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11. Juni 2019: Paradigmenwechsel: Workshop und Buchpremiere zum Ausstieg aus dem Tierversuch am 14. Juni in München

Vom 14. bis 15. Juni organisiert das Münchner Kompetenzzentrum Ethik (LMU) den Workshop „Animal Experimentation: Working Towards a Paradigm Change“ (Tierversuche – Auf dem Weg zu einem Paradigmen-Wechsel). Im Rahmen des Workshops wird der Bundesverband Menschen für Tierrechte seinen Beitrag aus dem gleichnamigen Buch vorstellen. Das Thema: „Was brauchen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, damit der Tierversuch Geschichte wird?“

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte fordert schon seit Jahren einen Masterplan für den Ausstieg aus dem Tierversuch. Denn obwohl die EU-Mitgliedstaaten vereinbart haben, Tierversuche vollständig zu ersetzen (1), ist die Zahl der in Deutschland eingesetzten Versuchstiere mit 2,8 Millionen (2017) immer noch unverändert hoch. Im Rahmen des am 14. Juni im Münchner Kompetenzzentrum Ethik stattfindenden Workshops wird die Biologin Carolin Spicher konkrete Maßnahmen aufzeigen, wie der von der EU anvisierte Ausstieg aus dem Tierversuch gelingen kann. Der Titel der Veranstaltung bezieht sich auf das gleichnamige Buch „Animal Experimentation: Working Towards a Paradigm Change“, das Ende März im Brill-Verlag veröffentlicht wurde. In diesem setzen sich 51 Autoren aus Deutschland, England, den USA, Brasilien und Australien kritisch mit dem Tierversuch auseinander. Auch der Bundesverband hat ein Kapitel beigesteuert, in welchem er seinen Ausstiegsplan präsentiert.

Vorbild: Abbauplan der Niederlande
Bisher haben nur die Niederlande einen Abbauplan für Tierversuche entwickelt (2), in welchem die Reduktionsmöglichkeit von Tierversuchen bis zum Jahr 2025 beurteilt wird. Danach könnten Tierversuche für regulatorische Sicherheitstests für Chemikalien, Lebensmittelzusätze, Pestizide und Tier- und Humanmedizinprodukte unter Einhaltung des gleichen Sicherheitsniveaus bis 2025 beendet werden, sofern die Entwicklung der fehlenden komplexen tierversuchsfreien Tests (3) angekurbelt wird. Auf der Basis des Ausstiegsplans aus Den Haag wird die Biologin ein Konzept vorstellen, das auf fünf Säulen basiert. Danach muss der Abbauplan in erster Linie Einzelmaßnahmen zur Förderung und Verbreitung von neuen tierfreien, humanspezifischen Verfahren vorgeben sowie eine Verkürzung der Prüf- und Anerkennungsverfahren. Nötig sind zudem ein verantwortliches Management sowie eine Erfolgskontrolle. Weiterhin müssen bestimmte Tierversuche verboten und eine Praxisanleitung erarbeitet werden, damit die vom Tierschutzgesetz geforderte Unerlässlichkeit und ethische Vertretbarkeit eines Tierversuchs nach wissenschaftlichen Regeln festgestellt werden kann.

Programm und Anmeldung für den Workshop am 14. Juni im Münchner Kompetenzzentrum Ethik (LMU): www.kompetenzzentrumethik.uni-muenchen.de

Hier können Sie das Buch online lesen oder bestellen.

(1) 2010 haben die EU-Mitgliedstaaten vereinbart, Verfahren mit lebenden Tieren für wissenschaftliche Zwecke und Bildungszwecke vollständig zu ersetzen, sobald dies wissenschaftlich möglich ist (Richtlinie 2010/63/EU, Erwägungsgründe 10, 46, Artikel 47 Absatz 1).
(2) Das niederländische Nationalkomitee zum Schutz von Tieren, die zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden (NCad), legte 2016 seinen Plan „Übergang in die Nichttierforschung“ vor. Damit sind die Niederländer das erste EU-Mitgliedsland, das eine Roadmap für den Abbau von Tierversuchen vorsieht. Abbauplan der Niederlande unter: www.ncadierproevenbeleid.nl
(3) Insbesondere tierversuchsfreie Tests und Teststrategien zur Feststellung der Langzeittoxizität, Inhalationstoxizität, Entwicklungstoxizität, Reproduktionstoxizität, Immuntoxizität fehlen.

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Pressestelle:
Christina Ledermann
Tel.: 0211/16345429
Mobil: 0179/450 46 80
E-Mail: ledermann@tierrechte.de

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Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Neue Geschäftsstelle: Mühlenstr. 7a, 40699 Erkrath
Tel: 0211 / 22 08 56 48, Internet: www.tierrechte.de

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Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Erkrath (früher Aachen) sind über 60 Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aud dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion, um das Ende der „Nutztier“-Haltung zu erreichen. Darüber hinaus ernennt der Verband beispielsweise das „Ersatzverfahren bzw. Replace des Jahres“ sowie das: „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Etablierung der Tierschutz-Verbandsklage, eine tierlose bio-vegane Landwirtschaft sowie die Aufnahme von Tierrechten in die Lehrpläne von Schulen. Der Verband gibt viermal im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

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