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Tierhaltungskennzeichnung: Verschieben bis zum „Sankt-Nimmerleins-Tag“?

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) und die Landwirtschaftsminister:innen der Länder wollen die Tierhaltungskennzeichnung weiter verschieben. Außerdem gibt es Pläne, die Kennzeichnung aufzuweichen. Doch ohne die Kennzeichnung gibt es keine Chance auf Verbesserungen für Millionen von Tieren.

Seit über zwanzig Jahren diskutiert die Politik eine staatliche Tierhaltungskennzeichnung. Unter der Ampelregierung wurde das Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (THKG) endlich beschlossen. Danach sollte verpflichtende staatliche Kennzeichnung von „frischem“ Schweinefleisch eigentlich im August 2025 starten. Doch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) verschob den Start der Kennzeichnung auf März 2026. Auf der Agrarministerkonferenz (AMK) Ende September 2025 in Heidelberg konnten sich die Landwirtschaftsminister:innen der Bundesländer jeoch nicht auf eine gemeinsame Haltung zum Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (THKG) einigen. Bund und Länder kamen zwar überein, dass es eine staatliche Tierhaltungskennzeichnung grundsätzlich geben soll.  Union, SPD und FDP forderten, das Inkrafttreten jedoch noch weiter zu verschieben.

Tierschutz fordert Weiterentwicklung der Kennzeichnung
Verbände aus Landwirtschaft sowie dem Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz setzen sich indes dafür ein, dass das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG) wie geplant Anfang 2026 in Kraft tritt. Ein schneller Ausbau der Tierhaltungskennzeichnung sei für die Tiere, die Verbraucher:inner, aber auch für die Landwirt:innen unverzichtbar. In einem gemeinsamen Positionspapier forderten sie die Weiterentwicklung“ der staatlichen Kennzeichnung. Danach müsse die Kennzeichnung auf alle sogenannten Nutztierarten, alle Produktgruppen und den gesamten Lebenszyklus der Tiere ausgeweitet werden. Sie müsse zudem staatlich verpflichtend sein. Einer freiwilligen Kennzeichnung und einer privatwirtschaftlichen Organisation erteilen die Verbände eine klare Absage. Die Erfahrung mit freiwilligen Labeln zeige, dass dann nur die Premium-Stufen ausgezeichnet würden.

Umbau der Tierhaltung: Haltungskennzeichnung ist Fundament
Ohne Schönfärberei müsse für alle Menschen auf den ersten Blick auf Produkt, Speisekarte oder Werbung erkennbar sein, ob das Fleisch aus konventioneller oder einer besseren Haltungsform stamme. Das heißt, dass auch verarbeitete Produkte und Speisen in der Gastronomie und Außer-Haus-Verpflegung klar gekennzeichnet werden müssen. Außerdem soll die Kennzeichnung auf weitere tierische Lebensmittel ausgeweitet werden und auch importierte Produkte umfassen. Eine verpflichtende, staatliche Haltungskennzeichnung ist zudem unverzichtbar für die Entwicklung einer besseren Tierhaltung, denn sie ist das Fundament für den Umbau. An ihr lassen sich Förderprogramme, Privilegierungen und Ausnahmen im Bau- und/oder Emissionsrecht anknüpfen.
Menschen für Tierrechte setzt sich zwar für eine komplette Agrar- und Ernährungswende hin zu pflanzlichen Eiweißträgern ein. Die Kennzeichnung und der Umbau der Ställe würde das tägliche Leid für Millionen Tieren jedoch erträglicher machen und zum Abbau der Tierbestände beitragen.