Anlässlich der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September hat der Bundesverband Menschen für Tierrechte die Wahlprogramme der etablierten Parteien hinsichtlich ihrer Tierschutzpläne ausgewertet. Dabei legt der Verband besonderen Fokus darauf, ob die Parteien konkrete und wirksame tierschutzpolitische Maßnahmen planen. Die Analyse zeigt deutlich, dass die Linke, die Grünen, die SPD und das BSW mit ihren Vorschlägen zur Verbesserung des Tierschutzes vorne liegen.
Nach derzeitigen Prognosen könnte die AfD am 6. September mit über 40 Prozent die absolute Mehrheit in Magdeburg erreichen. Damit könnte zum ersten Mal eine teilweise als „gesichert rechtsextrem“ eingestufte Partei einen Ministerpräsidenten stellen. Die CDU steht mit circa 22 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt von der Linken mit 11 Prozent. Parteien wie die Grünen und die SPD stehen aktuell bei knapp 6 beziehungsweise 8 Prozent und könnten an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Wenn dies eintrifft, fallen deren Sitze vor allem an die größte Fraktion im Landtag, die AfD.
AfD hält Auflagen für die Tierhaltung für „zu hoch“
Die Analyse der Wahlprogramme zeigt, dass nur wenige Parteien wirkungsvolle Maßnahmen vorschlagen, um die Situation der Tiere im Land zu verbessern. AfD und CDU sind zwar bereit, Tierheime besser zu fördern und eine Katzenkastrationsverordnung einzuführen. In Bezug auf die industrielle Tierhaltung – hier leiden zahlenmäßig die meisten Tiere – planen AfD und CDU keine strukturellen Verbesserungen. Im Gegenteil: Die AfD bezeichnet die Auflagen für die Tierhaltung als zu hoch. Die CDU verfolgt zwar eine „tierwohlgerechte Haltung“, will aber gleichzeitig Dokumentationspflichten reduzieren. Verschärfungen von Haltungsvorgaben lehnt die CDU ab. Dass eine Wende in der Agrar- und Ernährungspolitik besonders mit der AfD nicht zu machen ist, zeigt sich daran, dass sie den Green-Deal der EU ablehnt und die wissenschaftlich geforderte Reduktion des Fleischkonsums als eine „Klimareligiöse Verbotskultur“ bezeichnet.
Tierschutzverstöße: Bedarf an Kontrollen groß
Der Bedarf an mehr Kontrollen und en einer konsequenten Verfolgung von Tierschutzvergehen ist auch in Sachsen-Anhalt groß. Nach dem im Februar 2026 veröffentlichten Tierschutzbericht wurden bei jeder fünften Kontrolle Tierschutzverstöße festgestellt. Neben Fällen von Animal Hoarding stellten die Behörden vor allem in der Schweine-, Rinder- sowie Schaf- und Ziegenhaltung teils gravierende Missstände fest. Im Juni 2025 belegten Aufnahmen bei MDR Exakt, wie Mitarbeiter in einem der größten Schweinezuchtbetriebe Deutschlands Hunderte von schwachen Ferkeln quälten und totprügelten. Im April 2024 starben Tausende Sauen und Ferkel bei einem Stallbrand bei Salzwedel.
Umfangreiche Pläne bei Linken, SPD, Grünen und BSW
Ob diese Skandale die anderen Parteien bewogen haben, mehr Tierschutz in ihre Programme aufzunehmen, ist unklar. Sicher ist, dass die Linke, die SPD, die Grünen und das BSW dem Tierschutz deutlich mehr Raum in ihren Programmen einräumen. Die SPD hat sich in ihrem Programm zwar kurzgefasst, nennt jedoch zentrale Maßnahmen, wie den Umbau der Tierhaltung in tiergerechte Haltungssysteme oder die Einführung einer Tiergesundheitsstrategie. Die Linke versteht den Tierschutz als Staatsaufgabe. In ihrem Programm listet sie ausführliche Maßnahmen. Einige Pläne gehen dabei weit über einfache Reformen hinaus, etwa der Plan, die exportorientierte Fleischerzeugung zu beenden, Bestandsobergrenzen in der Tierhaltung einzuführen oder die Vergabe von öffentlichen Geldern gezielt an Umwelt- und Tierschutzstandards zu koppeln.
Grüne für pflanzenbasierte Ernährung
Die Grünen geben dem Thema Tierschutz und Landwirtschaft mit fünf Seiten den meisten Raum. Sie fordern – neben umfangreichen Tierschutzmaßnahmen – als einzige der etablierten Parteien den sofortigen Ausstieg aus bestimmten Tierversuchen sowie ein eigenes Landesprogramm zur Förderung tierversuchsfreier Verfahren. Außerdem planen sie eine stärkere Ausrichtung auf eine pflanzenbasierte Ernährung und mehr Anbau von Hülsenfrüchten. Auch das BSW gibt Landwirtschaft, Tierschutz und Jagd relativ viel Raum und spricht sich unter anderem für eine ökologische Agrarpolitik, die Einführung tiergerechter Haltungsstandards sowie für den Ausstieg aus Tierversuchen in der Lehre aus. Das geringste Tierschutzprofil präsentiert die FDP: Sie fordert sogar, bestehende Auflagen für Tiertransporte abzuschaffen und weitere Tierarten ins Jagdrecht aufzunehmen.
Es kommt auf jede Stimme an
Am 6. September kommt es in Sachsen-Anhalt auf jede Stimme an. Wenn Grüne und SPD ebenso wie das BSW (4 Prozent) und die FDP (3 Prozent) an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, gehen ihre Sitze vor allem an die AfD. Dies gilt auch für die Stimmen der Tierschutzpartei, die unter „Sonstige“ gezählt wird (4 Prozent). Das BSW könnte dabei bei der Wahl zum Zünglein an der Waage werden. Die Partei will sich zwar nicht an der Wahl eines Ministerpräsidenten von AfD oder CDU beteiligen, eine themenbezogene Zusammenarbeit mit der AfD schließt das BSW jedoch nicht aus. Menschen für Tierrechte ruft die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt deswegen dazu auf, die Wahlprogramme der Parteien aufmerksam zu sichten, bevor Sie ihre Wahlentscheidung machen.
Hier können Sie sich die Wahlprogramme der Parteien herunterladen
AfD, CDU, Linke, SPD, Grüne, BSW, FDP, Tierschutzpartei (Grundsatzprogramm)
Hier können Sie sich Auszüge aus den Wahlprogrammen der etablierten Parteien als PDF herunterladen.
Hier lesen Sie unsere umfangreichere Analyse.
Bei allen Angaben handelt es nicht um eine Wahlempfehlung. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte e.V. ist politisch neutral.
