Allgemein Newsletter Tierrechte

Newsletter Tierrechte Nr. 12/18 vom 30.07.2018

Inhalt

  • Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland
  • Nach Tierversuchen: Todesfälle bei klinischer Studie
  • Tierversuchsfrei: In vitro- und in silico-Forscher ausgezeichnet
  • Erfolg: Tierversuche in Belgien
  • Neue Botox-Anwendung – neues Tierleid?
  • Zu wenig Kontrollen in deutschen Ställen
  • Alarmierend: Mehr Reserve-Antibiotika
  • TV-Tipps
  • Termine

 Liebe Leserinnen und Leser,

Foto: pixabay
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die EU-Kommission hat gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren wegen offener Fragen zur Umsetzung der EU-Versuchstierrichtlinie eingeleitet. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schreibt dazu knapp auf seiner Webseite: „Mögliche Mängel bei Vorschriften zu Versuchstieren werden abgestellt“. Details werden keine genannt. Tatsache ist, dass die Tierschutzverbände schon 2013, als die EU-Tierversuchsrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt wurde, massiv davor warnten, dass die Umsetzung gravierende Fehler zu Lasten der Tiere enthielt. Zwei Rechtsgutachten aus den Jahren 2012 und 2016 bestätigten dies. Zudem wurden mehrere Beschwerden bei der EU-Kommission eingereicht.

Klatsche für Deutschland
Zusammenfassend bleibt zu sagen: Das Vertragsverletzungsverfahren ist eine herbe Klatsche für Deutschland. Für einen Rechtsstaat, der seit 2002 den Tierschutz zum Staatsziel erhoben hat, ist das nicht nur peinlich, sondern ein schweres Vergehen. Die Rechtsvorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie müssen so in deutsches Recht umgesetzt werden, dass das höchstmögliche Tierschutzniveau verwirklicht wird. In dem Vertragsverletzungsverfahren liegt jetzt die Chance, dass die eklatanten Mängel endlich beseitigt werden. Dafür werden wir uns einsetzen. Dennoch, die Schmerzen und Leiden der Tiere, die aufgrund der schlampigen Umsetzung der Richtlinie im Experiment gelandet sind, können durch nichts wieder gut gemacht werden.


Nach Tierversuchen: Todesfälle bei klinischer Studie
Eine seit 2015 laufende Studie des Academic Medical Center (AMC) der Universität Amsterdam mit schwangeren Frauen musste nach 19 Todesfällen von Neugeborenen vorzeitig abgebrochen werden. Der klinischen Studie waren umfangreiche Tierversuche an verschiedenen Tierarten vorausgegangen. In seiner Pressemitteilung bedauert der Bundesverband Menschen für Tierrechte diese Entwicklung und weist auf mögliche Risiken von im Tierversuch getesteter Medikamente sowie auf die Unzulänglichkeit von Tiermodellen hin.


Tierversuchsfrei: In vitro- und in silico-Forscher ausgezeichnet
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte begrüßt die Ernennung von Prof. Ellen Fritsche und PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori als diesjährige Preisträger des Ursula M. Händel-Tierschutzforschungspreises. Ausgezeichnet wird u.a. ein Verfahren, das auf Basis humaner Stammzellen die Auswirkungen von Substanzen auf das Kind im Mutterleib untersucht. Dieses kann zukünftig Tierversuche mit unzähligen Ratten beenden. Um die tierversuchsfreie Forschung konsequent voranzubringen, fordert der Bundesverband in seiner Pressemitteilung einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch nach Vorbild der Niederlande.


Erfolg gegen Tierversuche in Belgien
Unter Mithilfe unserer europäischen Partnerorganisation GAIA wurde in der Region Brüssel ein Meilenstein zur Reduktion von Tierversuchen erreicht. Ab 2020 sind Tierversuche an Hunden, Katzen und Primaten verboten. Weiterhin soll die Zahl der Tierversuche in der angewandten Forschung bis 2025 um 20 Prozent reduziert werden. Ab 2025 wird es auch keine Tierversuche mehr für die Ausbildung und für Sicherheitsprüfungen geben, außer, solche die als unbedingt notwendig erachtet werden und für die es keine alternativen Testmethoden gibt. Das ist ein aussagekräftiger Vorstoß aus Belgien zu dem wir gratulieren und an dem Deutschland sich ein Beispiel nehmen muss. Lesen Sie mehr dazu auf der Webseite von GAIA.


Foto: pixabay
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Neue Botox-Anwendung- neues Tierleid?
Eine mögliche neue Anwendung für Botox zur Therapie chronischer Rückenschmerzen wird derzeit entwickelt. Jede neue Molekülkombination des Nervengiftes muss von Neuem die Sicherheitsprüfung durchlaufen und es ist zu befürchten, dass so wieder zahllose Mäuse in den grausamen LD50-Tests ihr Leben lassen müssen. Mehr dazu auf unserer Webseite.
Wir haben eine Unterschriftenaktion gestartet um Wissenschaft und Industrie nochmals verstärkt aufzurufen, die fehlenden tierfreien Tests für solche Prüfungen zu entwickeln. Unterzeichnen Sie hier.


Zu wenig Kontrollen in deutschen Ställen
Es sind erschreckende Zahlen, die die Bundesregierung auf Anfragen von Grünen und FDP veröffentlicht hat. Demnach werden Tierhaltungsbetriebe in Deutschland im Schnitt nur alle 17 Jahre kontrolliert. Am längsten ist der Abstand zwischen amtlichen Kontrollen mit bis zu 48 Jahren in Bayern. Als Reaktion haben die Grünen den „Aktionsplan Tierschutz in der Landwirtschaft“ gestartet. Eine Kernforderung ist, für Tierschutzkontrollen eine Mindestfrequenz einzuführen. Auch Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, sieht dringenden Handlungsbedarf. Lesen Sie mehr dazu unter: tagesschau.de


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Alarmierend: Mehr Reserve-Antibiotika in Ställen
Der Einsatz von sogenannten Reserve-Antibiotika in der Tierhaltung ist in Deutschland wieder gestiegen. Das geht aus aktuellen Daten hervor, die das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (BVL) veröffentlicht hat. Von 2016 auf 2017 wurden unter anderem fünf Tonnen mehr Colistin eingesetzt. Gesundheitsexperten warnen seit Jahren eindringlich vor der Zunahme hochgefährlicher multiresistenter Keime durch den massiven Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung.

Neue EU-Tierarzneimittelverordnung
Anfang Juni haben sich das Europäische Parlament, der Europäische Rat und die Europäische Kommission auf die neue EU-Tierarzneimittelverordnung geeinigt, die ab Herbst 2018 in Kraft treten und die bisherige EU-Richtlinie ersetzen wird. Nach der neuen Verordnung sollen Reserveantibiotika künftig Menschen vorbehalten sein. Auch der prophylaktische Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung soll nur noch in Ausnahmefällen möglich sein. Mehr Infos dazu finden Sie hier.


TV-Tipps

  • Tierversuche im SWR
    Das Magazin Odysso widmet eine ganze Reihe von Kurzbeiträgen der kritischen Betrachtung von Tierversuchen: Hier kommen Sie zur Übersicht.
  • Kritik an der anstehenden EU-Agrarreform
    Im DLF-Interview erklärt Martin Hofstetter von Greenpeace, warum die aktuellen Pläne zur Verteilung der milliardenschweren EU-Subventionen schädlich für Tier- und Umweltschutz sind.
  • Staatliche Tierschutzkontrollen oft mangelhaft
    Kadaver im Stall, erschlagene Ferkel – in einigen Großviehbetrieben in Sachsen-Anhalt herrschen katastrophale Zustände. Die Behörden tun nichts. Nachsehen unter: mdr.de
  • Fake Science – Wissenschaft auf Abwegen
    Zunehmend werden schlechte oder sogar gefälschte Studien mit dem Anschein von Wissenschaftlichkeit versehen, der die Öffentlichkeit in die Irre führt. Der NRD widmet diesem wichtigen Thema sechs Folgen.

Termine


 

 

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Alle Spenden sind steuerlich abzugsfähig

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Erkrath (früher Aachen) sind über 60 Vereine sowie Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion, um das Ende der „Nutztier“-Haltung zu erreichen. Darüber hinaus ernennt der Verband beispielsweise das „Ersatzverfahren des Jahres“ sowie das „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Etablierung der Tierschutz-Verbandsklage, eine tierlose bio-vegane Landwirtschaft sowie die Aufnahme von Tierrechten in die Lehrpläne von Schulen. Der Verband gibt viermal im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.

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