Die Europäische Kommission hat heute einen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus Tierversuchen bei der Bewertung der Chemikaliensicherheit vorgelegt. Menschen für Tierrechte begrüßt die geplanten Maßnahmen. Der Plan hat das Potenzial, zukünftig Millionen von Tierleben zu retten. Entscheidend ist jedoch, dass die fehlenden tierfreien Methoden jetzt gezielt gefördert werden und dass jetzt auch die Nutzung von Tieren, beispielsweise zur Organentnahme, beendet wird.
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte e.V. begrüßt den heute veröffentlichten Fahrplan der EU-Kommission. Dieser zeige, dass sich das große Engagement im Rahmen der Europäischen Bürgerinitiative „Save Cruelty-Free Cosmetics – Für ein Europa ohne Tierversuche“ gelohnt hat. Im Jahr 2023 hatten über 1,2 Millionen EU-Bürger:innen die Kommission aufgefordert, den Übergang zu einer tierversuchsfreien Wissenschaft einzuleiten.
Es fehlen noch immer wichtige tierfreie Methoden
Menschen für Tierrechte weist aber darauf hin, dass es sich bislang noch um eine 3R-Strategie handelt, bei der es nicht nur ausschließlich um den kompletten Ersatz, sondern auch um das Verringern und Verbessern von Tierversuchen geht. „Der vorgelegte Fahrplan ist dringend notwendig. Denn es fehlen noch immer anerkannte tierfreie Methoden, beispielsweise bei der Reproduktionstoxikologie. In diesem Bereich werden noch immer unzählige Versuchstiere über mehrere Generationen in Tierversuchen eingesetzt. Damit der Plan der EU sein Ziel erreicht, ist jetzt entscheidend, dass eine zielgerichtete Finanzierung für die noch fehlenden Methoden bereitgestellt wird,“ sagt Dr. Christiane Hohensee, Projektleiterin bei Menschen für Tierrechte.
Ende der Tötung zur Organentnahme
Außerdem fordert Menschen für Tierrechte, dass mit dem Ausstieg aus dem Tierversuch auch das Ende der Nutzung von Tieren in diesem Bereich verbunden ist. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2024 über 600.000 Tiere zur Entnahme von Geweben oder Organen und über 1 Million Tiere als sogenannte Überschusstiere getötet. Die Zukunft liegt nach Ansicht des Bundesverbandes im Einsatz von humanspezifischem Material. Dieses rettet nicht nur Millionen von Tierleben, es schließt auch das Risiko von Artunterschieden aus.
Drei Säulen – 22 Maßnahmen
Der Fahrplan besteht aus drei Säulen und sieht 22 Maßnahmen vor, um Versuche an Tieren für die Chemikaliensicherheitsbewertung in 15 Bereichen schrittweise zu ersetzen, darunter Chemikalien für industrielle und Verbraucherzwecke, Pestizide und Biozide, Arzneimittel sowie Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe. Die erste Säule sieht den schrittweisen Ausstieg aus Tierversuchen, die Beschleunigung der Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren sowie deren schnellere Einführung vor. Die Kommission hat dazu dreißig gezielte Empfehlungen zum Ersatz, zur Reduzierung und zur Verbesserung von Tierversuchen vorgelegt, die bisher zur Wirkung auf die menschliche Gesundheit sowie auf die Umwelt durchgeführt wurden.
Mehr Kooperation und KI
In der zweiten Säule geht es darum, Europas Spitzenplatz bei Forschung und Innovation zu sichern. Um tierversuchsfreie Ansätze zu entwickeln, soll dazu ein breit gefächertes System aus Forschung und unternehmerischer Innovation gefördert werden. Dazu gehören auch Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI). Bei der dritten Säule geht es um eine verbesserte Zusammenarbeit innerhalb Europas und darüber hinaus. Anhand von Indikatoren sollen die Fortschritte bei der Umsetzung der Maßnahmen überwacht werden.
Hier erfahren Sie mehr zum neuen Fahrplan der EU: ec.europa.eu
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Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Unserem Dachverband mit Hauptsitz in Zülpich (früher Aachen) sind Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Unsere Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgen wir einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion. Um Landwirt:innen Alternativen aufzeigen, wie sie auch ohne sogenannte Nutztiere erfolgreich und nachhaltig wirtschaften können, betreibt Menschen für Tierrechte das Projekt TransFARMation. Um tierversuchsfreie Methoden voranzubringen, veröffentlichen wir das „Versuchstier des Jahres“, betreiben die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Außerdem unterstützen wir das tierschutzkonforme Stadttaubenmanagement und geben 2 x im Jahr das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.
