Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums wurden seit 2021 mehrere tausend Tiere über den Hunsrück-Airport in die Europäische Union eingeführt. Darunter befinden sich vor allem Hunde. Insgesamt sollen in den vergangenen Jahren mehr als 2400 Hunde sowie Katzen, Kaninchen, Frettchen und Mäuse über Hahn transportiert worden sein. Die meisten Tiere stammen aus den USA.
Besondere Aufmerksamkeit erregten mehrere Transporte von Beagle-Hunden im Jahr 2025, die von SOKO Tierschutz aufgedeckt wurden. So landete Anfang Oktober ein Frachtflugzeug mit 270 Beagles am Hahn Airport. Bereits im Sommer waren über dieselbe Route mehr als 230 Hunde und Katzen eingeflogen worden. Die Tiere wurden anschließend auf mehrere europäische Länder verteilt, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien und Dänemark.
Viele offene Fragen
Kritik gibt es auch wegen der mangelnden Transparenz. Weder Namen der beteiligten Unternehmen noch konkrete Empfänger der Tiere werden veröffentlicht. Behörden verweisen auf gesetzliche Vorgaben sowie den Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen.
Auch die Transportwege lassen sich nur schwer nachvollziehen. Teilweise sollen Flugzeuge ohne eindeutige Kennzeichnung unterwegs gewesen sein. Informationen zu Zwischenstopps oder zur Versorgung der Tiere während der langen Reisen bleiben weitgehend unbekannt.
Dabei dauern manche Transporte offenbar deutlich länger als zwölf Stunden. Einschließlich Weitertransporten innerhalb Europas könnten einzelne Tiere mehr als zwei Tage unterwegs sein. Die zuständigen Behörden betonen hingegen, dass die Transporte legal seien und veterinärmedizinisch kontrolliert würden. Gesundheitszeugnisse sowie EU-Vorgaben würden eingehalten.
Tierschützer schlagen Alarm
Tierschutzorganisationen kritisieren die Tiertransporte für Versuchslabore seit Jahren scharf. Die langen Reisen bedeuten erheblichen Stress für die Tiere. Besonders betroffen sind dabei häufig Hunde, die regelmäßig über internationale Transporte nach Europa gebracht werden. Beagles gelten wegen ihres ruhigen Wesens als eine der am häufigsten verwendeten Hunderassen in der Forschung. Sie kommen unter anderem in der Arzneimittelentwicklung und bei medizinischen Studien zum Einsatz.
Ausweg: Tierfreie Verfahren
In der EU wurden im Jahr 2022 (neuere Daten liegen noch nicht vor) noch immer 14.368 Hunde im Tierversuch eingesetzt. Etwa die Hälfte musste in gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuchen leiden und sterben. Dabei steht die Übertragbarkeit von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen – vor allem wegen der Artunterschiede – in der Kritik. Glücklicherweise findet hier endlich ein Umdenken weg vom Tierversuch hin zu tierversuchsfreien Methoden statt. Um das Leid der Tiere zu beenden, setzt sich Menschen für Tierrechte u.a. für tierversuchsfreie Teststrategien in der Chemikalientestung und der Arzneimittelentwicklung ein.
Protest gegen Versuchstier-Transporte
Mit einer Mail-Aktion ruft SOKO Tierschutz Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich sachlich und respektvoll an Fluggesellschaften zu wenden, die Einfluss auf den Hahn Airport haben könnten. Die Teilnahme dauert nur wenige Sekunden. Zur Briefkampagne: www.soko-tierschutz.org/briefkampagne-hahn
