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19.08.2026: Klimawandel und Tierhaltung: Warum die Landwirtschaft umdenken muss

Die massive Hitze und Trockenheit der letzten Monate mögen nachlassen. Die Folgen bleiben. In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern zeigt sich jetzt mit aller Härte, wie verletzlich eine Landwirtschaft ist, die auf stabile Niederschläge, verlässliche Ernten und große Mengen an Tierfutter angewiesen ist. In Baden-Württemberg wurde im August für Bio-Betriebe der Katastrophenfall ausgerufen. In der Schweiz kam es bereits zu Notschlachtungen. Wir müssen uns jetzt fragen, wie eine Landwirtschaft aussehen muss, die uns auch in Zukunft noch sicher ernähren kann.

Kühe, Schweine oder Hühner müssen jeden Tag gefüttert werden – unabhängig davon, ob die Ernte gut oder schlecht ausgefallen ist. Genau darin liegt eine der großen Schwachstellen der Tierhaltung: Je mehr Tiere gehalten werden, desto größer ist die Abhängigkeit von großen, verlässlich verfügbaren Futtermengen. Fällt Gras auf den Wiesen aus, fehlt Heu. Vertrocknet Mais, fehlt Silage. Sinkt die Getreideernte, steigen die Preise. Und wenn Futtermittel auf dem Weltmarkt knapp werden, kommen die Krisen direkt auf deutschen Höfen an.

Auslaufmodell Tierhaltung
„Hitze, Trockenheit, sterbende Nutz- und Wildtiere, Ernteausfälle, Futterknappheit sind ein deutliches Warnsignal“, sagt Christina Ledermann, Vorsitzende von Menschen für Tierrechte. „Eine Landwirtschaft, die hohe Tierzahlen mit Futter versorgen muss, ist besonders verwundbar. Dies zeigt, dass eine Agrar- und Ernährungswende hin zu einer pflanzenbasierten Landwirtschaft unumgänglich ist. Diese ist zwar auch von der Dürre betroffen, allerdings können mit einer pflanzenbasierten Ernährung dreimal so viel Nahrungsmittel erzeugt werden. Das bedeutet, dass wir Ernteausfälle besser kompensieren können, weil wir insgesamt weniger produzieren müssen.“

Die Tiere zahlen den Preis
Die letzten Wochen haben zudem gezeigt, dass alle Tiere vom Klimawandel betroffen sind. Hitzewellen und Brände werden zur tödlichen Gefahr für Wild- und sogenannte Nutztiere. Wenn Bäche und Teiche austrocknen, Böden ihre Feuchtigkeit verlieren und Nahrung knapp wird, geraten ganze Ökosysteme unter Druck. Jungtiere und geschwächte Tiere überleben die extremen Temperaturen häufig nicht. Auch in den Ställen leiden und sterben Tiere, wenn unzureichend gekühlt wird. Allein am Hitzewochenende Ende Juni 2026 verendeten in Deutschland Zehntausende „Nutz“tiere durch die hohen Außentemperaturen, zeigt eine Recherche der taz (taz, „Die Hitze und das liebe Vieh“, vom 12.08.2026). Die Zahlen der verendeten Wildtiere lassen sich gar nicht beziffern.

Falsche Frage: Wie halten wir das bestehende System am Laufen?
Auf eine Krise folgt häufig die Suche nach technischen Lösungen: Wie können wir Erträge trotz Trockenheit stabilisieren? Wie können Ställe besser gekühlt werden? Wie kann die Leistung der Tiere noch weiter gesteigert werden? Doch diese Maßnahmen lösen das grundlegende Problem nicht. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie können wir die Tierhaltung an die Klimakrise anpassen? Sondern: Wir gestalten wir eine Landwirtschaft, die uns auch unter den Bedingungen einer sich rasant verändernden Welt ernähren kann?

Landwirtschaft neu denken
Derzeit werden in Deutschland 60 Prozent und weltweit 80 Prozent der Kulturflächen allein dafür genutzt, um Tiere zu ernähren. Das ist aus Sicht des Tier- uns Klimaschutzes und der Ernährungssicherheit fatal. Zahlreiche internationale Studien weisen seit Jahren daraufhin, dass wir einen strukturellen Wandel unseres Ernährungssystems hin zu einer Planetary Health Diet brauchen. Genau hier setzt das Projekt TransFARMation Deutschland von Menschen für Tierrechte an: TransFARMation begleitet landwirtschaftliche Betriebe auf dem Weg zu neuen, pflanzenbasierten Betriebsmodellen und entwickelt gemeinsam mit ihnen individuelle Perspektiven. Hinter jedem Tierhaltungsbetrieb stehen Menschen, die wirtschaftlich von ihrem Hof leben müssen. Ein Hof, der statt Futtermitteln für Tiere Lebensmittel für Menschen anbaut, kann dabei einen wichtigen Schritt in eine krisenfestere Zukunft machen. Hülsenfrüchte, Getreide, Gemüse oder andere pflanzliche Lebensmittel können unmittelbar der menschlichen Ernährung dienen. Das schafft neue Perspektiven – für Tiere, Umwelt und letztlich für unser Überleben.

TransFARMation: Eine Zukunft ohne Tierhaltung
Wenn Landwirte aus der Tierhaltung aussteigen wollen, brauchen sie Beratung, finanzielle Unterstützung und sichere Absatzmärkte. Nötig sind echte Alternativen, nicht nur Appelle. TransFARMation Deutschland macht aus der Forderung nach weniger Tierhaltung eine konkrete Perspektive: Wie kann ein Betrieb ohne Tierhaltung wirtschaftlich funktionieren? Welche Pflanzen lassen sich anbauen? Welche neuen Betriebszweige kommen infrage? Und wie kann der Übergang gelingen?

Nötig: staatliche Umbau-Förderungen
Nach Ansicht von Menschen für Tierrechte ist die Förderung dieses wichtigen Umbaus eigentlich eine staatliche Aufgabe. Die Bundesregierung müsste den Tierhalter:innen dringend Anreize bieten, um sie zum Abbau ihrer Tierbestände und zum Umstieg auf zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu ermutigen. Nötig wären Ausstiegsprogramme, Förderungen und unabhängige Beratungsmöglichkeiten. Da dies aktuell jedoch nicht in Sicht ist, geht das Projekt TransFARMation mit gutem Beispiel voran. Jeder transformierte Hof ist nach Ansicht des Vereins ein Erfolg und erzeugt eine Sogwirkung für neue Umstellungen. Eine pflanzenbasierte Landwirtschaft ist DIE Chance für mehr Ernährungssicherheit, die auch unter den Bedingungen einer sich rasant verändernden Welt Zukunft hat. Jetzt ist der Zeitpunkt, diese Tatsache zu akzeptieren und den nötigen Wandel einzuleiten.