Allgemein Newsletter Tierrechte

Newsletter Tierrechte Nr. 10/18 vom 29.06.2018

Inhalt

  • Weiter in der Kritik: Undercover-Recherchen
  • Botox-Aktionswoche: Neue Botox-Tests müssen Tierversuche komplett ersetzen
  • Tiertransporte: Anhörung im Bundestag
  • Wahlprüfsteine Hessen
  • Tod eines Pferdes bei Reitmeisterschaft
  • Nitrat: Deutschland droht Millionen-Strafe
  • Verlosung: Neues Zoo-Kinderbuch
  • Hör-Tipps
  • Termine

 Liebe Leserinnen und Leser,

der Streit um sogenannte „Stalleinbrüche“ (Undercover-Recherchen) geht weiter. Kürzlich unterstellte FDP-Sprecher-Gero Hocker Tierschützern die Manipulation von gedrehtem Material. Dies träfe „in 99 Prozent der Fälle“ zu. Belegen konnte die FDP dies allerdings nicht. Mitte Juni brachte die FDP-Fraktion zudem einen Antrag in den Bundestag ein, mit dem sie beteiligten Vereinen die Gemeinnützigkeit aberkennen will.

„Klientelpolitik für die Intensivtierhalter“
Während Abgeordnete der CDU/CSU und der AFD dies mehrheitlich unterstützten, werfen Abgeordnete von SPD, Linken und Grünen der FDP vor, Tierrechtler einschüchtern und kriminalisieren zu wollen und verwiesen auf die Gerichtsurteile, die das Eindringen in Ställe zur Dokumentation der Zustände als gerechtfertigt bewerten. Die Linken-Politikerin Amira Mohamed Ali warf der FDP „Klientelpolitik für die Intensivtierhalter“ vor und die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) bezeichnete den FDP-Antrag als plumpen Versuch, „massenhaft Tierquälerei zu verteidigen“.

Umfrage: Mehrheit für Undercover-Recherchen
Währenddessen belegt eine Emnid-Umfrage, dass 82 Prozent der Befragten Undercover-Recherchen und stärkere Tierschutzkontrollen befürworten. Passend dazu veröffentlichte die Zeit-Online gleich zwei hochinteressante Beiträge. In einem Interview erklärt der Strafrechtler Jens Bülte, warum Tierquälerei so selten bestraft wird. Zur Diskussion um die Undercover-Recherchen stellt er die Frage: „Sollen hier wirklich Landwirte vor kriminellen Tierschützern geschützt werden, oder eher kriminelle Agrarunternehmer vor Tierschützern?“ in dem Artikel „Arme Schweine“ wird die zudem schwierige Arbeit von Amtstierärzten thematisiert. Es kommt immer wieder vor, dass diese beim Aufdecken von Missständen angefeindet, bedroht und kaltgestellt werden.


Rats, unknown location, unknown copyright

Botox-Aktionswoche: Neue Botox-Tests müssen Tierversuche komplett ersetzen
diese Woche findet die europaweite Botox-Aktionswoche statt. Grundsätzlich gibt es hier Positives zu berichten, denn mittlerweile haben alle Hersteller des Faltenmittels Botox tierversuchsfreie Verfahren mit menschlichen Zellen entwickelt, um die qualvollen LD50-Tests mit Mäusen zu beenden. Bei einer Bestandsaufnahme zum Entwicklungsstand der tierversuchsfreien Botox-Testverfahren stellten wir allerdings fest, dass trotz existierender Alternativen noch immer Mäuse in qualvollen Produktsicherheitstests eingesetzt werden. Deswegen haben wir die Wissenschaft sowie die kosmetische und pharmazeutische Industrie dazu aufgerufen, auch hierfür tierleidfreie Tests zu entwickeln. Bitte machen Sie mit bei unserer Online-Petition, in der wir Hersteller dazu auffordern, tierleidfreie Tests für die Produktsicherheitstests zu entwickeln. Hier lesen Sie die Pressemitteilung.


Tiertransporte: Anhörung im Bundestag
Trotz öffentlicher Empörung steigt die Zahl der Langstreckentransporte von lebenden Tieren in außereuropäische Länder seit Jahren an. EU-weit werden rund vier Millionen Tiere aus Europa in Drittländer exportiert. Aus diesem Grund fand auf Basis von Anträgen der FDP und den Grünen am 25. Juni eine Anhörung im Landwirtschaftsausschuss statt. Der FDP-Antrag fordert, dass die Regelungen der EU-Tiertransport-Verordnung bis zum endgültigen Beförderungsort eingehalten werden. Darüberhinaus fordern wollen Grünen, dass die maximale Transportdauer bei inländischen Transporten auf vier Stunden und bei Transporten ins Ausland auf acht Stunden begrenzt wird.

Kein Transport ohne Mängel
Ergebnisse: Kein Transport ohne Mängel, katastrophale Zustände bei Transporten nach Asien, Nahost und Nordafrika, Falschdeklarierung von „Schlachttieren“ als „Zuchttiere“, keine Tierschutzregeln jenseits der EU-Grenzen, zu wenig Kontrollen und Personal, keine Bußgelder bei Tierschutzverstößen. Die Forderung: Es sollen keine Transporte mehr in Drittländer erlaubt werden dürfen, sollten diese nicht mindestens dem EU-Niveau entsprechen. Hier lesen Sie mehr zum Thema, hier können eine Petition gegen Tiertransporte unterzeichnen.


Wahlprüfsteine Hessen
Hessen wählt am 28. Oktober einen neuen Landtag. Sechs* Tierschutzorganisationen – darunter auch Menschen für Tierrechte – haben sich mit gemeinsamen Wahlprüfsteinen zum Tierschutz an die Parteien gewendet. Die 24 Fragen thematisieren u.a. die Tierschutz-Verbandsklage, Kastrationsprogramme für Hauskatzen, Wildtiere & Jagd, Haustiere, landwirtschaftliche Tierhaltung, Reduzierung von Tierversuchen, Entwicklung tierversuchsfreier Methoden, Verbot schwerstbelastender Tierversuche, einen Abbauplan für Tierversuche sowie Tierschutzpädagogik in Schulen und Lehrerausbildung. Die CDU hat ihre Antworten auf ihrer Website eingestellt.

* Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V., Wildtierschutz Deutschland e. V., Menschen für Tierrechte Bundesverband der Tierversuchsgegner e. V., TASSO e. V. und Landes-tierschutzverband Hessen e. V.

Tod eines Pferdes bei Reitmeisterschaft
Bei einem Reit-Turnier im Vielseitigkeitsreiten im niedersächsischen Luhmühlen musste am vorletzten Wochenende ein elf Jahre alter Wallach nach einem Sturz eingeschläfert werden. Dressur, Springreiten und Rennsport sind ein Millionengeschäft. Den wahren Preis zahlen die Pferde. Sie werden mit umstrittenen Trainingsmethoden, Zwangsmitteln, Doping, Schmerzen und Angst zu widernatürlichen Höchstleistungen getrieben, die nicht selten mit ihrem Tod auf Rennbahn oder Turnierplatz enden. Mehr Infos zum Thema lesen Sie hier.


Nitrat: Deutschland droht Millionen-Strafe
Deutschland hat nicht genug getan, um die Nitratwerte im Grundwasser zu senken. Das unterstreicht das Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Die Richter gaben der Klage der EU-Kommission statt. Es drohen Straf-zahlungen in Millionenhöhe.

In ihrem Kommentar „Politik sollte der Massentierhaltung Einhalt gebieten“ bilanziert Silke Looden, die neue Düngeverordnung sei nicht genug, um das gefährliche Nitratproblem in Deutschland nachhaltig zu lösen. Am Ende gehe es nur über die Reduktion der Tierzahlen.

Sehen Sie dazu auch den MDR-Beitrag „Uns stinkt’s! Die Mistrevolte“ über den Kampf gegen die Gülle. Er zeigt eindringlich die grundsätzlichen Systemfehler in der Landwirtschaft. Es geht schlicht um rücksichtlose Profitmaximierung ohne Rüchsicht auf Umwelt, Tierschutz und Gesundheit, die teils mit krimineller Energie verfolgt wird. Nutznießer ist die Fleischindustrie.


Lotte Siebengescheit geht in den Zoo – und findet’s gar nicht toll, 52 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-86569-297-9, 18,00 €

Verlosung: Neues Zoo-Kinderbuch
Oma lädt Lotte ein, mit ihr in den Zoo zu gehen. Um des lieben Friedens willen geht Lotte mit, obwohl sie Zoos nicht mag. Dann nutzt die siebengescheite Enkelin die Gelegenheit, ihre Oma über artgerechte Tierhaltung aufzuklären. Ein außergewöhnliches Bilderbuch von Colin Goldner für Kinder und Erwachsene, das sich kritisch mit dem Zoo und mit unserem Verhältnis zu Tieren im Allgemeinen auseinandersetzt.

Wir verlosen drei Exemplare des Buches. Bei Interesse schreiben Sie bitte eine E-Mail an: newsletter@tierrechte.de mit dem Betreff „Lotte“.

Mehr Infos zu dem Buch unter: www.greatapeproject.de


Hör-Tipps
„Die Artangehörigkeit sollte keine Rolle spielen“
Der Politologe Bernd Ladwig hält es für ein moralisches Grundgebot, dass Menschen komplexen Säugetieren kein Unrecht zufügen sollten. Die zentrale und immer noch umstrittene Frage, wie sich Tierrechte begründen lassen, beantwortet Ladwig ausgehend von den Menschenrechten. Nachhören unter: www.deutschlandfunkkultur.de

Affenzucht für die Tierversuchsindustrie
Mauritius gilt als Urlaubsparadies im Indischen Ozean. Eher unbekannt ist, dass auf der Insel Affen gezüchtet werden, um sie dann für Tierversuche zu verkaufen. Anhören oder herunterladen unter: www.swr.de


Termine


 

 

Impressum:

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Fax 0211 – 22 08 56 49
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Alle Spenden sind steuerlich abzugsfähig

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Erkrath (früher Aachen) sind über 60 Vereine sowie Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion, um das Ende der „Nutztier“-Haltung zu erreichen. Darüber hinaus ernennt der Verband beispielsweise das „Ersatzverfahren des Jahres“ sowie das „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Etablierung der Tierschutz-Verbandsklage, eine tierlose bio-vegane Landwirtschaft sowie die Aufnahme von Tierrechten in die Lehrpläne von Schulen. Der Verband gibt viermal im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

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