Startseite » Kommentar Ostern: Ein Fest voller Widersprüche
Agrar- und Ernährungswende Allgemein

Kommentar Ostern: Ein Fest voller Widersprüche

Das Osterfest naht. Wie jedes Jahr lächeln uns wochenlang vor den Feiertagen massenweise Schokoladenprodukte in niedlichen Hasen- Küken- und Lämmerformen aus den Regalen der Supermärkte entgegen. Mit Bildern von fröhlich umherspringenden Lämmern, Osterhasen mit Körben voller bunter Eier und glücklich pickenden Hühnern sind wir aufgewachsen. Alles scheint ein friedliches Fest des Lebens zu sein – und doch ist Ostern für die meisten Tiere das genaue Gegenteil. Denn gerade zu Ostern steigt bei vielen Verbrauchern der Konsum von Eiern sowie Kaninchen- und Lammfleisch rapide an. Für die Tiere bedeutet das: Endstation Schlachter.

von Steffanie Richter

Kaum ein anderes Fest ist so von Widersprüchen geprägt wie Ostern. Wir umgeben uns mit Bildern glücklicher Tierkinder, während für das Osterfest die traditionellen „Osterlämmer“, Küken und Hasen leiden und sterben.

Osterlämmer – Endstation Schlachter
In Deutschland werden jedes Jahr rund 850.000 bis 900.000 Schafe und Lämmer getötet – viele von ihnen im Säuglingsalter, da zu Ostern die Nachfrage nach Lammfleisch sprunghaft ansteigt. Die meisten Osterlämmer werden zwischen November und Dezember geboren und dann ein bis zwei Wochen vor Ostern geschlachtet. Zur Wahrheit gehört, dass die wenigsten der bewegungsfreudigen Lämmer eine Weide zum Herumtollen kennengelernt haben, denn sie werden im Stall gemästet. Die letzten Stunden ihres Lebens verbringen sie getrennt von ihrer Herde auf dem Weg zum Schlachthaus.Zusätzlich werden zehntausende Tonnen Fleisch aus dem Ausland importiert, um die hohe Nachfrage zu befriedigen.

Das Osterei: Die Idylle trügt 
Die „Ostereier“, Sinnbild von Neubeginn und Fruchtbarkeit, stehen für ein bleibendes Tierschutzproblem. Obwohl das Töten männlicher Küken in Deutschland seit 2022 verboten ist, werden männliche Embryonen im Ei aussortiert oder Küken in anderen Ländern getötet – ein System, das wirtschaftliche Effizienz über Mitgefühl stellt. Die Hennen, die diese Eier legen, verbringen ihr kurzes Leben meist in riesigen Hallen, ohne Tageslicht und ohne die Möglichkeit, natürliche Verhaltensweisen auszuleben.

Der Osterhase legt kein Osterei
Auch ein weiteres Symboltier des Festes, der Hase, bleibt nicht verschont. Millionen Kaninchen werden hierzulande jährlich für den Verzehr getötet, oft nach wenigen Lebensmonaten in Massenhaltung. Ihre Realität steht in scharfem Kontrast zur fröhlichen Werbefigur des „Osterhasen“, der Kinder beschenkt und Glück verteilt.

Scheinidylle, Inszenierung und Lügenmärchen
Ostern zeigt wie unter einem Vergrößerungsglas, wie weit Wunschbild und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Menschen sehnen sich nach Idylle, erfreuen sich an friedlichen Bildern tierlicher Unschuld und verdrängen gleichzeitig, dass genau diese Tiere zum Festtag ihr Leben lassen müssen. Während die Regale der Supermärkte mit Schoko-Hasen und Eierdeko überquellen, blenden wir die Realität aus. Wir erzählen unseren Kindern Lügenmärchen. So zeigen beispielsweise viele Zoos zu Ostern frisch geschlüpfte „flauschige“ Küken und „niedliche“ Lämmer in speziellen Ostergehegen als lebendes Highlight. Dass die „Osterküken“ meist in Brutkästen ausgebrütet werden und keine Hennen sie nach dem Schlupf schützend umgeben, wird gleichwohl verschwiegen. Und dass die Küken nach der kurzfristigen Osterattraktion an Zootiere verfüttert werden, sagt den Kindern natürlich auch niemand.

Am Fest des Lebens leben lassen
Daher appellieren wir an Sie: Verzichten Sie auf Lammfleisch und meiden Sie Hühnereier – und dies nicht nur an Ostern. Es gibt mittlerweile so viele leckere pflanzliche Alternativen, dass ein Leben ohne Hühnerei & Schnitzel ohne Einschränkungen möglich ist. Entscheiden Sie mit über den Wert, den Mitgefühl in unserer Gesellschaft haben soll und geben Sie pflanzlichen Alternativen den Vorzug.