Gerettet: Bobbi und Wilma
Das Schicksal des Schimpansenpärchens Bobbi und Wilma hat viele bewegt- zeigt es doch zum einen das Elend von Wildtieren in Gefangenschaft, zum anderen ein seltenes Happy End. Im Frühjahr 1994 sah Christiane Baumgartl-Simons vom Bundesverband Bobbi und Wilma zum ersten Mal. Damals gehörten sie dem Zirkus Universal Renz, der sie noch im gleichen Jahr an einen Bauunternehmer verkaufte. Dieser hielt die Menschenaffen in einem alten Kuhstall, bis er sie schließlich an einen maroden Tierpark abgab.
Tötung abgewendet
Schon bald konnte man dort nicht mehr für den Unterhalt der Tiere aufkommen. Im Jahr 1999 verfügte die zuständige Behörde die Tötung von Bobbi und Wilma, falls sich kein geeigneter Platz fände. Christiane Baumgartl-Simons, die über all die Jahre das Schicksal der Tiere verfolgt und immer wieder versucht hatte, Bobbi und Wilma zu retten, gelang es damals, einen Kontakt zur niederländischen Organisation Stichting Aap (AAP) herzustellen. Dort bot man an, die Tiere zu übernehmen. Der Betreiber des Tierparks willigte schließlich in eine freiwillige Abgabe ein. In einer gleichsam aufwendigen wie kostenintensiven Rettungsaktion wurden die beiden Schimpansen in die Niederlande gebracht.
Kompetente, individuelle Betreuung
In den geräumigen Gehegen von AAP heilten die seelischen und physischen Narben der beiden. Ein ganzes Team hoch spezialisierter Biologen und Ethologen kümmert sich bei AAP um die Resozialisierung der aufgenommenen Primaten und die Zusammenführung in möglichst natürliche soziale Gruppen. Über Monate wird jede Bewegung der Tiere beobachtet und akribisch notiert. Erste Annäherungen werden durch Käfiggitter möglich gemacht. Das Verhalten, die Kommunikation, die Bewegungen werden genauso studiert wie mögliche Sympathien oder Antipathien. Erst wenn sich die Experten sicher sind, dass die Tiere, die zumeist über Jahre unter unnatürlichen und unwürdigen Bedingungen gehalten wurden, dem Kontakt mit fremden Artgenossen gewachsen sind, werden sie zusammengelassen. Bei Bobbi und Wilma gab es keine Probleme. Sie konnten in eine Schimpansengruppe integriert werden, in der noch andere ehemalige »Zirkusschimpansen« aus Deutschland leben.
Lebensabend in Spanien
2009 wurden Bobbi und Wilma gemeinsam mit ihrer neuen Familie nach Primadomus umgesiedelt. Primadomus ist ein Projekt von AAP in Spanien. Auf 180 Hektar (320 Fußballfelder) können misshandelte Primaten aus ganz Europa ihren Lebensabend in großzügigen Gehegen unter der Sonne Spaniens in Frieden beschließen.
Text: Laura Zimprich/Christina Ledermann (Aktualisierungen)





