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Zum Welt-Parkinson-Tag am 11.4.2026: Mit Patientenstammzellen zu wirksamen Therapien

Die Parkinson-Erkrankung (Schüttellähmung) ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Allein in Deutschland betrifft sie 250.000 bis 280.000 Menschen. Durch absterbende Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren, kommt es zu den typischen motorischen Problemen wie Muskelzittern, Verlangsamung der Bewegungen, Muskelsteifheit oder starre Mimik. Behandlungsgoldstandard ist noch immer Levodopa, ein Arzneimittel aus den 1970er Jahren. Doch die Behandlung lindert lediglich die Symptome. Trotz intensiver und überwiegend tierexperimenteller Forschung wurden in den letzten Jahrzehnten keine wesentlichen Verbesserungen der Therapie erreicht. Ein Wissenschaftsteam aus München und Göttingen hat in einem In-vitro-Modell aus Patientenzellen einen neuen Ansatz zur Erforschung einer Behandlung der Parkinson-Erkrankung gefunden. Menschen für Tierrechte begrüßt die Erforschung tierversuchsfreier Methoden außerordentlich.

Der Prozess des langsamen Absterbens von Nervenzellen wird als „Neurodegeneration“ bezeichnet – die Parkinson-Krankheit ist also eine „neurodegenerative“ Erkrankung. Eine andere neurodegenerative Erkrankung ist die Alzheimer-Demenz. Noch immer setzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Tierversuche bei der Erforschung derartiger Erkrankungen. So wurden im Jahr 2025 in 55 Anträgen knapp 175.000 Mäuse, mehr als 3.200 Ratten, 36 Spitzmäuse, über 6.500 Fische und 22 Rhesusaffen für Versuche genehmigt, die Erkenntnisse über Parkinson hervorbringen sollen.

Tiermodelle können Parkinson nicht simulieren
Die meisten Untersuchungen sind der Grundlagenforschung und der translationalen bzw. angewandten Forschung zugeordnet. Um die Symptome der menschlichen Erkrankung zu simulieren, werden die Tiere gentechnisch verändert oder mit einem Nervengift geschädigt. Jedoch kann kein sogenanntes Tiermodell die menschliche Parkinson-Krankheit tatsächlich simulieren, wie immer mehr Forscher:innen bestätigen. (1) Wegen dieser großen Schwächen werden dringend bessere und humanrelevante Modelle benötigt, um die Erkrankung zu verstehen und Therapien entwickeln zu können.

Mit Patientenmodellen zu effektiven Therapieansätzen
Der Botenstoff Dopamin ist unter anderem für Bewegungsabläufe zuständig. Bekannt war bereits, dass die Oxidation von Dopamin ein wichtiger Treiber des Krankheitsbildes ist. Die Mechanismen, die diesem neurotoxischen Prozess zugrunde liegen, waren jedoch unklar.
Aufmerksamkeit verdient daher ein Ansatz der Wissenschaftler:innen von der Ludwigs-Maximilians-Universität München und der Universität Göttingen. Hier hat ein Team mit einem In-vitro-Modell auf Basis von Stammzellen von Parkinsonpatient:innen herausgefunden, dass durch die Fehlfunktion des Membran-Proteins VMAT2 der Botenstoff Dopamin nicht mehr richtig verpackt werden kann, um zu den Synapsen transportiert zu werden. Eine Rolle spielt auch fehlende Energie in den Zellen in Form von Adenosintriphosphat (ATP). Das Dopamin oxidiert dann zu einer giftigen Variante und bindet weitere Proteine zu den gefürchteten α-Synuclein-Ablagerungen. In ihrem Modell konnte das Wissenschaftsteam belegen, dass eine einfache ATP-Gabe die Verpackung von Dopamin fördert und die Schäden stoppt. Dies könnte einen vielversprechenden Ansatz für eine therapeutische Strategie gegen Parkinson darstellen. (2)

Nötig: Humanrelevante, tierversuchsfreie Forschung
„Parkinson ist eine humanspezifische Erkrankung und komplex. Es liegt nahe, zur Erforschung geeigneter Therapien neue Verfahren wie beispielsweise auf Patientenzellen basierende Modelle zu nutzen, um an geeigneten Therapien zu forschen“, plädiert Dr. Christiane Hohensee, wissenschaftliche Referentin bei Menschen für Tierrechte. „Aber auch Computermodellierungen sowie Genom-, Proteom- und Metabolomanalysen im Hochdurchsatzverfahren sind für das Verständnis biologischer Abläufe in den Zellen und Geweben hilfreich“.

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich seit seiner Gründung 1982 auf rechtlicher, politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung elementarer Tierrechte ein und kämpft gegen jeglichen Missbrauch von Tieren. Dazu verfolgt der Verein u.a. einen Masterplan zum Ausstieg aus dem Tierversuch. Um tierversuchsfreie Methoden voranzubringen, veröffentlicht Menschen für Tierrechte das „Versuchstier des Jahres“ und betreibt die Wissenschaftsplattform InVitro+Jobs für eine konsequente Förderung der tierversuchsfreien Forschung.

Quellen

(1) Burbulla LF, Song P, Mazzulli JR, Zampese E, Wong YC, Jeon S, Santos DP, Blanz J, Obermaier CD, Strojny C, Savas JN, Kiskinis E, Zhuang X, Krüger R, Surmeier DJ, Krainc D. (2017). Dopamine oxidation mediates mitochondrial and lysosomal dysfunction in Parkinson’s disease. Science. 2017 Sep 22;357(6357):1255-1261. doi: 10.1126/science.aam9080. Epub 2017 Sep 7. PMID: 28882997; PMCID: PMC6021018.

(2) Heger LM, Gubinelli F, Huber AJ, Cardona-Alberich A, Rovere M, Matti U, Müller SA, Nagaraja SR, Jaschkowitz L, Schifferer M, Wurst W, Lichtenthaler SF, Behrends C, Sambandan S, Burbulla LF. (2026). VMAT2 dysfunction impairs vesicular dopamine uptake, driving its oxidation and α-synuclein pathology in DJ-1-linked Parkinson’s neurons. Sci Adv. 2026 Feb 13;12(7):eadz5645. doi: 10.1126/sciadv.adz5645. Epub 2026 Feb 11. PMID: 41671379; PMCID: PMC12893317.