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Beschlagnahme von „Zirkustieren“: Verbände unterstützen Behörden

Derzeit wird über die Rechtmäßigkeit einer Beschlagnahme von Tieren aus dem „Zirkus Las Vegas“ in Norderstedt vor Gericht gestritten. Am 8. Mai 2013 hatte die Staatsanwaltschaft Kiel zusammen mit dem Segeberger Veterinäramt und der Polizei in einer Großrazzia die  Elefantenkuh Chitana, einen Hund, und vier Raubkatzen beschlagnahmt und anderweitig untergebracht. Das Landgericht Kiel entschied nun, dass die Aktion der Polizei angeblich unverhältnismäßig gewesen sei und der Elefant aus Sicht des Gerichts bei seinem Eigentümer hätte bleiben können.


Offener Brief: Für Tierschutzverbände war die Beschlagnahmung lebensrettend
Da die Beschlagnahmung aus Tierschutzsicht richtig war, hat der Bundesverband zusammen mit anderen Tierschutz- und Tierrechtsverbänden einen „offenen Brief“ an das Gericht geschickt. Aus Sicht der Tierschutzverbände war das Vorgehen von Staatsanwaltschaft und Veterinäramt im Fall Chitana absolut richtig und nachvollziehbar. Aufgrund des schlechten Pflege- und Gesundheitszustandes des Elefanten, der zudem in tierschutzwidriger Einzelhaltung mitgeführt wurde, stellt die Wegnahme eine unmittelbar lebensrettende Maßnahme dar. 


Eingreifen der Behörden erfolgte zugunsten des Tierwohls
Entgegen der Einschätzung des Landgerichts Kiel waren vergleichbare „mildere Mittel“, die die Gesundheit des Tieres sowie die Haltungsumstände kurzfristig hätten verbessern können und entsprechend einen Verbleib beim Halter gewährleisten würden, aus fachlicher Sicht nicht ersichtlich. Die Entziehung des Besitzes war insofern auch juristisch gerechtfertigt. Die Tatsache, dass sich das Tier in seiner neuen Umgebung sichtlich wohl fühlt und bereits einen positiven Sozialkontakt zu einer Artgenossin aufgebaut hat, untermauert die Einschätzung der Verbände, dass das Eingreifen der Behörden zugunsten des Tierwohls erfolgte. Eine Rückgabe von Chitana an den Zirkus, der ihren schlechten Gesundheits- und Pflegezustand zu verantworten hat, würde sehr wahrscheinlich dramatische Folgen haben, ganz abgesehen von den unzumutbaren Belastungen eines erneuten Transports und dann vieler weiterer, denen das Tier ausgesetzt wäre.


Chitana leidet unter haltungsbedingten Verhaltensstörungen und Deformationen

Chitana leidet haltungsbedingt unter Deformationen der Hinterbeine, deutlichem Minderwuchs, Arthrose und Erkrankungen der Füße. Ihr Schwanz fehlt. Sie traf in ihrem neuen Zuhause deutlich untergewichtig und sehr verängstigt ein. Zudem leidet sie unter Verhaltensstörungen, sogenannten Stereotypien. Diese entstehen dadurch, dass natürliche Verhaltensweisen und –bedürfnisse nicht ausgelebt werden können und sind ein deutlicher Hinweis auf erhebliche Schäden und Leiden und damit ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Die nicht zumutbare Einzelhaltung von Chitana hat dieses Leiden vermutlich noch deutlich verstärkt.


Einzelhaltung stellt Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar
Weil Elefanten hoch soziale Herdentiere und auf den Kontakt zu Artgenossen angewiesen sind, gilt die Einzelhaltung per se als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und ist auch nach den Zirkusleitlinien des Bundeslandwirtschaftsministerium nicht artgerecht. Die Wegnahme eines Elefanten aufgrund einer Einzelhaltung ist daher sowohl fachlich als auch aus Tierschutzsicht gerechtfertigt. Hinzu kommt, dass Chitana von der Familie Weisheit wiederholt in tierschutzwidriger Weise alleine gehalten wurde: Bereits 2011 und womöglich auch in anderen Jahren war Chitana von Renaldo Weisheit, dem Bruder des Eigentümers, einzeln gehalten worden. Medien berichteten damals, dass die Trennung von ihren Artgenossen laut Zirkusbetreibern zu „Depressionen“ und Apathie geführt hatte und Chitana deshalb wieder mit ihrer Elefantengruppe vergesellschaftet wurde. Trotzdem wurde sie 2013 erneut von ihren Artgenossen getrennt. Die Beschlagnahmung von Chitana ist angesichts dieser Vorgeschichte umso berechtigter.


Eigentümer fiel mehrfach wegen schlechter Tierhaltung auf
Der Eigentümer des Elefanten, Hardy Weisheit, ist bereits mehrfach wegen schlechter Tierhaltung in anderen Fällen aufgefallen und war vor Jahren für den Tod des Elefanten „Mary“ verantwortlich. Das Tier konnte wegen eines starken chronischen Nierenleidens nur noch durch Einschläfern erlöst werden. Nach Auskunft von Elefantenexperten war der gesundheitliche Zustand die Folge von schlechter Haltung, u.a. durch Kälte, Nässe und Mangelernährung. Ein zweiter völlig verwahrloster Elefant im Besitz von Weisheit namens „Dunja“ wurde beschlagnahmt und an einen Zoo abgegeben.


„Skandalzirkus“ erhielt bereits mehrere Auftrittsverbote
Drei weitere derzeit in Weisheits Eigentum befindliche Elefanten weisen ihrerseits einen sehr schlechten Gesundheitszustand auf. Das von Hardy Weisheit geleitete reisende Unternehmen „Circus Afrika“ ist in vielen Teilen Deutschlands als „Skandalzirkus“ bekannt und hat in mehreren Kommunen bereits Auftrittsverbote erhalten, u.a. wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Vorspiegelung falscher Tatsachen. All diese Fakten führen dazu, dass berechtigte Zweifel sowohl an der gemäß Tierschutzgesetz für die gewerbliche Haltung von Elefanten notwendigen Sachkunde als auch dem Verantwortungsbewusstsein und der Zuverlässigkeit des Eigentümers bestehen.


Eine Rückgabe ist aus Tierschutzsicht nicht vertretbar
Eine Rückgabe von Chitana an den Zirkus, in dem sie nicht artgerecht gehalten wurde, halten wir nicht für vertretbar. In ihrem neuen Zuhause, dem Zoo Pairi Daiza in Belgien, wird Chitana niemals mehr angekettet werden, während sie im Zirkus täglich mehr als die Hälfte des Tages in Ketten im Stallzelt stand. Zudem wäre sie ständig stark belastenden Transporten ausgesetzt. Im Zirkus entfallen grundsätzlich Tätigkeiten wie Nahrungssuche, die Nachwuchspflege sowie vielfach auch der Sozialkontakt zu anderen Elefanten. Ebenso sind die selbstbestimmte Bewegung sowie das Komfortverhalten (v.a. Hautpflege durch Suhlen und Baden) stark eingeschränkt. Gerade hoch entwickelte Tiere wie Elefanten haben ein großes Bedürfnis, die von der Natur gegebenen Lebensäußerungen und Sinnesleistungen sowie ihre Fähigkeiten sozialer und mentaler Art zu nutzen.


Artgerechte Haltung ist im Zirkus nicht möglich
In freier Wildbahn müssen Elefanten täglich auf der Suche nach Nahrung viele Kilometer zurücklegen, weswegen sie beispielsweise im Zoo durch Verteilen bzw. Verstecken von Futter im gesamten Gehege dazu angehalten werden, sich zu bewegen, um körperlich fit zu bleiben. Demgegenüber stehen Zirkuselefanten nicht nur weitaus kleinere Gehege zur Verfügung, auch wird der Fokus für Bewegung und Aktivität nahezu ausschließlich auf Dressur und Vorführungen gelegt, obgleich diese keine verhaltensgerechte Beschäftigung darstellen. Insbesondere afrikanische Elefanten im Zirkus haben eine deutlich geringere Lebenserwartung als in der Natur, auch dies ein Hinweis auf eine nicht artgerechte Haltung.


Trotz eklatanter Missstände greifen Veterinärämter oft nicht ein
Die Verbände haben zahlreiche Todesfälle von Zirkuselefanten in den letzten Jahren dokumentiert, wobei die überwiegende Zahl von Tieren frühzeitig verstarb und kaum eines auch nur ansatzweise die für Elefanten natürliche Lebenserwartung von etwa 60 Jahren erreichte. In der Vergangenheit gab es zahlreiche Fälle, in denen sichtlich kranke oder in schlechter Verfassung befindliche Elefanten weiterhin von den Zirkusunternehmen mitgeführt wurden, obwohl deren Zustand dies keinesfalls erlaubt hätte. Veterinärämter griffen entweder nicht oder zu spät ein bzw. sind mit der Behandlung derart anspruchsvoller Wildtiere schlicht überfordert. Mindestens drei der in den vergangenen 18 Monaten verstorbenen zehn deutschen Zirkuselefanten hätten bei rechtzeitigem Eingreifen der zuständigen Behörden gerettet werden können.


Rettung von Chitana ist ein außerordentliches Beispiel im Sinne des Tierschutzes.
Zu viele Elefanten sind in den letzten Jahren in deutschen Zirkussen aufgrund des zögerlichen Handelns der zuständigen Behörden wie auch dem Unwillen der Politik und der Bundesregierung jämmerlich gestorben. Zuletzt sorgte der Fall von Elefantin „Mädi“ nicht nur in Deutschland, sondern weltweit für Schlagzeilen. Die Verbände sprechen sich daher mit aller Deutlichkeit für einen Verbleib von Chitana in ihrem jetzigen Umfeld aus. Eine Verbesserung der Situation für die verbliebenen Tiere kann nur durch entsprechendes Eingreifen von Amtsveterinären, Behörden und Gerichten erreicht werden. Auch aus diesem Grund ist die Rettung von Chitana ein außerordentliches Beispiel im Sinne des Tierschutzes.

Hier können Sie sich den Brief als PDF-Dokument herunterladen.

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