Abgeordnetenhauswahl in Berlin: Wie stehen die Parteien zum Tierschutz?
Anlässlich der Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20. September hat Menschen für Tierrechte die Wahlprogramme der etablierten Parteien hinsichtlich ihrer Tierschutzpläne ausgewertet. Die Analyse zeigt deutlich, dass die Linke, die Grünen und das BSW mit ihren Vorschlägen zur Verbesserung des Tierschutzes vor den anderen etablierten Parteien liegen.
Am kommenden Sonntag wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Zuletzt wurde der Stadtstaat mit rund 3,7 Mio. Einwohnern von einer Koalition aus CDU und SPD regiert. Aktuell stehen an der Spitze der Umfragen die Linke mit 21 Prozent, gefolgt von der CDU (20 Prozent) und der AfD (18 Prozent). Die Grünen belegen mit 16 Prozent den 4. Platz. Auf Platz 5 steht derzeit die SPD mit 12 Prozent, gefolgt vom BSW (4 Prozent). Da keine Partei mit der AfD zusammenarbeiten will, ist es unwahrscheinlich, dass sie Teil einer Regierungskoalition wird.
Zur Analyse der Tierschutzpläne hat Menschen für Tierrechte ausgewertet, wie die etablierten Berliner Parteien zu bestimmten Tierschutzthemen stehen. Dies sind unter anderem, der klassische karitative Tierschutz in Tierheimen, die Tierschutz-Verbandsklage, das Amt der/des Tierschutzbeauftragte/n, Tierversuche, der Umgang mit den Stadttauben sowie die Förderung einer pflanzlichen Ernährung. Die Positionierung der Parteien zu diesen Themen wird mithilfe einer Ampel-Kennzeichnung farblich hervorgehoben.
Verbandsklage unverzichtbar
Die Mehrheit der Parteien plant den karitativen Tierschutz in Tierheimen zu stärken. Ein aussagekräftiger Lackmustest für eine ambitionierte Tierschutzpolitik ist für den Tierrechtsverband jedoch, ob sich die Parteien zum Erhalt der Tierschutz-Verbandsklage bekennen. Das Klagerecht ist ein unverzichtbares Instrument. Es gibt den anerkannten Tierschutzorganisationen die Möglichkeit, rechtlich für die Tiere einzutreten. Nur die Verbandsklage ermöglicht den wichtigen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen und den Interessen der Tiere.
CDU und AfD lehnen Klagerecht ab
In der letzten Legislatur hatten SPD und CDU angekündigt, das existierende Gesetz „qualifizieren“ zu wollen. Klar für die Abschaffung des Klagerechtes sprechen sich aktuell AfD und CDU aus. SPD und FDP erwähnen die Verbandsklage in ihren Wahlprogrammen nicht. Im Gegensatz dazu will die Linke das Tierschutz-Verbandsklagerecht weiterentwickeln. Die Grünen wollen das Verbandsklagerecht stärken. Das BSW kritisiert zumindest, dass das Verbandsklagerecht politisch zur Disposition steht. Die Tierschutzpartei überzeugt in allen Punkten mit konkreten und umfangreichen Tierschutzplänen.
Ausführliche Auswertung der Wahlprogramme:
AfD Berlin
🟢 Karitativer Tierschutz
Die AfD widmet dem Tierschutz einen eigenen Abschnitt. Sie bezeichnet Tierschutz als öffentliche Aufgabe und will ihn „institutionell aufwerten“. Die Partei thematisiert unter anderem die angespannte Situation des Tierheims, die personelle Ausstattung der Veterinärämter und den illegalen Welpenhandel. Sie fordert außerdem ein zweites landeseigenes Tierheim, eine Unterstützung des Tierheims bei Energiekosten, mehr Personal in den Veterinärämtern sowie eine stärkere Bekämpfung des illegalen Welpenhandels.
Invasive Arten will die AfD zurückdrängen.
🔴 Stadttauben
Das Thema Stadttauben ist im Wahlprogramm der AfD nicht enthalten. Die Berliner AfD-Fraktion thematisiert jedoch regelmäßig Belästigungen und Verschmutzungen durch Tauben an Berliner Hotspots und fordert Maßnahmen zur punktuellen Taubenreduktion, die tierschutzgerecht gestaltet sein sollen. In Treptow-Köpenick gab es von AfD-Stadträten teils kontroverse Diskussionen über den Umgang mit den Tieren. Die Einrichtung flächendeckender Taubenschläge wurde teilweise mit der Begründung abgelehnt, es handele sich um Wildtiere.
🔴 Tierschutz-Verbandsklagerecht
Die AfD Berlin lehnt das Tierschutz-Verbandsklagerecht grundlegend ab und fordert in ihrer parlamentarischen Arbeit sowie in ihren Programmen dessen Einschränkung bzw. Überprüfung. Die Partei begründet dies primär mit der Vermeidung von bürokratischer Überregulierung und dem Schutz von Forschung und Wirtschaft vor vermeintlichem Missbrauch durch Verbände.
🔴 Tierschutzbeauftragte
Die Stelle des/der Tierschutzbeauftragten soll nach dem Willen der AfD in ein unabhängiges Ehrenamt umgewandelt werden. Dies ist im Mai 2026 bereits erfolgt. Tierschutzorganisationen kritisierten diese Zurückstufung. Um sich effektiv für die Tiere einsetzen zu können, braucht das Amt fachliche Weisungsfreiheit, institutionelle Unabhängigkeit sowie ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen.
🟡 Tierversuche
Die AfD thematisiert die hohe Zahl von Tierversuchen und fordert eine stärkere Förderung der Forschung nach dem 3R-Prinzip: Tierversuche ersetzen, reduzieren und verbessern.
🔴 Pflanzliche Ernährung
Die AfD beschäftigt sich mit Ernährung insbesondere im Zusammenhang mit der Versorgung in Schulen und der Verwendung regionaler Lebensmittel. Sie wendet sich dabei gegen eine weitgehende Zurückdrängung von Fleisch in der Schulverpflegung aus klimapolitischen Gründen und betont die Bedeutung des gesamten Spektrums landwirtschaftlicher Produkte.
CDU Berlin
🟢 Karitativer Tierschutz
Die CDU will Tierheime entlasten, den Der illegale Handel mit Heimtieren verbieten sowie die Hunderasseliste abschaffen und sie durch ein verhaltensbasiertes Gefährlichkeitskonzept ersetzen.
🟡 Stadttauben
Unter dem Titel „Berlin wird sauber – für eine Stadt, in der sich alle wohlfühlen“ führt die CDU aus, dass sie die „Taubenpopulation an stark frequentierten Orten wirksam und tierschutzgerecht begrenzen“ will. Dazu setzt sie auf betreute Taubenschläge, konsequente Fütterungsverbote und deren Durchsetzung sowie bauliche Maßnahmen zur Vergrämung. Weitergehende Mittel zur Reduzierung der Population will sie prüfen. Zum Hintergrund: Im Jahr 2023 legte die damalige Tierschutzbeauftragte Kathrin Herrmann ein umfangreiches Konzept für ein tierschutzgerechtes Stadttaubenmanagementkonzept in Berlin vor. Doch das Konzept wurde von der Senatsverwaltung in Zweifel gezogen. Es wurden zusätzliche Maßnahmen wie „Tierarzneimittel oder die Ansiedlung von natürlichen Fressfeinden“ in Betracht gezogen, die aus Tierschutzsicht unwirksam und möglicherweise tierschutzwidrig sind.
🔴 Tierschutzbeauftragte
Im Wahlprogramm der CDU findet sich keine konkrete Position zur Landestierschutzbeauftragten. Zum Hintergrund: Im Jahr 2020 wurde die Tierärztin Kathrin Herrmann vom damals rot-grün geführten Senat zur Berliner Landestierschutzbeauftragten berufen. Der grüne Senator Dirk Behrendt legte das Amt der Tierschutzbeauftragen bewusst so an, dass es fachaufsichtlich weisungsfrei war. Die Beauftragte sollte eine eigenständige Presse- und Öffentlichkeitsarbeit betreiben können. Schon kurz nach dem Regierungswechsel zu einer schwarz-roten Koalition im Jahr 2023, begann die CDU das Amt der Tierschutzbeauftragten anzugreifen. Justizsenatorin Felor Badenberg ordnete Hermann der Justizsenatsverwaltung unter. Eine laufende geplante Kampagne über die Zusammenhänge von Tierhaltung, Klimaschutz und Gesundheit musste beendet werden. Badenberg beschnitt zudem die Pressearbeit, strich Herrmanns Budget zusammen und mahnte sie mehrmals ab. Die Beschneidung der Befugnisse Herrmanns sorgte innerhalb der großen Koalition für Ärger mit der SPD. Im Frühjahr 2024 wurde Kathrin Herrmann von ihrem Dienst freigestellt. Im Mai 2026 wurde der Fachtierarzt für öffentliches Veterinärwesen Dr. Lutz Zengerling als ehrenamtlicher Landestierschutzbeauftragter berufen. Tierschutzorganisationen und Parteien kritisierten die Zurückstufung einer hauptamtlichen Vollzeitstelle auf eine ehrenamtliche Basis.
🔴 Tierschutz-Verbandsklagerecht
Die Berliner CDU steht dem 2020 unter einer rot-rot-grünen Koalition eingeführten Tierschutz-Verbandsklagerecht kritisch gegenüber und lehnt es ab. Es wird befürchtet, dass die CDU das Klagerecht ganz abschaffen könnte. Zum Hintergrund: Die CDU argumentiert, dass ein Klagerecht für Tierschutzorganisationen nicht erforderlich ist. CDU und SPD hatten angekündigt, das Gesetz „qualifizieren“ zu wollen. Im Januar 2025 wurde das Verbandsklagegesetz (TSVKG) in einer öffentlichen Sitzung im Ausschuss für Wissenschaft und Forschung diskutiert. Parallel hatten die Tierversuchsbefürworter aus der Wissenschaft hatten alle Berliner Politiker:innen angeschrieben, um gegen das Gesetz mobil zu machen. Die anerkannten Tierschutzverbände wurden in dem Schreiben als Verhinderer der Forschung dargestellt. Dabei können die Verbände einen Tierversuch rechtlich nicht verhindern, sondern nur rückblickend tätig werden.
🔴 Tierversuche
Im Wahlprogramm findet sich keine konkrete Position zu Tierversuchen.
🔴 Pflanzliche Ernährung
Die CDU beschäftigt sich mit Ernährung insbesondere im Zusammenhang mit Schulen und Kitas. Dabei geht es unter anderem um gesundes Essen und Ernährungsbildung. Eine darüberhinausgehende spezifische ernährungspolitische Position wird nicht umfassend ausgeführt.
SPD Berlin
🟢 Karitativer Tierschutz
Die SPD will die Veterinärämter stärken, damit illegaler Tierhandel und Qualzuchten konsequenter kontrolliert werden können. Sie will die Finanzierung des Tierheims sichern und Konzepte für Katzenkastrationen fördern. Der Hundeführerschein soll die Rasseliste ersetzen. Außerdem sollen Tiere nicht mehr auf staatlichen Bühnen des Landes eingesetzt werden und Auftritte von Zirkussen mit Wildtieren auf landeseigenen Flächen weiterhin ausgeschlossen bleiben.
🟢 Stadttauben
Die SPD will ein „funktionierendes“ Stadttaubenmanagement fördern. Dies wird jedoch nicht weiter konkretisiert. Grundsätzlich setzt sich die Berliner SPD für ein tierschutzgerechtes Stadttaubenmanagement ein, das auf einem flächendeckenden Netz betreuter Taubenschläge basiert. Die Berliner Senatsverwaltung hatte in der letzten Legislatur das tierschutzkonforme Stadttaubenkonzept jedoch in Zweifel gezogen und zusätzliche Maßnahmen wie „Tierarzneimittel oder die Ansiedlung von natürlichen Fressfeinden“ in Betracht gezogen. Doch diese sind aus Tierschutzsicht unwirksam und möglicherweise tierschutzwidrig.
🟡 Tierschutzbeauftragte
Nach dem Wahlprogramm soll das Amt der/des Landestierschutzbeauftragten als zentrale Stimme für Tiere in Berlin erhalten bleiben. Die Partei konkretisiert dabei nicht, wie das Amt in Zukunft aufgestellt sein soll. In der letzten Legislatur wurde das Amt von einer hauptamtlichen Vollzeitstelle auf eine ehrenamtliche Basis zurückgestuft.
🔴 Tierschutz-Verbandsklagerecht
Im SPD-Wahlprogramm findet sich kein Hinweis zum Tierschutz-Verbandsklagerecht. In der letzten Legislatur hatten SPD und CDU angekündigt, das existierende Gesetz „qualifizieren“ zu wollen.
🔴 Tierversuche
Im Wahlprogramm findet sich keine konkrete Position zu Tierversuchen.
🟢 Pflanzliche Ernährung
Die SPD beschäftigt sich ausführlicher mit Ernährung im Bereich Kita und Schule. Sie betont, dass gute Ernährung bereits früh vermittelt werden soll, und setzt auf Ernährungsbildung sowie gesundes und kostenloses Essen in der Gemeinschaftsverpflegung. Außerdem verweist sie auf die Berliner Ernährungsstrategie. Diese setzt auf eine pflanzenbetonte, regionale und nachhaltige Ernährung, um Klima, Umwelt und Gesundheit zu schützen.
Bündnis 90/Die Grünen Berlin
🟢 Karitativer Tierschutz
🟢 Tierschutz-Verbandsklagerecht
🟢 Tierschutzbeauftragte
Die Grünen wollen den Tierschutz durch ein gestärktes Tierschutz-Verbandsklagerecht sowie eine dauerhafte Finanzierung von Tierheimen, Tiertafeln und Wildtierstationen stärken. Zudem sollen die Rasseliste abgeschafft, ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt und der illegale Welpenhandel bekämpft werden. Das Amt einer unabhängigen und weisungsfreien Landestierschutzbeauftragten wollen die Grünen gesetzlich verankern und mit einem eigenen Budget sowie ausreichend Personal ausstatten. Außerdem soll der Schutz von Vögeln und Fledermäusen bei Baumaßnahmen verbessert werden. Bei der Schädlingsbekämpfung in landeseigenen Wohnungsunternehmen setzt die Partei auf tierschutzgerechte Maßnahmen.
🟢 Stadttauben
Für Stadttauben ist ein flächendeckendes, tierschutzgerechtes Management mit betreuten Taubenschlägen, tierärztlicher Versorgung und Eieraustausch vorgesehen. Tierschutzwidrige Abwehrmaßnahmen wie Spikes oder ungeprüfte Vergrämungsmittel lehnen die Grünen ab
🟢 Tierversuche
Die Grünen setzen sich ausdrücklich für die Anwendung tierfreier Methoden ein. Sie wollen insbesondere das Replacement innerhalb des 3R-Prinzips stärken und Tierversuche schrittweise durch tierfreie Methoden ersetzen. Zudem soll den Studierenden das Recht eingeräumt werden, tierfreie Methoden zu erlernen und entsprechende Abschlüsse zu erwerben. Ein interdisziplinäres Innovationszentrum mit eigener Professur, Förderlinien und Modellprojekten soll aufgebaut werden. Wo Tierversuche derzeit noch nicht ersetzt werden können, sollen hohe Tierschutzstandards und mehr Transparenz gelten; bestehende Tierschutzstandards sollen nicht abgesenkt werden.
🟢 Pflanzliche Ernährung
Die Grünen setzen sich für Ernährungsbildung, regionale Versorgung und eine stärkere Verankerung pflanzlicher beziehungsweise ökologischer Ernährung ein. Unter anderem sollen regionale Lieferketten gestärkt und entsprechende Angebote in der Gemeinschaftsverpflegung ausgebaut werden. Das Programm verbindet Ernährung außerdem mit Gesundheits-, Klima- und Umweltaspekten.
Die Linke Berlin
🟢 Karitativer Tierschutz
🟢 Tierschutz-Verbandsklagerecht
🟢 Tierschutzbeauftragte
Die Linke widmet dem Thema in ihrem Programm einen eigenen Abschnitt mit dem Titel „Tierschutz und Tierrechte stärken“. Sie versteht Tiere als fühlende Lebewesen und fordert Schutz vor vermeidbarem Leid. Vorgesehen ist unter anderem die Weiterentwicklung des Tierschutz-Verbandsklagerechtes sowie einen unabhängig agierende/n hauptamtliche/n Landestierschutzbeauftragte/n mit einem angemessenen Budget. Die Linke fordert zudem höhere Standards für die Haltung von Heim- und sogenannten Nutztieren. Außerdem fordert sie ein Verbot von Tieren in Zirkussen, will Mittel für die Sterilisation von Straßenkatzen bereitstellen und die Rasseliste für Hunde sowie die Tötung von Hunden nach Beißvorfällen abschaffen. Darüber hinaus fordert die Linke eine grundlegende Reform der Jagd mit stärkerem Fokus auf Tier- und Naturschutz. Unter anderem sollen Bleimunition verboten und die Jagd auf bestimmte Tiere wie Fuchs und Marder beendet werden.
🟢 Stadttauben
Die Linke schreibt in ihrem Programm, dass sie ein Taubenmanagement einführen will. In betreuten Taubenschlägen soll gesundes Futter und Wasser bereitstehen, die Schläge gereinigt und die Population durch Austausch der Eier reguliert werden.
🟢 Tierversuche
Die Linke fordert einen Ausstiegsplan aus Tierversuchen mit konkreten Maßnahmen und Zeitvorgaben. Zudem will sie Alternativen zu Tierversuchen fördern und den Berliner Tierschutzforschungspreis wieder einführen
🟢 Pflanzliche Ernährung
Die Linke will das Angebot pflanzlicher Speisen in öffentlichen Kantinen ausbauen. Vorgesehen ist unter anderem, dass mindestens ein pflanzliches Gericht angeboten wird. Außerdem soll in Schulen und anderen Bildungsbereichen Wissen über Tierethik sowie eine gesunde und klimafreundliche Ernährung vermittelt werden.
FDP Berlin
🟡 Karitativer Tierschutz
Die FDP spricht sich für die Abschaffung der Rasseliste für Hunde sowie für Maßnahmen zur besseren Vermittlung von Tierheimtieren aus.
🔴 Tierschutz-Verbandsklagerecht
🔴 Tierschutzbeauftragte
Im Wahlprogramm der FDP findet sich kein Hinweis zum Tierschutz-Verbandsklagerecht oder zum Amt einer/eines Tierschutzbeauftragte/n
🔴 Stadttauben
Zur Regulierung der Stadttauben setzt die FDP auf die Schließung wilder Nistplätze, Taubenabwehrsysteme und tierschutzkonforme Verhütungsmittel wie Ovistop. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, sollen Tauben in die Schädlingsbekämpfungsverordnung aufgenommen werden. Die Schädlingsbekämpfung soll tierschutzkonform erfolgen.
🔴 Tierversuche
Im Wahlprogramm findet sich keine konkrete Position zu Tierversuchen.
🔴 Ernährung
Die FDP behandelt Ernährung vor allem unter dem Gesichtspunkt von Gesundheit und Information. Sie fordert einen besseren Zugang zu wissenschaftlich fundierten Informationen über Gesundheit, Ernährung und Bewegung.
BSW Berlin
🟢 Karitativer Tierschutz
🟢 Tierschutzbeauftragte
Das BSW leitet den Abschnitt zum Tierschutz mit der Aussage „Tierschutz ist kein Nebenthema“ ein. Die Partei thematisiert die angespannte Situation der Tierheime und Tierschutzorganisationen und kritisiert, dass die Landestierschutzbeauftragte abgeschafft wurde. Gefordert werden eine dauerhafte Grundfinanzierung, Mehrjahresförderungen und ein Krisenfonds für Großeinsätze oder Beschlagnahmungen. Zudem soll die Kostenübernahme nach Beschlagnahmungen verbindlich geregelt werden. Die Verantwortung sollte hierbei nicht bei den Vereinen liegen, sondern beim Staat
🟢 Tierschutz-Verbandsklagerecht
Das BSW kritisiert in seinem Programm, dass das Verbandsklagerecht politisch zur Disposition steht. Konkrete Pläne zur Ausgestaltung des Amtes finden sich im Wahlprogramm nicht.
🔴 Stadttauben
Im Wahlprogramm findet sich keine konkrete Position zum Umgang mit den Stadttauben.
🟢 Tierversuche
Das BSW spricht sich unter der Überschrift „Forschung ohne Tierleid“ ausdrücklich gegen die Nutzung von Tieren als Forschungsinstrumente aus. Berlin soll nach den Vorstellungen des BSW beim Ausstieg aus Tierversuchen eine Vorreiterrolle einnehmen. Öffentliche Mittel sollen vorrangig für tierfreie Forschungsmethoden eingesetzt werden.
🔴 Pflanzliche Ernährung
Im Wahlprogramm des BSW findet sich keine Position zur Ernährung
Tierschutzpartei Berlin
🟢 Karitativer Tierschutz
Die Tierschutzpartei will die Finanzierung des praktischen Tierschutzes in Berlin auf eine verlässliche Grundlage stellen. Das Tierheim soll mit etwa 8 Millionen Euro jährlich, finanziert werden. Ehrenamtliche Tierschutzvereine erhalten zusätzlich gezielte Zuschüsse, und die Berliner Tiertafel wird dauerhaft institutionell gefördert, damit Menschen mit geringem Einkommen ihre Tiere nicht aus finanziellen Gründen abgeben müssen.
Sie plant zudem ein Wildtierkompetenzzentrum sowie eine ausreichende Finanzierung von Wildtierauffangstationen, ergänzt durch staatlich finanzierte Vogelauffangstationen. Bei Zoos und Aquarien lehnt die Partei neue Genehmigungen ab und will bestehende Einrichtungen mittelfristig in Lebenshöfe umwandeln. Tierauftritte in Zirkussen auf Landesflächen sollen nicht mehr gestattet und stattdessen eine tierfreie Zirkuskultur gefördert werden. Im Pferdesport plant die Partei ein Verbot schmerzhafter Ausbildungsmethoden und ein Ende des Pferderennsports. Zudem sollen Pferdekutschen im Berliner Stadtverkehr sowie Ponykarussells und öffentliches Ponyreiten verboten werden.
Die Tierschutzpartei will den Verkauf von Echtpelz auf allen Berliner Landesflächen verbieten und sich für ein Importverbot von Mulesing-Wolle einsetzen. Für Hunde soll die bestehende Rasseliste abgeschafft und stattdessen ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt werden. Hunde aus dem Tierschutz sollen lebenslang von der Hundesteuer befreit werden. Für Straßenkatzen möchte sie kommunale Kastrationsprogramme ausbauen. Den Tierhandel in Geschäften will sie schrittweise beenden und Tierbörsen abschaffen.
🟢 Tierschutzbeauftragte
Die Tierschutzpartei setzt sich für die Wiedereinstellung einer unabhängigen, rechtlich abgesicherten Landestierschutzbeauftragten mit klaren Befugnissen ein, die weisungsfrei arbeitet und mit ausreichenden finanziellen und personellen Ressourcen ausgestattet ist. Ihre Aufgabe soll es sein, Missstände offen zu benennen und wissenschaftlich fundierte Alternativen zu tierschutzwidrigen Praktiken aufzuzeigen, ohne dass kritische Öffentlichkeitsarbeit sanktioniert wird. Zusätzlich will die Partei deutlich mehr Amtstierärzt:innen einsetzen und die Kontrollfrequenz in den Veterinärämtern erhöhen.
🟢 Tierschutz-Verbandsklagerecht
Die Tierschutzpartei bekennt sich zur bestehenden Ausgestaltung des Berliner Tierschutz-Verbandsklagerechts und will sicherstellen, dass dessen Anwendung verlässlich funktioniert und gestärkt wird. Sie begründet dies damit, dass das Klagerecht eine grundlegende Lücke im Rechtsschutz schließt, die Kontrolle behördlicher Entscheidungen stärkt und den verfassungsrechtlichen Auftrag zum Tierschutz erst praktisch wirksam macht.
🟢 Stadttauben
Die Tierschutzpartei lehnt tierschutzwidrige Abwehrmethoden wie Spikes, Klebepasten oder Giftköder ab und will sie in Berlin konsequent verbieten. Statt Vertreibung sollen betreute Taubenhäuser nach dem Vorbild des Augsburger Stadttaubenkonzepts in allen Bezirken entstehen, in denen Eier regelmäßig gegen Attrappen ausgetauscht werden, um Bestände tierleidfrei zu regulieren. Das bestehende Konzept der Landestierschutzbeauftragten für das Taubenmanagement soll beibehalten werden. Ergänzend sind Informationsangebote für Bürger:innen zum artgerechten Umgang mit Stadttauben geplant.
🟢 Tierversuche
Die Tierschutzpartei strebt den vollständigen Ausstieg aus Tierversuchen an und will Berlin zu einem tierversuchsfreien Forschungsstandort entwickeln. Ein verbindlicher Ausstiegsplan soll Tierversuche schrittweise abschaffen, neue Tierversuchslabore werden künftig nicht mehr genehmigt, und die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden wie Organchips, 3D-Zellkulturen oder KI-gestützter Testverfahren soll gezielt gefördert werden. Pflichtversuche an Tieren in Ausbildung und Studium, etwa im Biologiestudium, sollen abgeschafft und durch digitale Simulationen ersetzt werden. Ergänzend plant die Partei einen Lehrstuhl für tierversuchsfreie Forschungsmethoden an Berliner Hochschulen.
🟢 Pflanzliche Ernährung
Die Tierschutzpartei will ein verbindliches Angebot pflanzlicher Gerichte zu jeder Mahlzeit in allen öffentlichen Einrichtungen einführen, darunter Kantinen, Kitas, Schulen, Mensen, Senior:innen- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser. Schüler:innen aller Klassenstufen sollen kostenlosen Zugang zu vollwertigen veganen Mahlzeiten erhalten, während nicht-pflanzliche Gerichte in Kantinen nicht mehr steuerlich gefördert werden. Zudem will die Partei Berlins Teilnahme am EU-Schulmilchprogramm beenden und stattdessen pflanzliche Alternativen in Schulen und Kitas einführen. Förderprogramme und Beratungsangebote sollen Kantinen und Mensen bei der Umstellung auf eine gesunde, ethische und klimafreundliche Ernährung unterstützen.
Bei allen Angaben handelt es sich nicht um eine Wahlempfehlung. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte e.V. ist politisch neutral.
Hier können Sie sich die Wahlprogramme der Parteien herunterladen
AfD, CDU, Linke, SPD, Grüne, BSW, FDP, Tierschutzpartei (Grundsatzprogramm)
