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ASP: Wildschweine als Sündenbock

Foto: Pixabay

Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) treibt derzeit seltsame Blüten. Der Bauernverband hat das Wildschwein als Hauptüberträger ausgemacht und bläst zur Wildschweinjagd. Der Lobbyverband fordert 70 Prozent der Schwarzkittel zu töten. Die Bundesländer kippen alarmiert bisherige Regelungen und heben die Schonzeiten für Wildschweine auf. Dabei wird sich das Problem durch massenhaften Wildschweinabschuss nicht lösen lassen – im Gegenteil.
Die Angst der Schweinhalter ist berechtigt. Das Virus ist hochgradig ansteckend ist und es existiert kein Impfstoff. Es befällt Wild- wie Hausschweine gleichermaßen. Wenn es zu einer Ausbreitung kommt, drohen Schäden in Milliardenhöhe und tausenden von Schweinen müssen getötet werden. Doch die Forderung des Bauernverbands widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es stimmt zwar, dass Wildschweine von dem Virus befallen werden und selbst daran sterben. Da sie ortgebunden sind, sorgen sie jedoch nicht für eine aktive Ausbreitung der Krankheit. Außerdem ist es sehr unwahrscheinlich, dass Wildschweine mit Hausschweinen überhaupt in Kontakt kommen.

Bejagung könnte Ausbreitung beschleunigen
Die meisten sogenannten Mastschweine werden in hermetisch abgeriegelten Mastanlagen gehalten, in denen sie nicht nach draußen können. Wildökologen waren zudem vor den katastrophalen Auswirkungen einer so intensiven Bejagung. Sie zerstört die Sozialstruktur der Rotten, was zu einer stärkeren Vermehrung und zu einer Abwanderung führt. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) stellen fest, dass die Jagd auf die Tiere die Verbreitung der Infektion nicht aufhalte, sondern sogar beschleunige.
Die von der Landwirtschaftslobby ungeliebten Wildschweine sind nicht die Ursache, sondern schlicht ein willkommener Sündenbock. Der Mensch schleppt das Virus selbst in den Schweinestall – und in den Wald. Eine Sofortmaßnahme zur Eindämmung der ASB ist deshalb ein sofortiger Import-Stopp für Schweinefleischprodukte, Gülle und indirekte Übertragungswege. Jeder Transporter mit Ferkeln und Schweinen, der quer durch die EU fährt, ist ein großes Risiko. Jeder Betreiber einer Schweinemastanlage, der sich im Wald aufhält oder sogar selbst jagt, trägt dazu bei, die Infektion zu verbreiten.

Lösung kann nur Agrarwende sein
Für die Tiere hat dieser politische Aktionismus furchtbare Folgen. So dürfen nun sogar hochträchtige Bachen und deren Frischlinge bejagt werden. Verfehlte Saugferkel müssen elendig verhungern.
Eine wirkliche Lösung kann deswegen nur ein Paradigmenwechsel weg von der industriellen Tierhaltung sein. Denn die Bedingungen in den Mastanlagen, in der zu viele Tiere auf viel zu engem Raum gehalten werden, sind ein idealer Nährboden für Seuchen wie ASP, BSE, SARS oder Vogelgrippe. Hier kann jeder bei sich selbst ansetzen. Indem wir aufhören Tierqualprodukte aus Massentierhaltung zu kaufen. Und ob es uns gefällt oder nicht – die tierfreundlichste Ernährung ist immer noch die, die ganz auf Produkte vom Tier verzichtet.

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