Allgemein Tierrechte

Exoten: NRW braucht Gefahrtiergesetz

Futtertiere: katastrophale Haltung – grausamer Tod. Foto: Claudius Rapp/pixelio.de

Der Handel mit exotischen Wildtieren boomt. Kein Wunder, dass es immer wieder vorkommt, dass giftige Skorpione, Schlangen und andere gefährliche Wildtiere aus privaten Haltungen zu einer Gefahr für die Öffentlichkeit werden. Neun Tierschutzorganisationen, darunter auch der Bundesverband Menschen für Tierrechte, nahmen den aktuellen Fall in Herne zum Anlass, gemeinsam die zuständige nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) aufzufordern, endlich ein Gefahrtiergesetz zu erlassen.

Der letzte Zwischenfall mit einem gefahrlichen Wildtier ereignete sich in Herne (NRW) am 25. August 2019: Dort hielt eine entkommene hochgiftige Monokelkobra die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr über Tage in Atem. Eine Bewohnerin hatte die Giftschlange im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses entdeckt. Alle 30 Bewohner mussten daraufhin ihre Wohnungen verlassen. Vier Häuser mussten evakuiert werden. Glücklicherweise konnte die Schlange nach einigen Tagen von einem Reptilienspezialisten in einem Garten eingefangen werden. Die Stadt Herne stellte insgesamt 22 Schlangen in der Wohnung eines jungen Mannes sicher. Wer die Kosten für den Großeinsatz trägt ist unklar. Tierschutz- und Tierrechtsverbände fordern seit Jahren die Einführung eines Gefahrtiergesetzes in NRW. Dabei geht es nicht nur für den Schutz der Menschen, denn die Privathaltung von Wildtieren und Exoten ist auch ein großes Tier-, Umwelt- und Artenschutzproblem.

Nashornleguan: Der Fang von Wildtieren für den Heimtierhandel ist eine der Hauptursachen für das Artensterben. Foto: Katharina Wieland Müller /pixelio.de

Deutschland: Hauptumschlagplatz für gefährliche Wildtiere
Der Handel mit der „Ware Tier“ floriert. Deutschland hat sich zu einem Hauptumschlag für den Handel mit gefährlichen Wildtieren und den illegalen Handel mit geschützten Tieren entwickelt. Der Handel ist weitestgehend unkontrolliert und erfolgt größtenteils über Kleinanzeigen, über das Internet und über so genannte Exotenbörsen. Die Exotenbörse „Terraristika“, die mehrmals jährlich im nordrhein-westfälischen Hamm stattfindet, ist einer der international relevanten Umschlagplätze für den Reptilienhandel. In einem speziellen Gifttierraum werden dort hochgefährliche Tiere an jeden verkauft – ohne jeglichen Nachweis der Sachkunde. Auch über das Internet ist es jedem problemlos möglich, hochgiftige Tiere zu bestellen.

Exotenhandel bedroht die Artenvielfalt
Ein Großteil wird noch immer direkt aus der Natur gefangen, sogar bedrohte und geschützte Arten. Der Fang von Wildtieren für den Heimtierhandel ist eine der Hauptursachen für das Artensterben und fördert den Artenschwund. Sogenannte „Nachzuchten“ sind bis zu 90 Prozent Wildfänge. Gerade die seltenen geschützten Arten sind besonders begehrt und erzielen hohe Schwarzmarktpreise. Der Schutzstatus innerhalb des Artenschutzabkommens CITES ist schwer durchzusetzen. Selbst wo der Schutzstatus gegeben ist, fehlt es oft an Kontrollen und staatlicher Durchsetzung. Die Todesraten bei Fang, Transport und „Aufbewahrung“ bei Groß- und Zwischenhändlern liegen bei etwa 70 Prozent. Für jedes gefangene und verkaufte Wildtier sterben etwa 50 weitere Tiere während des Fangs und des Transports. Dies macht den Handel mit exotischen Wildtieren zu einem gravierenden Artenschutzproblem.

Chamäleon: 90 Prozent der für die Heimtierhaltung wild gefangenen Reptilien überleben nicht einmal ein Jahr in Gefangenschaft. Foto: Elke Sawistowski/pixelio.de

Artgerechte Haltung nicht möglich
Eine artgerechte Haltung von exotischen Tieren ist wegen ihrer hohen Ansprüche (z.B. Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Verhalten, Bewegungsbedürfnis, Ernährung, Sozialstruktur) im Privathaushalt nicht möglich. Die endgültige Größe und die Lebenserwartung werden beim Kauf unterschätzt. Da die Anschaffungskosten eines Tieres meist gering sind, täuscht dies über die hohen Folgekosten (Ausstattung, Futter, Strom, Wasser, Technik, etc.) hinweg. Das Leid der Tiere in Privathaushalten bleibt meist unerkannt. 90 Prozent der für die Heimtierhaltung wild gefangenen Reptilien überleben nicht einmal ein Jahr in Gefangenschaft.

Überfällig: Gefahrtiergesetz für NRW
Einzelne Bundesländer haben mittlerweile die Initiative ergriffen und Gefahrtiergesetze erlassen, die die Privathaltung gefährlicher Tiere regulieren. Dies sind: Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen. Nicht so Nordrhein-Westfalen.
Neun Tierschutzorganisationen, darunter auch der Bundesverband Menschen für Tierrechte, nahmen den aktuellen Fall zum Anlass, gemeinsam die zuständige nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) aufzufordern, endlich ein Gefahrtiergesetz zu erlassen. Bislang scheiterten entsprechende Gesetzesinitiativen in NRW. Die Organisationen empfehlen der Ministerin ein weitgehendes Haltungsverbot von gefährlichen Tieren nach dem Vorbild von Hessen oder Berlin. Der Vorfall in Herne hat nun eine Debatte über strengere Auflagen für die Haltung von giftigen Gefahrtieren wie Schlangen oder Skorpionen ausgelöst. Die Chance nun etwas für Tier und Mensch zu erreichen stehen gut. Ministerin Heinen-Esser sagte, dass sie gegen die Haltung sehr gefährlicher Tierarten in Wohnungen oder Häusern sei.

Hier lesen Sie den Brief der Tierschutzorganisationen: www.tierrechte.de

Was können Sie tun?

  • Kaufen Sie niemals ein exotisches Wildtier – weder vom Züchter, im Zooladen noch auf einer Börse!
  • Menschen, die ein großes Fachwissen über diese Tiere haben, können ein Tier aus einer Auffangstation oder aus dem Tierheim bei sich aufnehmen, um so den Handel nicht weiter zu unterstützen!
  • Klären Sie andere Menschen über Artenschutz, Aufwand, Platzbedarf, Gefahren und gesundheitliche Risiken auf!
  • Wenn Sie ein ausgesetztes Wildtier finden, bleiben Sie in der Nähe und rufen Sie die Polizei oder das örtliche Tierheim!
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