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Jetzt Agrar- und Ernährungswende einleiten

Industrielle Tierhaltung: Konsequente Transformation statt Erhaltung des Status Quos

Die Landwirtschaft kommt um eine radikale Transformation nicht herum. Dies zeigen verschiedene aktuelle Studien. Die Anfang Februar 2021 veröffentlichte “Food System Impacts on Biodiversity Loss“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und der Denkfabrik Chatham House kommt zu dem Ergebnis, dass der Fleischkonsum und die intensive Landwirtschaft die weltweit größten Naturzerstörer sind. Nie sei der Verlust von Lebensräumen und biologischer Vielfalt so dramatisch gewesen wie in den vergangenen 50 Jahren, warnen die Autoren. Ihre Forderung: Die Menschheit müsse ihre Ernährung auf pflanzliche statt auf tierische Eiweißträger umstellen. Die Ergebnisse der Studie bestätigen die Forderungen des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte. Um diesen überfälligen Paradigmenwechsel voranzubringen, fordert der Verband eine Gesamtstrategie für eine Agrar- und Ernährungswende.

Die Zukunft liegt auf unserem Teller
Eine weitere wichtige im Auftrag des WWF erstellte Studie „Die Zukunft liegt auf unserem Teller“  überträgt die globalen Empfehlungen der EAT-Lancet-Kommission auf Deutschland. Sie zeigt auf, wie eine gesunde Ernährung innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen der Erde aussehen müsste. Ergebnis: Mit einer Halbierung des Fleischkonsums könnten jährlich 56 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Das entspricht fast den gesamten Emissionen der deutschen Landwirtschaft (66 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente). Gleichzeitig sinkt damit auch Deutschlands derzeitiger ernährungsbedingter Flächenbedarf um fast drei Millionen Hektar (Größe Brandenburgs). Noch höhere Einsparungen seien bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung möglich.

Fleischhunger zerstört Regenwald
Ein weiter Bericht belegt, wie dramatisch unser Fleischhunger dazu beiträgt, den tropischen Regenwald zu zerstören. Dabei steht die EU hinter China auf Platz zwei der Regenwaldvernichter. Die mit Abstand größten Verursacher von Abholzung durch EU-Importe waren Futtersoja (rund 31 Prozent der gerodeten Fläche) und Palmöl (rund 24 Prozent). Unter den EU-Ländern ist Deutschland für die meiste Abholzung verantwortlich.

13 Milliarden fließen in industrielle Tierhaltung
Die im März 2021 veröffentlichte Studie des Bündnisses „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“ kommt zu dem Ergebnis, dass über 13 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern pro Jahr in die industrielle Tierhaltung fließen. Nach Ansicht von Agrarökonomen ist dies eine realistische Größenordnung.

Machbarkeitsstudie: Mehrwertsteuer auf tierische Produkte anheben
Gleichzeitig geht das Bundeslandwirtschaftsministerium in einer Anfang März 2021 veröffentlichten Machbarkeitsstudie davon aus, dass drei bis vier Milliarden Euro jährlich nötig wären, um die Bedingungen in der Tierhaltung zu verbessern. Diese schlägt folgende Finanzierungsmöglichkeiten vor: eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf tierische Produkte, die Einführung einer  Verbrauchssteuer („Tierwohlabgabe“) oder eines „Tierwohl- oder Fleisch-Soli“.

Umbau der Tierhaltung: Bundesrat fordert Finanzierungskonzept
Am 5. März 2021 forderte der Bundesrat in einer Entschließung ein Finanzierungskonzept für den Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung mit einer verstärkt ökologischen und tiergerechten Ausrichtung. Dazu schlägt er die Einführung einer „Tierwohl-Abgabe“ auf Fleisch, Milch und andere tierische Produkte sowie ein staatlich verpflichtendes Tierwohllabel vor.

Schluss mit Agrarsubventionen für industrielle Tierhaltung
Eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf tierische Produkte ist lange überfällig. Denn die bisherige Mehrwertsteuerermäßigung ist nichts anderes als eine Subventionierung der industriellen Tierhaltung. Wenn etwa 13 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern pro Jahr in die industrielle Landwirtschaft fließen und der geschätzte Investitionsbedarf für einen Umbau der Tierhaltung bei drei bis vier Milliarden Euro jährlich liegt, dann liegt es auf der Hand, dass deutliche Verbesserungen schon mit einer kritischen Überprüfung und Umstellung der aktuellen Subventionen erreichbar wären.

Probleme systemimmanent
Doch nur die Umleitung der Fördergelder reicht nicht: Um die systemimmanenten Probleme der industriellen Tierhaltung zu lösen, ist mehr nötig. Die Landwirtschaft kommt angesichts der Gefahr weiterer Pandemien, des fortschreitenden Klimawandels und des massiven Artensterbens um eine radikale Transformation nicht herum. Um diesen überfälligen Paradigmenwechsel voranzubringen, setzt sich der Bundesverband für die Ausarbeitung einer Gesamtstrategie für eine Agrar- und Ernährungswende ein.

Ausstiegsförderungen für Landwirte
Neben einer Ökologisierung der EU-Landwirtschaft sind die zentralen Elemente eine drastische Reduktion der Tierbestände, eine flächengebundene Tierhaltung sowie eine Klima-Abgabe auf tierische Produkte. Ganz zentral sind zudem Anbauförderungen von Konsum-Leguminosen wie Soja, Lupine, Bohnen und Erbsen sowie Umstellungs- und Ausstiegsförderungen für Landwirte, die auf die Produktion pflanzlicher Eiweißträger umstellen wollten.

Dazu gehören folgende Punkte:

  1.  Ende der Agrarsubventionen für die industrielle Tierhaltung sowie für Stallbau und Schlachtbetriebe
  2. Reform der EU-Agrar-Subventionen zugunsten von Tier-, Natur- und Klimaschutz
  3.  Umstellung auf umwelt- und klimaverträgliche Anbaumethoden
  4. Flächengebundene Tierhaltung, solange Tiere noch für die Erzeugung von Lebensmitteln gehalten werden
  5.  Drastische Reduzierung der Tierbestände um bis zu 80 Prozent
  6.  Professionelle Beratungsstellen und nachhaltige finanzielle Förderung für LandwirtInnen, die aus der Tierhaltung aussteigen
  7.  Einbeziehung der landwirtschaftlichen Tierhaltung in das CO2-Steuersystem/Einführung einer Klima-Abgabe auf tierische Produkte
  8. Abgabe auf Stickstoffüberschüsse, wie sie durch große Güllemengen entstehen
  9.  Mehrwertsteuererhöhung für tierische Lebensmittel und Steuerbefreiungen für klimafreundliche Produkte
  10. Ausstiegs- und Anbauförderungen für Betriebe, die auf die Produktion von Konsum-Leguminosen als pflanzliche Eiweißträger umstellen
  11.  Ausbau der Forschungsförderung für tierlose Anbausysteme
  12. Ressortübergreifende Ernährungsstrategie für tier- und klimafreundliche Ernährungsformen
  13. Breit angelegte Informationskampagne für alternative Ernährungsformen
  14.  Erhöhung des Angebotes gesunder pflanzlicher Lebensmittel in öffentlichen Kantinen, Schulen und Kindergärten bei gleichzeitiger Reduzierung des Angebotes tierischer Produkte