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Psychische Leiden

Im Zirkus sieht das Publikum nur eine äußere Hülle wirklicher Tiere. Zirkusbesucher halten sich in der Regel für tierlieb und bewundern die Schönheit und Geschicklichkeit ihrer Lieblinge. Es ist schon zufriedenstellend, wenn sie äußerlich unverletzt und gut genährt wirken. »Wie´s da drinnen aussieht«, scheint niemanden zu bekümmern. Das ist eine Folge der antiquierten, aber immer noch im Unterbewusstsein verankerten, Vorstellung, dass Tiere kein Innenleben, keine Individualität, keine »Seele« haben.

Tierpsychologie und Verhaltensforschung fördern nahezu täglich Beweise dafür zutage, dass diese Auffassung völlig an der Realität vorbeigeht - und jeder, der mit einem »Haustier« zusammenlebt, weiß aus Erfahrung, dass sein Tier Gefühle hat. Warum sollte für Wildtiere nicht gelten, was für Hund und Katze gilt? Im Gegenteil, »Haustiere«, die bei ihren Familien leben, können kurzfristige Einschränkungen ihres inneren Wohlgefühls leichter ertragen, wenn sie in ihre sonst zufriedenstellende Situation eingebettet sind. Wildtiere hingegen müssen nahezu alles entbehren, wonach es sie innerlich verlangt.

Grundlegende Bedürfnisse bleiben unbefriedigt

Gewiss entwickeln einzelne Tiere zu manchen Betreuern auch Zutraulichkeit. Doch den allergrößten Teil ihrer psychischen Bedürfnisse kann ihnen auch freundliche Behandlung nicht ersetzen. Bewegung etwa ist nicht nur ein äußerer Vorgang, sie ist so sehr Teil der Freiheit, dass die Einschränkung der Bewegungsfreiheit ständigen Stress verursacht. Das gilt auch für die immer wieder geforderte Unterwerfung beim Einüben der Dressurakte. Wut und Hass können sich aufstauen. Wie immer wieder zu lesen ist, entlädt sich solcher Stau nicht selten, indem Tiere ihre Zuchtmeister oder andere Personen angreifen, verletzen oder töten. Dafür erhalten sie dann in der Regel die Todesstrafe.

Eine der schwersten Belastungen ist die furchtbare Langeweile, die in der - ausnahmslos immer zu engen - »Behausung« das tägliche, jahrelange Los der auf Anregung und Beschäftigung angewiesenen Tiere ist. Die Zirkusbetreiber bringen oft vor, dass ihre Tiere weniger der Langeweile ausgesetzt seien als »Zootiere«. Gewiss stellt der Auftritt, stellen auch die Proben ein bisschen Abwechslung in dem trostlosen Einerlei dar. Aber der Auftritt dauert wenige Minuten, das Training bedeutet Stress. Auslaufmöglichkeiten sind, wenn überhaupt vorhanden, auf winzigen und uninteressanten Raum beschränkt, ein paar Quadratmeter eingezäunter sandiger Fläche.

Problem »Vermenschlichung«

Trauer, Einsamkeit, Kummer um den einen oder anderen Gefährten, der ihnen manchmal zufällt und dann wieder abhanden kommt, Widerwille gegen aufgezwungene Nachbarn - die Skala der inneren Leiden dieser Arbeitssklaven kann jeder, der Einfühlungsvermögen und einige Kenntnis von den Anlagen der Tiere hat, selbst verlängern. Die Abwehrbehauptung, dies sei eine »vermenschlichte Sicht«, greift längst nicht mehr, da die moderneren Forschungen, die sich nicht mehr von oben herab dem Tier nähern, die - biologisch bedingten - elementaren Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier auch im psychischen Bereich nachweisen, wenn auch natürlich in den jeweiligen, artspezifischen Abwandlungen. Eine »Vermenschlichung« hingegen liegt in der törichten Annahme, Affen oder Bären hätten Spaß daran, sich in albernen Verkleidungen mit albernen Kunststückchen zu präsentieren.

Tiere sind keine Automaten, die mittels Nahrungszufuhr »funktionieren«. Sie haben ein hoch differenziertes Innenleben. Die dauerhafte Belastung, alle angeborenen Bedürfnisse zu unterdrücken und sich ohnmächtig einer von außen bestimmten, artfremden Lebensweise anpassen zu müssen, kommt einer psychischen Folter gleich. Das gilt auch für die quälende Langeweile der Beschäftigungslosigkeit, zu der sie für den weitaus größten Teil ihres Tageslaufs zeitlebens verurteilt sind.

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