Online-Broschüre „Replacement des Jahres 2019“ (kostenloser Download)

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Beschreibung

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Mit dieser Broschüre präsentieren wir die zweite Ausgabe unserer Reihe „Ersatzverfahren des Jahres“. In seiner Serie „Ersatzverfahren des Jahres“ konzentriert sich der Bundesverband diesmal auf ein neues Verfahren, mit dem man Schädigungen der Nervenzellentwicklung des Kindes im Mutterleib feststellen kann. Studien zeigen, dass die Fälle von Verhaltensstörungen, die durch schädliche Substanzen ausgelöst werden, zunehmen. Hinzu kommt, dass in Tests auf Entwicklungsneurotoxikologie (ENT) unzählige Tiere ihr Leben lassen. Beim „Ersatzverfahren des Jahres“ geht es um eine Lösung für beide Probleme: die leidvollen Tierversuche zu beenden und neue Verfahren für sichere Vorhersagen zu finden.

Störungen nehmen zu
Wissenschaftler warnen, dass Autismus, Lernbehinderungen oder Aufmerksamkeitsdefizitstörungen bei Kindern zunehmen. Um schädliche Substanzen rechtzeitig ausfindig zu machen, schreibt der Gesetzgeber noch immer Tierversuche vor. Jährlich fallen in Deutschland ungefähr ein Viertel aller „Versuchstiere“ solch gesetzlich vorgeschriebenen Versuchen zum Opfer. Laut Bundesstatistik waren das 2017 insgesamt 556.946 Tiere, der Großteil davon Mäuse und Ratten. Knapp die Hälfte davon starb für Giftigkeits- und Sicherheitsprüfungen.

1000 Tiere pro Prüfsubstanz
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gibt in der Richtlinie 426 vor, wie die nervenschädigende Wirkung von Substanzen gemessen werden muss. Da die potenziell schädlichen Stoffe an Rattenweibchen und ihren Welpen getestet werden, müssen dafür derzeit etwa 1000 Tiere pro Prüfsubstanz gezüchtet und getötet werden. Abgesehen vom Leid der Tiere kritisieren Wissenschaftler die Tests auf Entwicklungsneurotoxikologie (ENT) wegen ihrer mangelhaften Übertragbarkeit, der langen Laufzeit und den hohen Kosten (1).

Unsicher und grausam: Tests am Tier
Zudem können die meisten entwicklungsneurotoxischen Phänomene am Tier gar nicht gemessen werden. Darüberhinaus sind die Versuche für die Pharmabranche enorm kosten- und zeitintensiv. Umso dringlicher ist der Bedarf an neuen leistungsfähigen Verfahren.

In der Entwicklung: Neue tierfreie Teststrategie
Um Gefahren auf die Hirnentwicklung sicher feststellen zu können, arbeitet die European Food Safety Authority (EFSA) derzeit gemeinsam mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen an einer kosteneffizienten Strategie auf Basis einer zuverlässigen in-vitro-Testbatterie (2). Das Verfahren ist schon weit fortgeschritten: Derzeit sind bereits 17 in-vitro-Methoden bei der europäischen Validierungsbehörde EURL ECVAM im Beurteilungsprozess (3).

Neue Tests bahnen den Weg
Es ist viel in Bewegung. Viele kluge Köpfe sind dabei, qualitativ hochwertige und möglichst tierleidfreie Lösungen für die Einschätzung von entwicklungsneurotoxischem Potenzial bestimmter Substanzen zu entwickeln und zu verknüpfen. Dass dies nicht primär aus ethischen Gründen erfolgt zeigt, dass Wissenschaft, Industrie und Behörden aus eigenem Antrieb nach neuen Lösungen jenseits des Tierversuchs suchen. Das macht Hoffnung auf Veränderung. Natürlich enttäuscht es, dass die neue Teststrategie den Einsatz von Fischembryonen vorsieht. Im Sinne einer Leidminderung in diesem hochkomplexen Bereich, sind die neuen Tests insgesamt jedoch auch aus ethischer Sicht weitaus besser als die veraltete Richtlinie 426. Der Bundesverband strebt dennoch grundsätzlich ein „Replace“ an, also den vollständigen Ersatz von Tieren in jeglichen Tests. Wenn sich diese neue Teststrategie durchsetzt, wird sie den Weg für weitere neue tierleidfreie Verfahren bahnen

Hier können Sie sich die Broschüre als PDF herunterladen. Der wissenschaftlich-orientierte Text ist primär als Online-Veröffentlichung gedacht, er ist eher ungeeignet für eine Verteilung am Infostand.

(1) Baumann, J., Gassmann, K., Masjosthusmann, S., DeBoer, D., Bendt, F., Giersiefer, S. & Fritsche, E. (2016). Comparative human and rat neurospheres reveal species differences in chemical effects on neurodevelopmental key events. Arch Toxicol. 2016 Jun;90(6):1415-27. doi: 10.1007/s00204-015-1568-8
(2) Hessel, E. V. S., Staal, Y. C. M. & Piersma, A. H. (2018). Design and validation of an ontology-driven animal-free testing strategy for developmental neurotoxicity testing. Toxicol Appl Pharmacol. 354: 136-152. doi: 10.1016/j.taap.2018.03.013.
(3) EURL ECVAM (2018). Status report on the development, validation and regulatory acceptance of alternative methods and approaches 2018. Publications Office of the European Union, DOI: 10.2760/818599 (online). https://ec.europa.eu/jrc/en/publication/eur-scientific-and-technical-research-reports/eurl-ecvam-status-report-development-validation-and-regulatory-acceptance-alternative-3

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