Newsletter Tierrechte vom 21.05.2026
Inhalt
- Politik: Tierschutz nur, wenn er nichts kostet?
- Begrüßenswert: Online-Plattform zur Vermittlung von Labortieren
- Flughafen Hahn: Tiertransporte für Versuchslabore
- Richtiger Schritt: Frankreich setzt neue Ernährungsschwerpunkte
- Petition: Stadttaubenmanagement statt pauschale Fütterungsverbote
- Termine
Liebe Leserinnen und Leser,
in einem Interview mit AGRA Europe setzt die Bundestierschutzbeauftragte Silvia Breher (CDU) auf den Dialog mit Tierhaltern und Tierschutzorganisationen am Runden Tisch. Eine Novellierung des Tierschutzgesetzes hält sie für notwendig, setzt dabei aber auf kleine Schritte. Das ist prinzipiell zu begrüßen, aber das ist uns zu wenig! Unsere Vorsitzende Christina Ledermann kommentiert: „Es scheint, als könnte diese Regierung Tierschutz nur, wenn er nichts kostet und keiner Lobby wehtut. Videoüberwachung auf Schlachthöfen – auf jeden Fall. Doch warum sind 94 Prozent aller Schlachtbetriebe von der Videoüberwachung ausgenommen? Tierhaltungskennzeichnung – ja, bitte! Allerdings wird eine wertfreie Kennzeichnung nicht zum Umbau der Tierhaltung führen. Die Verantwortung für diese Herkulesaufgabe darf die Bundesregierung nicht auf die Verbraucher abschieben. Sie steht in der Pflicht, tierquälerische Praktiken und Haltungssysteme zu verbieten und ein verlässliches Förderkonzept für den Stallumbau vorzulegen. Die Missstände sind lange bekannt. Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Dafür brauchen wir keine weiteren langen Verhandlungen an Runden Tischen! Was die Tiere brauchen, ist entschlossenes Handeln!“
Begrüßenswert: Online-Plattform zur Vermittlung von Labortieren
Beim 55. Seminar über Versuchstiere und Tierversuche am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurden alternative Wege im Umgang mit sogenannten Labortieren diskutiert. Besonders begrüßen wir die Ankündigung, eine bundesweite Online-Plattform zur Vermittlung von Labortieren aufzubauen. Menschen für Tierrechte setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass überzählige „Versuchstiere“ aus Laboren die Chance auf ein Leben außerhalb der Versuchseinrichtungen erhalten. Bereits 2020 waren wir an der Vermittlung der Laborratten des Hamburger Tierversuchslabor LPT beteiligt und haben uns intensiv bei der Erarbeitung „Handlungsempfehlung zur Vermeidung von Tieren, die nicht zu wissenschaftlichen Zwecken eingesetzt werden können“ (2025) im Tierschutzbeirat NRW eingebracht, in der auch das sogenannte Rehoming, also die Vermittlung an Privatpersonen, empfohlen wird. So begrüßenswert diese Plattform auch ist, sie darf nicht vom eigentlichen Problem ablenken. Wir müssen uns gemeinsam in naher Zukunft gegen das geplante Tierversuchsgesetz stellen. Denn dieses ist darauf ausgerichtet, den Schutzstatus der Tiere in den Laboren abzusenken! Eine Bundestags-Petition dazu ist angemeldet. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Flughafen Hahn: Tiertransporte für Versuchslabore
Der Flughafen Hahn steht wegen Tiertransporten für Versuchslabore in der Kritik. Während Reisende am Flughafen auf ihren Abflug warten und sich auf den Urlaub freuen, landen im Frachtbereich Maschinen mit einer ganz anderen Ladung: In Transportboxen befinden sich Hunde, Katzen, Kaninchen, Frettchen und Mäuse, die aus den USA nach Europa gebracht werden. Für viele von ihnen endet die Reise in europäischen Versuchslaboren. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums wurden seit 2021 mehrere tausend Tiere über den Hunsrück-Airport in die EU eingeführt. Aufmerksamkeit erregten mehrere Transporte von Beagles im Jahr 2025, die von SOKO Tierschutz aufgedeckt wurden. So landete im Oktober ein Frachtflugzeug mit 270 Beagles. Die Tiere wurden anschließend auf mehrere Länder verteilt, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien und Dänemark. Der Flughafen hält weiter am Transport lebender Tiere für grausame Experimente fest. Mit einer Mail-Aktion ruft SOKO Tierschutz dazu auf, sich sachlich und respektvoll an Fluggesellschaften zu wenden, die Einfluss auf den Hahn Airport haben könnten. Bitte machen Sie mit. Vielen Dank.
Richtiger Schritt: Frankreich setzt neue Ernährungsschwerpunkte
Die französische Regierung empfiehlt in ihrer Strategie für Ernährung und Klimaschutz, den Konsum von Fleisch und Wurst zu begrenzen und stärker auf pflanzliche Lebensmittel zu setzen. Hintergrund sind sowohl gesundheitliche Empfehlungen als auch Klimaschutzaspekte. Im EU-Vergleich gehört Frankreich zu den Ländern mit hohem Fleischkonsum. Wissenschaftliche und politische Akteure setzen zunehmend auf die pflanzenbasierte Planetary Health Diet. Diese wird auch von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) und dem Umweltbundesamt empfohlen. Zwei kürzlich veröffentlichte Studien kommen diesbezüglich zu einem übereinstimmenden Ergebnis: Eine fettarme vegane Ernährung reduziert die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen um mehr als die Hälfte und führt gleichzeitig zu Verbesserungen der Stoffwechselgesundheit. Alle weiteren Infos sowie die genannten Studien können Sie in unserem Grundsatzartikel nachlesen.
Petition: Stadttaubenmanagement statt pauschale Fütterungsverbote
In vielen deutschen Städten und Gemeinden ist das Füttern von Stadttauben pauschal verboten. Mangels Alternativen ernähren sich die Tauben von Essensresten und Müll. Dies führt zu Mangelernährung und Krankheiten. Tauben sind Körnerfresser und brauchen artgerechte Nahrung wie Saaten und Getreide – nicht Brot oder Abfälle.
Gleichzeitig zeigen zahlreiche Städte, dass eine tierschutzkonforme Bestandskontrolle mit betreuten Taubenhäusern und Ei-Austausch funktioniert. Unsere bundesweite Umfrage „Erfahrungen mit Stadttaubenprojekten nach dem Augsburger Modell und Praxisbeispiele“ bestätigte dies. Bitte unterstützen Sie die aktuelle Petition für die Einführung des Stadttaubenmanagements. Vielen Dank!
Tipps & Termine
- 23.-24. Mai: Tierrechtskongress Leipzig 2026
- 30. Mai: Preisverleihung Peter-Singer-Preis in Berlin
- 29. bis 31. Mai: Tierschutztagung in Hofgeismar: Sind wir noch zu retten? Die Krise des Mensch-Natur-Verhältnisses
- 6. bis 9. August: Animal Liberation Gathering in Appelscha (NL)
- Das Kuh-Experiment: Reportage in der ARD Mediathek
So unterstützen Sie die Arbeit von Menschen für Tierrechte:
Spendenkonto: Sparkasse Aachen
Bankleitzahl 390 500 00
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Alle Spenden sind steuerlich abzugsfähig
Impressum:
Menschen für Tierrechte e.V.
Severinusstr. 52
53909 Zülpich
Tel. 02252 – 830 12 10
E-Mail: info@tierrechte.de
www.tierrechte.de
www.transfarmation-deutschland.de
www.invitrojobs.de
www.stadttauben.de
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Menschen für Tierrechte e.V. setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Das langfristige Ziel ist eine grundsätzliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Dem Dachverband mit Hauptsitz in Zülpich (früher Aachen) sind Vereine sowie private Fördermitglieder angeschlossen. Seine Stärke liegt im Zusammenwirken von Seriosität, Fachwissen und Lobbyarbeit auf höchster politischer Ebene. Dazu verfolgt der Verband einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch und eine Agrarwende von der tierischen zur pflanzlichen Eiweißproduktion. Um Landwirt:innen Alternativen aufzeigen, wie sie auch ohne sogenannte Nutztiere erfolgreich und nachhaltig wirtschaften können, betreibt Menschen für Tierrechte das Projekt TransFARMation. Um tierversuchsfreie Methoden voranzubringen, veröffentlicht der Verband das „Versuchstier des Jahres“, betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung und setzt sich mit dem Projekt SATIS für eine humane Ausbildung ein. Weiterhin unterstützt der Verband das tierschutzkonforme Stadttaubenmanagement und gibt das Magazin tierrechte heraus. Neben einem Themenschwerpunkt informiert die Zeitschrift Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Behörden und Verbandsmitglieder über aktuelle Entwicklungen in der politischen Tierrechtsarbeit. Zudem erscheint zweimal monatlich der Tierrechte Newsletter. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist seit seiner Gründung als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.



