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08.07.2025 Vorbildlich: Die Niederlande setzen auf tierfreie Verfahren statt Affenversuche

Das niederländische Parlament hat Anfang Juli einen Änderungsantrag angenommen, der in den nächsten fünf Jahren die Finanzierung eines der größten Primatenforschungszentren Europas in seiner jetzigen Form auslaufen lässt. Stattdessen soll die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden beschleunigt und die Tests an Affen perspektivisch auslaufen.

Das Biomedizinische Primatenforschungszentrum (BPRC) mit Sitz in Rijswijk in den Niederlanden ist eines der größten Primatenzentren Europas. Hier werden Rhesusaffen und Javaner gezüchtet und in Versuchen eingesetzt. Jährlich erhält es vom Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft 12,5 Millionen Euro. Die Parlamentsentscheidung beendet nicht vollständig mit Arbeit mit Primaten. Das BPRC wird weiter in der Höhe gefördert, von diesem Etat soll jedoch jedes Jahr eine immer größere Summe in tierversuchsfreie Verfahren, sogenannte NAMs (New Approach Methodologies) fließen. In fünf Jahren soll dann das gesamte Budget die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden voranbringen. Die National Institutes of Health in den USA gehen da noch weiter und verbieten grundsätzlich die Finanzierung von Studien, die ausschließlich Tierversuche enthalten.

Deutschland sollte dem guten Vorbild der Niederländer folgen
„Die Parlamentsentscheidung setzt ein wichtiges Signal, denn die Reduktion der Gelder für Affenversuche erhöht den Druck auf das Primatenzentrum, sich noch stärker als bislang für die Entwicklung tierfreier Verfahren einzusetzen und dies nicht anderen Forschergruppen zu überlassen. Um die dringend notwendige Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren auch in Deutschland zu fördern, sollte die Bundesregierung dem guten Vorbild der Niederländer folgen. Nicht nur aus ethischen Gründen, sondern auch, weil tierversuchsfreie Verfahren in den meisten Fällen zuverlässiger und kostengünstiger sind“, sagt Dr. Christiane Hohensee, Fachreferentin bei Menschen für Tierrechte e.V. und Leiterin des Portals Invitro+Jobs.

Finanzierungs-Missverhältnis abbauen
Bisher ist in Deutschland nicht einmal transparent, wieviel Forschungsförderung aus Steuergeldern in Tierversuche fließt. Schätzungen zufolge liegt das Finanzierungs-Missverhältnis von tierversuchsfreien Methoden zu Tierversuchen derzeit etwa bei 1:125 bis 1:200. Dies muss sich radikal ändern, fordert Menschen für Tierrechte.

Neue Verfahren werden in allen Abteilungen unterstützt
Das BPRC wird gefördert, um Forschung zu den Themen Neurodegenerative Erkrankungen/Alterung, langfristige Folgen von Covid 19 oder Infektionskrankheiten durchzuführen. Auf ihrer Website räumt das BPRC ein, dass seine Forschung ohne Tiere viel billiger, schneller, einfacher und flexibler wäre, wenn es ausreichend Alternativen gäbe. Deshalb investiert das BPRC auch in die Suche nach Forschungsmöglichkeiten ohne Tiere. Dafür wurde im Hause eine spezifische Forschungsgruppe eingesetzt. Außerdem wird der Einsatz von tierfreien Verfahren in allen einzelnen Forschungsabteilungen unterstützt.

Wirtschaft braucht tierfreie Verfahren
Die internationale Forschung und Entwicklung braucht tierversuchsfreie Verfahren mehr denn je. Sie liefern häufig schnellere, bessere und zielgerichtete Ergebnisse und sind mittel- bis langfristig kostengünstiger. Damit Deutschland den Anschluss an diese wichtigen Technologien nicht verpasst, müssen entsprechende Rahmenbedingungen von Seiten des Gesetzgebers geschaffen werden. Tierversuche zu reduzieren und tierversuchsfreie Verfahren zu fördern sind für den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt in Deutschland absolut unabdingbar.

Hintergrund: Affenversuche in den Niederlanden
In den Niederlanden wurden im Jahr 2022 laut EU-Datenbank ALURES 91 Primaten in 177 Tierversuchen eingesetzt, davon 75 Prozent Rhesusaffen und 20 Prozent Javaneraffen. Die meisten Tiere wurden in der translationalen/angewandten Forschung eingesetzt vor allem zur Forschung an menschlichen Infektionskrankheiten. Im Vergleich dazu waren es in Deutschland 1.970 Primaten, 87 Prozent davon Javaner. 90 Prozent aller Anwendungen erfolgten aufgrund von gesetzlich vorgeschriebenen Toxizitätstests.

Quellen

  1. https://www.animalrights.nl/breaking-tweede-kamer-geeft-geen-geld-meer-aan-apentesten
  2. https://www.rijksoverheid.nl/onderwerpen/dierproeven/documenten/kamerstukken/2025/04/11/reactie-op-het-onderzoek-naar-de-mogelijkheid-tot-verlaging-van-het-aantal-proeven-met-niet-humane-primaten
  3. https://www.peta.de/neuigkeiten/niederlande-tierversuche/
  4. https://webgate.ec.europa.eu/envdataportal/content/alures/section1_number-of-animals.html