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Wildtierhaltung im Zirkus: Verbände fordern Verbot

elefant im zirkusNachdem die dem Zirkus Luna entlaufene Elefantenkuh „Baby“ am 14. Juni 2015 einen  Spaziergänger in Buchen in Baden-Württemberg tötete, haben mehrere große Verbände  Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt wieder aufgefordert, die Haltung bestimmter wildlebender Tierarten im Zirkus endlich zu verbieten.

Der Bundesrat hatte die Bundesregierung schon 2003 aufgefordert, ein entsprechendes Verbot auf den Weg zu bringen, 2011 bekräftigte die Länderkammer ihre Auffassung. Schon  damals  wiesen  die  Länder  neben  den  Tierschutzaspekten  ausdrücklich  auch auf  das Gefahrenpotenzial hin. Auch die Bundestierärztekammer spricht sich für ein Ende der Wildtierhaltung in Zirkussen aus. Ein solches Verbot gibt es bereits in vielen europäischen Ländern, z.B. in Belgien, den Niederlanden, Griechenland und Österreich.  

Eklatante Sicherheitsmängel
Der Tod des Spaziergängers  tötete,  macht  deutlich,  welch  eklatante  Sicherheitsmängel  neben  den angeprangerten Tierschutzproblemen bei der Wildtierhaltung im Zirkus herrschen. Die notwendige Einrichtung von sicheren, ausreichend großen und artgerecht ausgestatteten Gehegen kollidiert  in  Zirkusbetrieben  mit  der  Notwendigkeit  zur  fortwährenden  Mobilität.  Einfriedungen für Tiere im Zirkus sind in der Regel leicht auf- und abbaubar sowie schnell zerlegbar. Im Vergleich zur Zootierhaltung  sind  die  Sicherheitsvorkehrungen  selbst  für  die  gefährlichsten  Zirkustiere  wie Elefanten, Großkatzen, Bären, Flusspferde oder Nashörner mitten in deutschen Großstädten minimal.  

Geldsammlung mit Baby auf Kinderfesten
Zudem besuchen viele Zirkusse mit Elefanten und anderen gefährlichen Wildtieren regelmäßig z.B.
Fußgängerzonen  oder  Schulen,  um  für  ihre  Vorstellungen  zu  werben  oder  Geld  zu  sammeln,  und bieten  ihre  Dienste  auf  Kinderfesten  oder  Firmenfeiern  an.  Der  Zirkus  Luna  präsentierte  die Elefantenkuh "Baby" /"Benjamin" regelmäßig in Menschenmengen und ließ sie streicheln, obwohl sie bereits mehrfach Menschen verletzt hatte. Auch andere Zirkusbetriebe werben mit ihren Wildtieren in den Innenstädten oder auf Schulhöfen.  

Baby ist kein Einzelfall
Die regelmäßigen Ausbrüche und gefährlichen Zwischenfälle mit Zirkustieren zeigen, dass aufgrund der Zirkustierhaltung eine permanente Gefahr für Tier und Mensch besteht. Vorfälle wie der im Zirkus Luna sind bei weitem keine Einzelfälle. Von 1980 bis 2010 sind alleine 24 Unfälle nur mit Elefanten in  Deutschland  bekanntgeworden.  Im  gleichen  Zeitraum  gab  es  weltweit  104  Zwischenfälle  mit Elefanten im Zirkus, wobei 44 Personen getötet und 141 Menschen verletzt wurden.

Wildtierhaltung im Zirkus ist Tierquälerei
Die Tier-  und  Naturschutzverbände  erinnerten Minister Schmidt in ihrem Schreiben, daran, dass eine  tierschutzgerechte  Haltung  von  Wildtieren im  Zirkus  nicht  möglich  ist. Bewegungsmangel, gravierende Missstände in der Haltung und permanenter Stress führen häufig zu Verhaltensstörungen bei den Tieren, zu deren Folgen aggressives Verhalten gehört. Die natürlichen Bedürfnisse von Wildtieren können im Zirkus-Alltag in keiner Weise erfüllt werden: Angefangen bei der  extrem  beengten  Unterbringung  in  Transportwagen  und  provisorischen  Gehegen,  fehlenden Rückzugs-  und  Beschäftigungsmöglichkeiten,  der  nicht-artgerechten Vergesellschaftung,  fehlender Klimatisierung  von  Gehegen  und  fehlenden  Winterquartieren,  unzureichender  Ernährung  und medizinischer Betreuung, häufigen und langen Transporten und Standzeiten bis hin zur Vorführung tierschutzwidriger Kunststücke und tierquälerischer Dressurmethoden.

Hier lesen Sie den Brief an Minister Schmidt als PDF

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