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24.09.25: Recherche belegt massives Tierleid für Antikörperproduktion

Menschen für Tierrechte sieht Abnehmer – wie Siemens – in der Pflicht, auf tierfrei-produzierte Antikörper umzustellen

Am 23.09.25 veröffentlichte der Verein SOKO Tierschutz schockierende Aufnahmen einer Kaninchenhaltung auf einem Bauernhof bei Augsburg. Konkret werden auf dem Asamhof in Kissing 3.000 bis 4.000 Kaninchen in kleinen Käfigen gehalten, um an ihnen Tierversuche für die Produktion von Antikörperproduktion durchzuführen. Über das Leid bei dieser tödlichen Prozedur hinaus, dokumentierte der Ermittler mehrere Fälle von Tierquälerei. Menschen für Tierrechte sieht Abnehmer – wie Siemens – in der Pflicht, auf tierfrei-produzierte Antikörper umzustellen. Dazu ist der Konzern nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich verpflichtet.

Die Aufnahmen, die der verdeckte Ermittler in drei Monaten auf dem vermeintlich idyllischen Hof machte und die kürzlich in der Sendung Fakt ausgeschrahlt wurden, schockieren die Öffentlichkeit. Denn hier werden nicht nur Bioerdbeeren und Tofu produziert, sondern auch anzeigepflichtige Tierversuche an Kaninchen zur Herstellung polyklonaler Antikörper.

Tödliche und leidvolle Prozedur
Dazu werden die Kaninchen in kleinen Kästen fixiert und ihnen wird mehrfach eine Substanz injiziert, gegen das Antikörper gebildet werden sollen. In den folgenden Wochen wird den Tieren mehrfach Blut abgenommen. Am Ende werden die Kaninchen für eine maximale Ausbeute an Antikörpern narkotisiert und getötet. Über das Leid bei dieser tödlichen Prozedur hinaus dokumentierte der Ermittler mehrere Fälle von Tierquälerei, bei denen Kaninchen an den Ohren hochgehoben, geworfen und kranke Tiere medizinisch nicht versorgt wurden. Obwohl längst tierfreie Verfahren existieren, werden polyklonale Antikörper immer noch auf diese Weise in Kaninchen hergestellt. Allein im Jahr 2023 wurden dafür in Deutschland 32.970 Tiere eingesetzt.

Antikörper aus fragwürdigen Quellen
Die Kunden, die der Hof beliefert, sind prominent: Nach Angaben des Ermittlers gehören unter anderem die Firmen Neovii und Siemens zum Kundenstamm. Siemens nutzt die Antikörper für diagnostische Labortests. Dass Siemens Antikörper aus fragwürdigen Quellen bezieht, zeigte sich schon im Jahr 2022. Damals hatte das ehemalige Deutsche Tierschutzbüro aufdeckt, dass Siemens mit einem baden-württembergischen Betrieb zusammenarbeitete, in dem ebenfalls tierquälerische Haltungs- und Produktionsbedingungen herrschten.

Längst verfügbar: Tierversuchsfreie Methoden
Dabei exsitieren längst tierfreie Verfahren: Eine bewährte und anerkannte tierfreie Methode ist das sogenannte Phage-Display-Verfahren. Dieses nutzt menschliches Blut und Viren zur Antikörperproduktion. Die Methode ermöglicht grundsätzlich die Einsparung aller bisheriger Tierversuche in diesem Bereich. Sowohl Pharmaindustrie als auch akademische Forschung brauchen keine Qualitätsverluste zu befürchten – im Gegenteil. Das tierfreie Verfahren liefert sogar bessere Ergebnisse, weil sich die Antikörper einfacher reproduzieren lassen und eine geringere Immunogenität aufweisen.

Siemens ist moralisch und rechtlich in der Pflicht
Dass es anders geht, zeigen die Firmen Abcalis aus Braunschweig oder Phaeosynt aus Hannover, die beide tierfreie Verfahren zur Antikörperproduktion nutzen. Da mit dem Phagen-Display eine Alternative vorhanden ist, dürften die Versuche am Kaninchen rein rechtlich gar nicht mehr durchgeführt werden. Denn nach der EU-Tierversuchsrichtlinie und dem Tierschutzgesetz dürfen Tierversuche nur dann stattfinden, wenn keine tierfreien Verfahren verfügbar sind. Siemens und Co, die noch immer Antikörpern aus Kaninchenblut beziehen, sind danach verpflichtet, auf tierfrei-produzierte Antikörper umzustellen. Dafür wird sich Menschen für Tierrechte einsetzen.