Tierversuche Versuchstier des Jahres

Versuchstier des Jahres 2021: Das Kaninchen

Seit 2003 ernennt der Bundesverband Menschen für Tierrechte das „Versuchstier des Jahres“. Damit sollen Tierversuche an einer bestimmten Tierart öffentlich gemacht werden. Wir zeigen auf, welche Leiden den Tieren im Labor zugefügt werden und erörtern, welche tierleidfreien Möglichkeiten bereits existieren. Das Jahr 2021 ist dem Kaninchen, besonders in der in der Pyrogentestung gewidmet.

Kaninchen in Gruppenhaltung im Drahtkäfig. Unter Laborbedingungen ist auch die dauerhafte Einzelhaltung möglich. Foto: AdobeStock/Alberto

Jedes Jahr leiden und sterben in Deutschland 6.457 Kaninchen für sogenannte Pyrogentests, auch Rabbit Pyrogen Test (RPT) genannt. Dies entspricht mehr als sieben Prozent aller in Deutschland eingesetzten Kaninchen. Doch es gibt eigentlich längst eine tierversuchsfreie Testmethode. Dieser sogenannte Monozyten-Aktivierungstest (MAT) arbeitet mit menschlichem Blut statt mit Kaninchen. Er wurde vor 25 Jahren entwickelt, 2005 international validiert und 2010 in das Europäische Arzneibuch aufgenommen.

Kaninchenversuche als falscher Standard
Seit Jahrzehnten wird dennoch standardmäßig der Pyrogentest (RPT) durchgeführt. Und dies, obwohl der Test am Kaninchen als unzuverlässig gilt. Für den Test werden die Kaninchen für mehrere Stunden in kleinen Kästen so fixiert, dass sie völlig bewegungsunfähig sind. Dann wird ihnen die Testsubstanz in eine Ohrvene injiziert. Rektal befindet sich ein Fieberthermometer, das kontinuierlich die Temperatur der Tiere misst. So müssen die Kaninchen für mehrere Stunden ausharren. Wenn sie Fieber entwickeln, ist klar, dass die Produktionseinheit mit Fremdkörpern verunreinigt ist.

Antikörper können kaninchenfrei produziert werden
Ein weiteres Beispiel für Tierversuche an Kaninchen ist die Routineherstellung von Antikörpern, beispielsweise für die Diagnostik. Doch auch hier existiert ein tierversuchsfreies Verfahren: das Phagen-Display. Bei diesem werden die Antikörper durch Selektion aus Antikörper-Genbibliotheken gewonnen und mithilfe von Bakterien produziert. Mit dieser Methode lassen sich große Mengen an Antikörpern in gleichbleibender Qualität produzieren.

Verstoß gegen nationales und internationales Recht
Über 90.000 Kaninchen leiden immer noch jährlich in Tierversuchen in Deutschland. Dabei ist die Gesetzeslage eindeutig: Ein Tierversuch muss unerlässlich sein. Das bedeutet, wenn eine adäquate tierfreie Ersatzmethode zur Verfügung steht, darf der Tierversuch nicht mehr durchgeführt werden. Die Europäische Pharmakopoe hat kürzlich ein Machtwort gesprochen: In den nächsten fünf Jahren sollen Pyrogentests am Kaninchen endgültig durch das validierte und etablierte tierfreie Verfahren abgelöst werden.

Tierfreie Verfahren: schnellere und konsequentere Umsetzung nötig
Wir fordern eine deutlich schnellere und konsequentere Umsetzung validierter und etablierter versuchstierfreier Methoden. Es ein Skandal, dass im Falle des MAT nach offizieller behördlicher Akzeptanz elf Jahre lang kein Zwang auf die Verwender ausgeübt wurde, den Tierversuch abzuschaffen und den tierleidfreien MAT einzuführen. Hier muss der Gesetzgeber klare Strukturen schaffen. Der Tierversuch muss im Arzneibuch gestrichen werden, sobald ein tierfreies Verfahren existiert.

Wenn Sie mehr über das Versuchstier des Jahres wissen möchten, können Sie sich unsere ausführliche 20-seitige Online-Broschüre als PDF herunterladen.
Bisherige Versuchstiere des Jahres waren:

2020: Der Hund in der Chemikalientestung
2019: Die Maus in der Parkinsonforschung
2018: Das Frettchen
2017: Die Ratte (Schirmherr: Prof. emer. Dr. Franz Gruber)
2016: Der Fisch (Schirmherrin: Hilal Sezgin)
2015: Das Kaninchen (2) (Schirmherren: Ehepaar Schöniger)
2014: Der Affe (Schirmherr: Gregor Resch)
2013: Der Hund (Schirmherrin: Marianne Goldmann)
2012: Die „Atherosklerose-Maus“ (Schirmherr: Wolfgang Horstmann)
2011: Der Krallenfrosch
2010: Das Schwein
2009: Das Kaninchen (1)
2008: Die Ratte im Alkoholversuch (2)
2007: Die Ratte im Alkoholversuch (1)
2006: Die „Muschelmaus“
2005: Der Javaneraffe (2)
2004: Der Javaneraffe (1)
2003: Die Goldorfe

Der Bundesverband dankt Prof. Dr. Dr. Thomas Hartung für die Übernahme der diesjährigen Schirmherrschaft. Lesen Sie hier sein Grußwort.