Foto: Peta USA
Pferde

Das Leid der „PMU-Stuten“

Östrogene zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden bei Frauen stammen teilweise aus dem Urin trächtiger Stuten. Auf speziellen Farmen werden dafür Stuten wie Gebärmaschinen unter skandalösen Bedingungen gehalten. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Präparate, die ohne Östrogene vom Pferd auskommen.

Für die Produktion von „pregnant mare‘s urin“ (PMU) werden tausende Stuten auf speziellen Farmen gehalten, die ausschließlich der PMU-Produktion dienen. Vor einigen Jahren lagen die meisten Produktionsfarmen noch in Kanada und den USA. Mittlerweile befinden sich dort nur noch wenige. Ein Großteil der Produktion wurde in andere Länder mit vermutlich noch geringerem Kontrollrahmen verlegt, beispielweise nach China oder Indien. Während ihrer Trächtigkeit sind die bewegungsfreudigen Tiere sieben Monate in schmalen Ständern angebunden. Sie können sich nicht umdrehen, hinlegen und nicht mehr als einen Schritt nach vorne oder hinten gehen. Diese Form der Anbindehaltung überlastet die Beine der Pferde und führt häufig zu schmerzhaften Gelenk- und Hufkrankheiten. In Deutschland ist die tierschutzwidrige Anbindehaltung von Pferden verboten.

Tödlicher Kreislauf für Stuten und Fohlen
Um den östrogenhaltigen Urin aufzufangen, wird den Stuten ein spezieller Gummi-Sammelbeutel umgeschnallt, der leicht zu Scheuerstellen und Entzündungen führt. Die Östrogenkonzentration erreicht ihr Maximum zwischen dem fünften und sechsten Trächtigkeitsmonat. Bis zur Geburt des Fohlens sinkt die Konzentration wieder ab. Für die Geburt dürfen die Stuten eine Zeit lang nach draußen. Anschließend werden sie so schnell wie möglich wieder gedeckt, um neue Hormone zu produzieren. Stuten, die nicht mehr zur PMU- Produktion verwendet werden können, landen beim Schlachter. Die Fohlen der PMU-Stuten sind aus Sicht der PMU-Hersteller überflüssige Nebenprodukte. Sie werden viel zu früh von ihren Müttern getrennt und als Schlachtfohlen oder an Mastanlagen verkauft. Einige der Fohlen ersetzen ihre ausrangierten Mütter in der PMU-Produktion.

Medizinische Risiken von PMU
Im Jahr 2002 nahmen noch 11 Mio. Frauen täglich Premarin® oder ein Schwesterpräparat. Das Pharmaunternehmen Wyeth machte mit diesen Präparaten im Jahr zuvor mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz. Seitdem musste das ehemals boomende Geschäft mit dem Stuten-Urin einige Umsatzeinbußen verzeichnen. Einer der Gründe waren vermutlich die Ergebnisse einer großangelegten und vorzeitig gestoppten Studie der WHI (Women’s Health Initiative) im Juli 2002, die ein erhöhtes Brustkrebs-, Herzinfarkt-, Schlaganfall-, und Thrombose-Risiko bei der Einnahme von Prempro® ergab. Die Einnahme von konjugierten equinen Östrogenen (CEE) birgt zudem ein höheres Risiko für venöse Thrombosen und möglicherweise auch für Herzinfarkt. Ärzte und Patienten wurden daraufhin zurückhaltender beim Gebrauch dieser Präparate.

Wirkungsvolle Alternativen vorhanden
Der Kauf von PMU-haltigen Präparaten lässt sich leicht vermeiden, da die Hormone aus Stutenharn in Medikamenten als „konjugierte Östrogene“ angegeben sind. Es handelt sich hierbei um ein Östrogengemisch. Bekannte Präparate sind u.a. Duavive/Duavee®, Premarin®, Prempro®, Premella®. Einige dieser Präparate können nur noch aus dem Ausland bezogen werden. Wenn unbedingt eine Hormonbehandlung durchgeführt werden soll, so gibt es zahlreiche Präparate, die ohne PMU auskommen.

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