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18. Mai 2021: Gemeinschaftskampagne: „Rewe-Qualfleisch? Ohne mich!“

Rewe fällt beim Tierschutz hinter Aldi und Norma zurück
Zum Protest gegen Qualfleisch von Rewe rufen seit heute die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, der Bundesverband Menschen für Tierrechte und sieben weitere Tierschutzorganisationen auf. Gemeinsam mit kritischen KundInnen fordern sie Deutschlands zweitgrößten Lebensmitteleinzelhändler auf, höhere Tierschutzstandards in der Hühnermast einzuführen. Rewe hinkt Mitbewerbern wie Aldi oder Norma hinterher und wird den eigenen vollmundigen Nachhaltigkeitsversprechen nicht gerecht, so die Stiftung. Untermauert wird die Kritik von Undercover-Aufnahmen aus dem Stall des Rewe-Zulieferers Wiesenhof. Glaubhaft für mehr Tierschutz könnte Rewe mit der Europäischen Masthuhn-Initiative sorgen.

Rewe erlaubt weiterhin Qualzucht
„Rewe hat angekündigt, sein Premiumangebot bei den Hühnerfleischprodukten zu erhöhen. Den restlichen Hühnern, die in den Rewe-Märkte enden, hilft das jedoch gar nicht,« erklärt Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung. »Das Standard-Rewe-Niveau für den Großteil der Hühner liegt unter dem der Masthuhn-Initiative. Zudem erlaubt Rewe weiterhin Qualzucht für eine maximale Fleischausbeute. Die ist einer der Hauptgründe für das Leiden der Tiere. Die Europäische Masthuhn-Initiative geht diese Probleme an – und zwar zum Nutzen aller Hühner in der Mast. Aldi, Globus, Tegut, Norma und Bünting haben sich der Initiative angeschlossen, dann wird Rewe das ja wohl auch schaffen.“

Geflügelmast: Eindringliches Beispiel für extreme Grausamkeit
„Die Geflügelmast ist ein eindringliches Beispiel für die extreme Grausamkeit der industriellen Tierhaltung. Damit sogenannte „Masthühner“ in etwa fünf Wochen „schlachtreif“ sind, hat man besonders schnell wachsende Mastlinien mit einem hohen Brustfleischanteil gezüchtet. Beine, Herz und Lunge können mit dem extremen Fleischzuwachs jedoch nicht mithalten. Deswegen sterben etwa 12,6 Millionen Tiere pro Jahr allein in Deutschland noch vor dem Ende der ohnehin kurzen Mast. Um dieses skandalöse Tierleid zu beenden, ist es am besten, überhaupt kein Geflügelfleisch mehr zu essen. Es gibt mittlerweile viele leckere pflanzliche Alternativen. Wer es dennoch tun möchte, sollte nur noch bei Lebensmitteleinzelhändlern kaufen, die sich der Masthuhn-Initiative angeschlossen haben“, sagt Christina Ledermann, Vorsitzende vom Bundesverband Menschen für Tierrechte.

Die Albert Schweitzer Stiftung mobilisiert derzeit noch mehr Menschen, wirksamen Tierschutz von Rewe einzufordern. Auf www.ReweDeinTierleid.de informiert sie über die Tierquälerei für Rewe-Hühnerfleisch. Dort kann man sich auch der Forderung an das Unternehmen anschließen. Die Stiftung hat zudem in den kommenden Tagen online und offline Aktionen geplant, u. a. vor Rewe-Märkten und -Büros, sowie Außenwerbung geschaltet. Neben dem Undercover-Material ist auch ein animiertes Video, das von Schauspieler und Aktivist Hannes Jaenicke gesprochen wird, Teil der Kampagne.

Aufnahmen aus Wiesenhof-Stall zeigen leidende Tiere
Die Undercover-Aufnahmen stammen aus einem Wiesenhof-Stall in Niederlehme (Brandenburg). Sie wurden von der Tierschutzorganisation SOKO Tierschutz angefertigt. Zu sehen sind Hühner, die sich aufgrund ihres massiven Muskelwachstums kaum auf den Beinen halten, bzw. nicht mehr aufstehen können. Tierqual hat System in der Massentierhaltung: Sogenannte Masthühner leiden besonders unter der Qualzucht, trostlosen und überfüllten Ställen sowie stressvollen Betäubungsmethoden vor der Schlachtung. Hühner aus der Mast machen mehr als 80 % der geschlachteten Landtiere aus. Jährlich sind das mehr als 620 Millionen Tiere, die Mehrheit aus konventioneller Massentierhaltung. In Umfragen wünscht sich die Mehrheit der Deutschen jedoch regelmäßig bessere Haltungsbedingungen für landwirtschaftlich genutzte Tiere.

Organisationen kritisieren faulen Deal der Supermärkte
Die in der »Initiative Tierwohl« organisierten Einzelhandelsunternehmen – darunter auch Rewe – haben angekündigt, künftig mehr Produkte der »Haltungsform«-Stufen 3 und 4 anzubieten. Das sieht die Albert Schweitzer Stiftung als Versuch, günstig um das Thema Tierschutz in der Hühnermast herumzukommen.

„Viele Kundinnen und Kunden werden trotzdem meist zum Billigsten greifen. Am Ende streichen die Supermärkte das höherwertige Angebot wieder, weil es sich nicht rentiert. Das konnten wir kürzlich erst beim ›Bauernbonus‹ von Lidl beobachten“, so Mahi Klosterhalfen. »Wir fordern deshalb von Rewe und anderen, das Tierschutzniveau für alle Tiere auf einen neuen Mindeststandard anzuheben.«

Die Europäische Masthuhn-Initiative
Die Europäische Masthuhn-Initiative wurde von der Albert Schweitzer Stiftung und 29 weiteren Tierschutzorganisationen ins Leben gerufen, um den größten Missständen in der Hühnermast entgegenzuwirken. Mehr als 400 Unternehmen weltweit haben bereits zugesagt, die Kriterien der Initiative als neue Mindeststandards umzusetzen. Im europäischen Vergleich zeigt sich der deutsche Lebensmitteleinzelhandel zögerlich, während in Frankreich bereits alle großen Ketten die Initiative unterstützen. Hierzulande hat Aldi – wie einst beim Auslisten von Käfigeiern – den ersten Schritt gemacht. Nun müssen Rewe und andere mitziehen, wenn sie es ernst meinen mit dem Tierschutz.

Links
● Kampagnen-Website und -Videos: www.ReweDeinTierleid.de
● Mehr über die Europäische Masthuhn-Initiative: masthuhn-initiative.de

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Pressestelle:
Christina Ledermann
Tel.: 05840/99 99 790
Mobil: 0179/450 46 80
E-Mail: ledermann@tierrechte.de

Pressekontakt bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Diana von Webel
+49 30 400 54 68-15
presse@albert-schweitzer-stiftung.de

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Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Zülpich (früher Aachen) sind Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion, um das Ende der „Nutztier“-Haltung zu erreichen. Darüber hinaus ernennt der Verband beispielsweise das „Ersatzverfahren bzw. Replace des Jahres“ sowie das: „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Etablierung der Tierschutz-Verbandsklage, eine tierlose bio-vegane Landwirtschaft sowie die Aufnahme von Tierrechten in die Lehrpläne von Schulen. Der Verband gibt viermal im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

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