Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat am 10. Februar 2026 eine Neustrukturierung bekannt gegeben. Leider ist dies eine schlechte Nachricht für die Tiere. Denn im Zuge dieser Neuordnung soll das eigens dem Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung gewidmete Referat komplett gestrichen werden. In dieser neuen Prioritätensetzung wird deutlich, was sich schon seit dem Amtsantritt von Landwirtschaftsminister Rainer angekündigt hatte: Er wickelt die Tierschutz-Fortschritte der Vorgängerregierungen ab – auf dem Rücken der Tiere.
Expert:innen sind sich einig: Um das millionenfache Tierleid in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu reduzieren, müssen sich die Haltungsbedingungen verbessern, d.h. weniger Tiere, mehr Platz, mehr Zugang zum Freiland und das Verbot von Qualzuchten. Doch genau diesen Weg will Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) verlassen. Im September 2025 kündigte er das Ende der staatlichen Förderung für den Umbau der Tierhaltung an.
Streichung konterkariert Koalitionsvertrag
Die Streichung des zuständigen Referates macht deutlich, dass Alois Rainer nicht mehr vorhat, die Haltungsbedingungen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu verbessern. Dabei versprechen CDU und SPD im aktuellen Koalitionsvertrag: „Wir stellen die notwendigen Mittel für den tierwohlgerechten Stallbau auf Grundlage staatlicher Verträge dauerhaft bereit.“ Doch statt den Tierschutz als elementaren Bestandteil einer zukunftsfähigen Landwirtschaft zu verankern, setzt Rainer auf Export und die „Verstärkung der Wettbewerbsfähigkeit“. Beides lässt nichts Gutes für die Tiere erahnen.
Rainer ignoriert Empfehlungen der eigenen Berater
Damit konterkariert er nicht nur den Koalitionsvertrag, er ignoriert auch die Beschlüsse der Zukunftskommission Landwirtschaft und des „Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung“. Beide von der Bundesregierung eingesetzte Gremien hatten empfohlen, die Förderung von tiergerechteren Ställen massiv auszubauen und den Konsum und die Produktion tierischer Lebensmittel zu reduzieren. Die Refinanzierung der Stallförderung sollte über eine mengenbezogene Abgabe auf tierische Produkte erfolgen (die sogenannte Fleischsteuer oder Tierwohlabgabe). Doch Rainer stemmt sich auch gegen eine alternative Finanzierung des Stallumbaus.
Mehrheit für bessere Haltungsbedingungen
Hinzu kommt, dass der Landwirtschaftsminister auch den Willen der Mehrheit der Bürger:innen ignoriert. Denn ein Großteil der Deutschen befürwortet einer Umfrage von Mai 2025 zufolge eine Abgabe auf Fleisch, wenn die Mehreinnahmen dazu verwendet werden, die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern. Eine höhere Mehrwertsteuer auf tierische Produkte wäre also nicht nur ein wirksames Lenkungsinstrument für eine gesündere Ernährung, sie könnte auch dazu beitragen, die wahren Kosten von tierischen Produkten besser abzubilden und die Finanzierungslücke für den Umbau der Ställe zu schließen.
Industrielle Tierhaltung muss auslaufen
Dabei steht schon lange fest: Die industrielle Tierhaltung ist nicht nur ethisch inakzeptabel. Neben den schädlichen Klimaveränderungen – der Weltklimarat beziffert den Anteil des Ernährungssystems an den insgesamt von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf bis zu 37 Prozent – verbraucht sie auch unverhältnismäßig viel Fläche, zerstört Biodiversität und belastet Böden, Wasser und Luft. Diesen Raubbau können wir uns vor dem Hintergrund eines überlasteten Planeten schlicht nicht mehr leisten. Das Gegenteil wäre nötig: Um das gesetzlich vorgegebene Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, muss Deutschland die Zahl der Tiere in der Landwirtschaft mindestens halbieren. Doch was macht Minister Rainer? Er leugnet einfach den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Klimakrise.
Jeden konstruktiven Ansatz nutzen
Doch das Anprangern dieser ideologiegeleiteten Politik hilft nicht. Mehr denn je ist jetzt eine geeinte Tierschutz- und Tierrechtsbewegung gefragt – und Konsument:innen, die pflanzlichen Lebensmitteln den Vorzug geben. Wir werden uns weiter gegen Rückschritte beim Tierschutz und für eine zukunftsfähige Agrar- und Ernährungspolitik einsetzen.
