Newsletter Tierrechte vom 18.06.202
Inhalt
- Schockierend: Bundeswehr plant mehr Tierversuche
- Kampagne: „Stoppt die grausamen Botox-Tierversuche!“
- Novellierung Tierschutzgesetz: Bundesrat fordert mehr Tierschutz
- Internationaler Tag gegen Tiertransporte: Wir brauchen endlich ein Verbot!
- Bündnisappell: EU Kommission muss jetzt handeln
- Termine
Liebe Leserinnen und Leser,
wussten Sie, dass die Bundeswehr seit Jahrzehnten für Forschungszwecke lebende Tiere einsetzt? Wie jetzt bekannt wurde, soll es in Zukunft noch mehr Versuche geben, in denen Tiere verwendet und getötet werden. Ein Grund dafür sei die veränderte geopolitische Sicherheitslage. Wie viele Versuchstiere die Bundeswehr derzeit verwendet, bleibt allerdings geheim. Die Fraktion Die Linke hatte im Mai eine Kleine Anfrage eingebracht. Darin wurde nach erwarteten Entwicklungen bei den Tierzahlen, den verwendeten Tierarten sowie dem Anteil an Versuchen mit höheren Schweregraden gefragt. Die Antwort des Verteidigungsministeriums liegt jetzt vor. Die gesetzlichen Vorgaben zum Tierschutz bei den Tierversuchen würden strikt eingehalten, so das Ministerium. Die erfragten Zahlen zu Versuchstieren in den Jahren 2020 bis 2025 stufte das Ministerium allerdings „im Hinblick auf das Staatswohl“ als Verschlusssache ein!
Bereits 2021 hatte die Fraktion die LINKE eine Kleine Anfrage dazu gestellt. Aus der damaligen Antwort des Verteidigungsministeriums gingen erschreckende Details zu von der Bundeswehr durchgeführten und in Auftrag gegebenen Tierversuchen hervor. Demnach hat die Bundeswehr in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 7.500 Tiere verwendet. 85 Prozent der Tiere waren Ratten und Mäuse. Hinzu kamen 590 Meerschweinchen, aber auch 27 Affen, 144 Hunde und mehr als 300 Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde. Nager wurden Nervenkampfstoffen ausgesetzt, Schweine wurden schwer verletzt, um Nervenschädigungen oder Blutarmut zu simulieren, Kaninchen wurden Knorpelverletzungen zugefügt, bei Mäusen wurden die Spätfolgen einer Verstrahlung untersucht.
Sie fragen sich, warum das erlaubt ist? Schließlich heißt es im Tierschutzgesetz 7a Abs. 3 „Tierversuche zur Entwicklung oder Erprobung von Waffen und Munition und dazugehörigem Gerät sind verboten.“ Doch solange keine Waffen und Munitionen entwickelt und erprobt werden, sind Tierversuche unter dem Mantel der Grundlagenforschung oder zur Sicherheit von Soldaten und Zivilbevölkerung erlaubt. Menschen für Tierrechte kritisiert das Vorgehen des Ministeriums scharf. Statt mehr Tierversuche braucht es einen konkreten Ausstiegsplan und ein sofortiges Verbot von schwerbelastenden Tierversuchen. Tiere für militärische Zwecke zu missbrauchen ist an Grausamkeit kaum zu überbieten.
Kampagne: „Stoppt die grausamen Botox-Tierversuche!“
Der Dachverband der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), dem auch Menschen für Tierrechte angehört, hat im Juni die neue Kampagne „Stoppt Botox-Tierversuche!“ gestartet. Obwohl seit Jahren tierversuchsfreie Methoden verfügbar sind, werden nach aktuellen Schätzungen weiterhin jährlich mehr als 100.000 Mäuse für sogenannte Qualitätskontrollen von Botox-Produkten in der EU und in Großbritannien qualvoll getötet. Das Nervengift Botulinumtoxin ist vor allem bekannt für seine Anwendung im kosmetischen Bereich, um etwa Falten im Gesicht zu glätten. Es wird aber auch für medizinische Zwecke eingesetzt. Unabhängig von der Anwendung wird jede einzelne Produktionseinheit getestet, bevor sie in den Verkauf gehen darf. Üblicherweise geschieht dies durch den sogenannten LD50-Test. Dabei wird Mäusen die Substanz in verschiedenen Verdünnungen in die Bauchhöhle gespritzt, um festzustellen, bei welcher Dosis die Hälfte der Tiere stirbt (LD50 = letale Dosis 50 Prozent). Das Toxin verursacht Atemlähmungen. Dies führt dazu, dass die Mäuse teilweise stundenlang leiden, bevor sie letztlich ersticken.
Bitte helfen Sie mit und unterschreiben Sie die Petition Stoppt Botox-Tierversuche. Vielen Dank.
Internationaler Tag gegen Tiertransporte: Wir brauchen endlich ein Verbot!
Anlässlich des Internationalen Tages gegen Tiertransporte erneuert Menschen für Tierrechte seine Forderung nach einem konsequenten Verbot von Lebendtierexporten in außereuropäische Drittstaaten. In einem Bündnis von Organisationen appellierten wir an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, sich auf nationaler und auf EU-Ebene für ein Verbot von Drittlandexporten einzusetzen. Die Missstände sind seit langem bekannt, doch noch immer werden jedes Jahr Zehntausende Rinder und andere Tiere von Deutschland aus in EU-Länder und in weit entfernte Drittstaaten wie Algerien, Marokko, Ägypten oder Syrien transportiert. Deutschland gehört in der EU zu den größten Exporteuren von Rindern zu angeblichen Zuchtzwecken. Die Tiere leiden auf Transportern und auf Schiffen tage- bis wochenlang unter Hitze oder Kälte, Durst, Hunger, Verletzungen, Stress und Angst. Am Zielort werden sie meist ohne Betäubung geschlachtet.
Hier lesen Sie den gemeinsamen Appell der Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen als PDF.
Hier können Sie die Petition unseres Partnervereins mitzeichnen: help.four-paws.org.
Bündnisappell: EU Kommission muss jetzt handeln!
Seit sechs Jahren Stillstand. Es reicht! Ein breites Bündnis aus Expertinnen und Experten der Wissenschaft, des Rechts, der Ethik und der Veterinärmedizin sowie zahlreiche Tierschutzorganisationen fordern die Europäische Kommission auf, die angekündigte Reform der EU-Tierschutzgesetzgebung endlich vorzulegen. Bereits 2021 hatte die EU-Kommission zugesagt, die Käfighaltung schrittweise zu beenden und die Tierschutzvorschriften für landwirtschaftlich genutzte Tiere zu modernisieren. Trotz dieser Ankündigungen liegt bis heute kein entsprechender Gesetzesvorschlag vor. Gleichzeitig leben weiterhin rund 300 Millionen Tiere in der Europäischen Union in Käfigsystemen. Unsere Forderungen sind eindeutig: Der angekündigte Legislativvorschlag muss fristgerecht vorgelegt werden und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Tierschutzes enthalten. Dazu gehören insbesondere der schrittweise Ausstieg aus der Käfighaltung, das Verbot des Tötens männlicher Küken sowie die Schaffung einheitlicher und höherer Tierschutzstandards innerhalb der Europäischen Union. Lesen Sie mehr.
Bitte helfen Sie uns. Unser gemeinsamer Tierschutzappell an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, finden Sie hier.
Medientipps & Termine
- Ab 1. Juli 18.30 Uhr Ernährungsicherheit: Online-Veranstaltungsreihe zur Transformation des Ernährungssystems
- Neue Doku-Reihe: Jagd im Visier, Episode 1: Guter Ruf
- Das Kuh-Experiment: Reportage in der ARD Mediathek
- „Und irgendwann zuckte noch ein Ohr“: Radiofeature: Vom Hin- und Wegschauen im Tierschutz
So unterstützen Sie die Arbeit von Menschen für Tierrechte:
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Bankleitzahl 390 500 00
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Menschen für Tierrechte e.V. setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Zülpich (früher Aachen) sind Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion. Um Landwirt:innen Alternativen aufzeigen, wie sie auch ohne sogenannte Nutztiere erfolgreich und nachhaltig wirtschaften können, betreibt Menschen für Tierrechte das Projekt TransFARMation. Um tierversuchsfreie Methoden voranzubringen, veröffentlicht der Verband das „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Weiterhin unterstützt der Verband das tierschutzkonforme Stadttaubenmanagement und gibt das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.




