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01. Oktober 2021: Das Qualzucht-Evidenz Netzwerk geht online

Heute geht das Qualzucht-Evidenz Netzwerk (QUEN) online. Es dient dazu, zuchtbedingte Defekte bei Tieren bekannt und sichtbar zu machen. Dadurch soll der Vollzug des sogenannten Qualzuchtparagrafen (§11bTierschutzgesetz-TierSchG) verbessert werden. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist offizieller Unterstützer des Projektes.

Seit über 30 Jahren weisen Tierärzt:innen und Expert:innen anderer Fachrichtungen auf die Folgen der “Gestaltungsfreiheit“ des Menschen in der Tierzucht hin. Leiden, Schmerzen und Schäden der Tiere, die auf bestimmte Merkmale gezüchtet werden, bleiben bisher weitgehend unberücksichtigt. Nicht nur Hunde, Katzen und Heimtiere, sondern auch Millionen sogenannter landwirtschaftlicher Nutztiere sind betroffen.

„Das ist mit dem Tierschutz als Staatsziel nicht vereinbar“, mahnt die QUEN-Projektleiterin Diana Plange, Fachtierärztin für Tierschutz und Tierschutzethik. Viele Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit der Frage, warum trotz eindeutiger gesetzlicher Einschränkungen und Verbote die Zucht mit defektbelasteten Tieren, nicht nur sehr geringe Fortschritte in der Umsetzung des §11b TierSchG macht, sondern die zuchtbedingten Defekte und Einschränkungen und das damit verbundene Leiden der Tiere, immer extremer werden. Die Aufklärung über die Leiden der Tiere mit zuchtbedingten Defekten, ist wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzeptes QUEN. Dieses Konzept wurde von Tierärztinnen und Tierärzten entwickelt, damit sie ihre Garantenpflicht im Tierschutz nachhaltig erfüllen zu können.

„Das bestehende Vollzugsdefizit im Bereich der Defekt- bzw. Qualzucht ist auch ein Problem unserer Nachbarländer“, hält Dr. Heidemarie Ratsch, Präsidentin der Tierärztekammer Berlin, fest. Das ist der Grund für die intensive Kooperation mit einer international zusammengesetzten Arbeitsgruppe zum Thema Qualzuchten.

„Von Qualzucht sind alle Tiere betroffen, auf die der Mensch züchterischen Einfluss nimmt. Besonders viele Tiere betreffen die Qualzuchten bei sogenannten Nutztieren. Ob „Masthühner“, „Legehennen“, Puten, Schweine oder Kühe, bei ihnen ist Qualzucht zur Profitmaximierung die Regel. Damit beispielsweise „Masthühner“ in etwa 33 Tagen „schlachtreif“ sind, hat man besonders schnell wachsende Mastlinien mit einem hohen Brustfleischanteil gezüchtet. Diese Tiere sind so qualgezüchtet, dass sie überhaupt nicht mehr lebensfähig sind. Etwa 13 Millionen Hühner sterben schon vor dem Ende der Mast, weil Beine, Herz und Lunge mit dem extremen Fleischzuwachs nicht mithalten können“, kritisiert Christina Ledermann, Vorsitzende des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte.

Vor diesem Hintergrund wurde mit QUEN die Idee umgesetzt, Vollzugshilfen für Veterinärämter zu entwickeln und diese als Website öffentlich zugänglich zu machen. Darüber hinaus finden sich Rechtsgutachten, einschlägige Urteile, Informationen zu Tierarten und relevanten Merkmalen, sowie viele Möglichkeiten sich zu vernetzen und zu informieren.

Realisierung, Aufbau, Aktualisierung und Erweiterung der Informationsplattform erfolgt in Kooperation mit folgenden Institutionen: Tierärztekammer Berlin, Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT), Tierschutz-Ombudsstelle Wien (TOW), Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, Bundesverband Menschen für Tierrechte, Schweizer Tierschutz und den Tierschutzbeauftragten der Bundesländer. Sie wird unterstützt von vielen weiteren Organisationen, Verbänden und Organisationen, die in der Reihenfolge der Förderungszusagen auf der QUEN-Website veröffentlicht werden.

  • Pressekontakt QUEN: Diana Plange: info@qualzucht-datenbank.eu
  • Pressekontakt Tierärztekammer Berlin: Dr. Heidemarie Ratsch ratsch@tieraerztekammer-berlin.de
  • Website QUEN: qualzucht-datenbank.eu
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Pressestelle:
Christina Ledermann
Tel.: 05840/99 99 790
Mobil: 0179/450 46 80
E-Mail: ledermann@tierrechte.de

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Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Neue Geschäftsstelle: Severinusstr. 52, 53909 Zülpich
Tel: 02252/830 12 10, Internet: www.tierrechte.de


Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Zülpich (früher Aachen) sind Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion, um das Ende der „Nutztier“-Haltung zu erreichen. Darüber hinaus ernennt der Verband beispielsweise das „Ersatzverfahren bzw. Replace des Jahres“ sowie das: „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Etablierung der Tierschutz-Verbandsklage, eine tierlose bio-vegane Landwirtschaft sowie die Aufnahme von Tierrechten in die Lehrpläne von Schulen. Der Verband gibt viermal im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

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