Margrits Kolumne

Margrits Kolumne: Gier auf ein Häppchen

„Den lieben Hausfrauen möchte ich raten, lieber so lange auf diese Fastenspeise zu verzichten, bis wir die Gewissheit haben, dass um unsertwillen kein Tier zu leiden braucht.“ Dies schrieb Kathi Höscheler schon im Jahre 1930 in der Augsburger Zeitung.

„Den lieben Hausfrauen möchte ich raten, lieber so lange auf diese Fastenspeise zu verzichten, bis wir die Gewissheit haben, dass um unsertwillen kein Tier zu leiden braucht,“ schrieb Kathi Höscheler im Jahre 1930 in einem Artikel, der in der Augsburger Zeitung erschien.

Neunzig Jahre ist das her, doch noch immer ist die Gier nach Froschschenkeln groß und zwar nicht nur in Frankreich, Belgien und Luxemburg, sondern auch bei uns. Gibt man „Froschschenkel essen“ in die Suchmaschine ein, erfährt man, dass es auch in Deutschland noch Gourmet-Restaurants gibt, in denen diese winzigen Happen auf der Speisekarte stehen.

Wie vielen Millionen Fröschen die Beine ausgerissen werden, damit diese Gier Geld bringt, darf man sich gar nicht vorstellen. In der Dritten Welt verschwinden solche Individuen, die Insekten, Schnecken und Agrarschädlinge vertilgen. Ihr Schwinden vergrößert in ihren Herkunftsländern die Gefahr der Ausbreitung von Malaria und anderen Krankheiten.

„Ist uns eine Gewähr gegeben, dass bei diesen Massenmorden immer einwandfrei vorgegangen wird? Oder ist es noch immer so wie früher, dass rohe gefühllose Menschen die Schenkel abschneiden und die noch lebenden Frösche wieder ins Wasser oder in die Pfützen zurückwerfen?“ fragte die Hausfrau K.H. in ihrem Leserbrief von 1930. Diese Frage ist noch heute berechtigt.

Gegen Gier ist kein Kraut gewachsen, doch man könnte wenigstens versuchen, sie einzudämmen. Dazu müssten die auf ihren guten Ruf bedachten Restaurants gebeten werden, die als Leckerbissen deklarierten Teile der Amphibien von der Speisekarte zu nehmen. Wer hilft mir bei der Erstellung einer aktuellen Gourmet- Restaurant-Liste?

Margrit Vollertsen-Diewerge © Oktober 2019

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