Am 25. März steht Bundesumweltminister Carsten Schneider vor einer zentralen Weichenstellung: Er muss das neue Klimaschutzprogramm vorlegen, um Deutschland wieder auf Klimakurs zu bringen. Doch während die Landwirtschaft in der Debatte oft als Randthema behandelt wird, zeigt eine aktuell veröffentlichte Studie der Denkfabrik Agora Agrar: Das gesamte Ernährungssystem – von der Düngemittelproduktion bis zum Kochtopf – verursacht gewaltige Klimaschäden, davon entfallen allein 70 Prozent auf den Konsum tierischer Produkte. Die größten Potenziale zur Reduktion sind laut der Studie eine stärker pflanzenbetonte Ernährung, die Wiedervernässung von landwirtschaftlich genutzten Mooren und die Nutzung von erneuerbaren Energien. Menschen für Tierrechte fordert die Bundesregierung auf, im anstehenden Klimaschutzprogramm endlich konkrete Maßnahmen für eine klimafreundlichere Ernährung zu verankern.
Im Vorfeld zur Abgabe des Klimaschutzprogramm macht die am 17. März 2026 von der Denkfabrik Agora Agrar veröffentlichte Studie „Klimawirksamkeit der Ernährung in Deutschland“ klar: Wenn wir über Klimaschutz sprechen, darf unsere Ernährung nicht außen vor bleiben. Die Analyse offenbart anschauliche Daten: Jährlich fallen durch den Lebensmittelkonsum in Deutschland rund 235 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente an – fast ein Viertel aller konsumbedingten Emissionen.
Klimatreiber: Milch- und Fleischprodukte
Etwa 70 Prozent dieser Emissionen entfallen auf Milch- und Fleischerzeugnisse. Die größten Potenziale zur Reduktion liegen laut Agora Agrar in der vollständigen Umstellung auf erneuerbare Energien entlang der gesamten Wertschöpfungskette, einer stärker pflanzlich basierten Ernährung und der Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moore. Eine solche Ernährungsumstellung fördert nicht nur das Klima, sondern auch Gesundheit, Ernährungssicherheit und Biodiversität.
Emissionen in der Landwirtschaft sinken zu langsam
In den vergangenen Jahren sind die Emissionen der Sektoren Energie und Industrie deutlich schneller gesunken als die aus der Landwirtschaft. Setze sich dieser Trend fort, so Agora Agrar, werde der landwirtschaftliche Ausstoß bis 2045 den größten Teil der verbleibenden Emissionen ausmachen. Der hohe Anteil des Konsums tierischer Produkte an den Emissionen erklärt sich durch die hohen Umwandlungsverluste, die durch den Stoffwechsel der Tiere entstehen. Hinzu kommen Futtermittelproduktion und die Verdauung von Wiederkäuern. Dabei entstehe Methan, das eine rund 30-mal stärkere Klimawirkung habe als CO2. Für das Erreichen der Klimaneutralität 2045 müssten diese Emissionen kompensiert werden. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.
Nötig: ambitionierte Ernährungspolitik und Klimapolitik für die Landwirtschaft
Zentrale Hebel seien deswegen eine ambitionierte Ernährungspolitik, die faire Ernährungsumgebungen gezielt gestaltet und so gesunde und nachhaltige Lebensmittel verfügbar, bezahlbar und attraktiv mache. Außerdem brauche es eine Klimapolitik für die Landwirtschaft, die ambitionierte Ziele für die Jahre 2040 und 2045 festlegt und Anreize für eine klimaeffiziente Landwirtschaft schaffe. Weitere Maßnahmen sind die Wiedervernässung von Mooren und der weitere Ausbau erneuerbarer Energien.
Politik muss Lenkungsinstrumente schaffen
„Die Politik darf die Chance nicht verpassen, tierische Produkte gezielt zu reduzieren“, betont Christina Ledermann, Vorsitzende von Menschen für Tierrechte. Menschen für Tierrechte fordert Bundesminister Schneider und Landwirtschaftsminister Rainer auf, im anstehenden Klimaschutzprogramm konkrete Maßnahmen für eine klimafreundlichere Ernährung zu verankern – etwa durch die Abschaffung der Mehrwertsteuer für pflanzliche Nahrungsmittel, den Ausbau pflanzlicher Eiweißträger, eine Reduzierung der Tierbestände und Prämien für Landwirt:innen, die auf eine pflanzliche Produktion umstellen.
Studie als Weckruf: Ernährung ist Klimaschutz
Ob Tierseuchen, Tierleid, Klimakrise oder Artensterben – das Szenario multipler Krisen zeigt so deutlich wie nie, wie dringlich der grundlegende Systemwechsel unseres Landwirtschafts- und Ernährungssystems ist. Es ist an der Zeit, dass die Politik die Zeichen der Zeit erkennt und die Planetary Health Diet – also eine überwiegend pflanzliche Ernährung – als Lösung für die vielfältigen Probleme gezielt fördert. Am 25. März muss Carsten Schneider beweisen, dass er den Klimaschutz ernst nimmt – auch auf dem Teller.
Die Studie „Klimawirksamkeit der Ernährung in Deutschland“ (74 Seiten, kostenlos unter www.agora-agrar.de) liefert nicht nur Zahlen, sondern auch politische Handlungsempfehlungen. Sie zeigt: Was wir essen, hat immensen Einfluss auf unsere CO₂-Bilanz. Jetzt ist die Politik am Zug, diese Erkenntnisse in das Klimaschutzprogramm einfließen zu lassen – und damit einen echten Beitrag zur Erreichung der Klimaziele zu leisten.
Mit seinem Projekt TransFARMation unterstützt der Bundesverband Menschen für Tierrechte Landwirt:innen bei der Umstellung ihrer Betriebe auf eine pflanzenbasierte und zeigt praktische Alternativen auf, wie diese auch ohne die Haltung sogenannter Nutztiere erfolgreich und nachhaltig wirtschaften können. Mehr dazu unter: www.transfarmation-deutschland.de
