Menschen für Tierrechte kritisiert unsinnige Versuche und fordert mehr tierfreie Verfahren
Menschen für Tierrechte hat das Pferd zum „Versuchstier des Jahres“ 2026 ernannt. Obwohl Pferde im Vergleich zu „klassischen Versuchstierarten“ seltener in Tierversuchen eingesetzt werden, leiden und sterben auch sie im Labor. Dabei werden sie oft künstlich krank gemacht oder in Bereichen eingesetzt, die nichts mit Pferdekrankheiten zu tun haben, beispielsweise die qualvolle Produktion von Hormonen für die Schweinezucht oder die ebenfalls schmerzhafte Herstellung von Antikörpern. Die Tiere leiden, obwohl für diese und andere Verfahren längst tierfreie Alternativen existieren.
Im Jahr 2024 wurden 822 Pferde in Tierversuchen eingesetzt, unter anderem für die Herstellung von Antitoxinen zur Behandlung menschlicher Vergiftungen. Diese qualvolle Praxis wird trotz erforschter tierversuchsfreier Alternativen weiterhin genehmigt. Die dabei gewonnenen, artfremden Proteine können bei Menschen Allergien auslösen.
Vorsätzlich geschädigt und getötet
Außerdem wurden 2025 in Deutschland Tierversuche genehmigt, bei denen gesunde Pferde für sogenannte Hypoxie-Studien zur Sauerstoffmangelversorgung eingesetzt und getötet wurden. Um die Auswirkungen auf Gehirn- und Muskelzustände zu untersuchen, wurden sie dazu künstlich in Sauerstoffmangel versetzt. Nach den Versuchen wurden die Pferde getötet. Die Versuche wurden genehmigt, obwohl es seit Jahrzehnten funktionierende Therapien für eine Sauerstoffmangelversorgung gibt.
Hufrehe: gesunde Tiere krankgemacht
Ein weiteres Beispiel ist eine 2025 durchgeführte Studie zur Hufrehe, bei der eine Kältetherapie an acht gesunden „Freizeitpferden“ getestet wurde. Statt bereits an Hufrehe erkrankte Pferde einzusetzen, wurden die Tiere künstlich krank gemacht – und dies, obwohl die Kältetherapie längst gut erforscht und praktiziert wird.
Geringe Chancen, Labore lebend zu verlassen
„Es ist schockierend, dass noch immer Tierversuche genehmigt werden, für die längst tierfreie Verfahren existieren oder die schlicht unsinnig sind. Da Pferde nach ihrem Einsatz im Versuch so gut wie nie vermittelt werden, haben die Tiere zudem meist keine Chance, das Labor lebend zu verlassen. Diese rückwärtsgewandte Praxis steht im Gegensatz zu den Plänen der EU: Diese hat im Juni einen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus Tierversuchen bei der Chemikaliensicherheitsbewertung vorgelegt. Der Plan hat das Potenzial, Millionen von Tierleben zu retten. Damit dies gelingt, muss jetzt aber auch Deutschland aktiv werden und die Entwicklung zukunftsfähiger tierversuchsfreier Verfahren endlich entschieden vorantreiben“, fordert Dr. Christiane Hohensee, Fachreferentin für tierversuchsfreie Forschung bei Menschen für Tierrechte.
Mut für neue Wege
Dem schließt sich auch die diesjährige Schirmherrin des Versuchstieres des Jahres Tessa Storch an. Sie ist Vorsitzende des Beirats der Mira und Lars Sittauer Stiftung: „Pferde sind Lebewesen, zu denen wir Menschen eine besondere Beziehung aufbauen können. Sie dürfen nicht als Mittel zum Zweck betrachtet werden, vor allem nicht dort, wo es Alternativen gibt. Das Pferd als Versuchstier des Jahres sichtbar zu machen, bedeutet für mich deshalb vor allem eines: innezuhalten und uns zu fragen, ob wir wirklich jedes Leid, das wir einem Tier zufügen, als notwendig hinnehmen müssen – oder ob wir den Mut haben, neue Wege zu gehen.“
Broschüre: Versuchstier des Jahres 2026: Das Pferd
Für Interessierte steht eine ausführliche Broschüre zum Versuchstier des Jahres 2026 (14 Seiten) als PDF zum Download bereit.
Hier lesen Sie das Grußwort von Tessa Storch.
