisierte Ausstieg gelingen kann, ist nach Ansicht des Verbandes eine Gesamtstrategie notwendig, ähnlich wie beim Atomausstieg oder beim Klimaschutzplan. Deswegen fordern Menschen für Tierrechte von Wissenschaftsministerin Anja Karliczek, sowie von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, einen Masterplan für den Ausstieg aus dem Tierversuch vorzulegen und umzusetzen. Deutschland kann sich dabei am Vorbild der Niederlande orientieren: Den Haag hatte bereits 2016 einen systematischen Abbauplan (2) veröffentlicht, der konkrete Meilensteine und strategische Maßnahmen umfasst, wie ein schrittweiser Ausstieg aus dem System Tierversuch gelingen kann.

Sicherheitstests mit Tieren bis 2025 beenden
Danach könnten Tierversuche für regulatorische Sicherheitstests für Chemikalien, Lebensmittelzusätze, Pestizide und Tier- und Humanmedizinprodukte unter Einhaltung des gleichen Sicherheitsniveaus bis 2025 beendet werden, sofern die Entwicklung der fehlenden komplexen tierversuchsfreien Tests angekurbelt wird. Für die Grundlagenforschung sieht der Plan eine schrittweise Reduzierung der Tierversuche vor. Leider stellt sich bisher kein EU-Mitgliedstaat hinter die niederländische Initiative. Im Gegenteil, der Zeitplan wurde als unrealistisch kritisiert. Nur die Regierung der Region Brüssel-Hauptstadt wurde aktiv und legte einen Abbauplan im Sinne des niederländischen Berichts vor.

Nötig: Konkrete Maßnahmen
„Der vermeintliche Tierschutzmusterknabe Deutschland hat noch immer keinen Masterplan vorgelegt. Deswegen sollte sich Deutschland schnellstens dem Niederländischen Abbauplan anschließen. Dazu müssen Politiker, Wissenschaftler, Industrie-, Behörden- und Tierschutzvertreter endlich an einem Strang ziehen. Ein erstes Ziel wäre: Regulatorische Sicherheitstests sollen baldmöglichst komplett tierversuchsfrei laufen“, fordert Carolin Spicher. Der Bundesverband hat vor Jahren schon ein Konzept für einen Ausstieg aus dem Tierversuch vorgestellt und seitdem weiterentwickelt. Das Gesamtkonzept umfasst u.a. folgende Maßnahmen:

  • Drastische Erhöhung der Forschungsgelder explizit für tierversuchsfreie Verfahren
  • Festlegung besonders dringlicher Forschungsbereiche, für die vorrangig tierversuchsfreie Verfahren entwickelt werden müssen
  • Ausweitung einer tierversuchsfreien Wissenschaft in Lehre und Forschung
  • Ausweitung der Verbotsregelungen zur Reduktion der Tierversuche: Verbote, die die Richtlinie 2010/63/EU vorsieht, sollten endlich umgesetzt werden, beispielsweise das Verbot schwerbelastender Tierversuche
  • Drastische Verkürzung der zeitlichen Prozesse für Prüf- und Anerkennungsverfahren für tierversuchsfreie Verfahren
  • Erfolgskontrolle über die Zunahme tierversuchsfreier Verfahren und Abnahme der Tierversuche
  • Einrichtung eines nationalen Kompetenzzentrums als Auskunftsstelle für Behörden und Wissenschaftler

Petition für den Ausstieg
Der Bundesverband hat jetzt eine Petition gestartet, um mit den Stimmen vieler Bürger, seine Forderung nach einem Ausstiegsplan zu verstärken. Die Unterschriften werden zu gegebener Zeit an die oben genannten Ministerinnen übergeben.

Hier kann die Petition unterzeichnet werden: www.change.org

Mehr Details zum Ausstiegsplan lesen Sie auf unserer Webseite: www.tierrechte.de

(1) 2010 haben die EU-Mitgliedstaaten vereinbart, Verfahren mit lebenden Tieren für wissenschaftliche Zwecke und Bildungszwecke vollständig zu ersetzen, sobald dies wissenschaftlich möglich ist (Richtlinie 2010/63/EU, Erwägungsgründe 10, 46, Artikel 47 Absatz 1).
(2) Abbauplan der Niederlande unter: www.ncadierproevenbeleid.nl

 

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Pressestelle:
Christina Ledermann
Tel.: 0211/16345429
Mobil: 0179/450 46 80
E-Mail: ledermann@tierrechte.de

Ansprechpartnerin in Vertretung:
Carolin Spicher
E-Mail: spicher@tierrechte.de
Mobil: 0176/55182764

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Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Neue Geschäftsstelle: Mühlenstr. 7a, 40699 Erkrath
Tel: 0211 / 22 08 56 48, Internet: www.tierrechte.de

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Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Erkrath (früher Aachen) sind über 60 Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aud dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion, um das Ende der „Nutztier“-Haltung zu erreichen. Darüber hinaus ernennt der Verband beispielsweise das „Ersatzverfahren bzw. Replace des Jahres“ sowie das: „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Etablierung der Tierschutz-Verbandsklage, eine tierlose bio-vegane Landwirtschaft sowie die Aufnahme von Tierrechten in die Lehrpläne von Schulen. Der Verband gibt viermal im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

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