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Bundesregierung soll Wildtierhaltung in Privathand endlich streng regeln

Elf Verbände, darunter auch Menschen für Tierechte, haben die Bundesregierung am 28. Mai 2015 zum Handeln aufgefordert. Sie soll endlich ihre Koalitionsvereinbarungen zur Haltung von Wildtieren in Privathand umsetzen. Ein Importverbot für Wildfänge auch auf EU-Ebene, eine bundeseinheitliche Regelung für den Handel mit Wildtieren und Verbote für den Verkauf von Wildtieren auf Tierbörsen sowie gewerblichen Tierbörsen gehören zu den Verbändeforderungen.

 Am 1. Juni 2015 antwortete die CDU/CSU, dass sie bereits dabei sei, diese Koalitionsvereinbarung umzusetzen. Für die Verbände gibt es in der Antwort auch was zum Schmunzeln: Die CDU/CSU-Fraktion freut sich, dass die Verbände sie in ihren Zielen unterstützt.

Hier können Sie den gesamten Brief lesen. Hier die Antwort der CDU/CSU.

Keine einheitlichen Regelungungen für den Handel und Haltung
In Deutschland gibt es abgesehen von den allgemeinen Vorgaben des Tierschutzgesetzes keine bundeseinheitliche Regelung für den Handel mit Wildtieren und deren Haltung durch Privatpersonen. Dies zieht oftmals negative Folgen für den Tier- Natur- und Artenschutz, aber auch Gesundheitsgefahren für den Menschen nach sich. Studien belegen, dass viele exotische Tiere nach wie vor als Wildfänge aus Drittländern importiert werden, mit teilweise erschreckend hohen Sterberaten von 50 Prozent und mehr während Fang, Transport und Zwischenlagerung. Neben der eigentlichen Entnahme von Wildtieren zum Export gefährden nicht-selektive Fangmethoden und damit einhergehende Lebensraumzerstörung die Artenvielfalt.

Invasive Arten schädigen Fauna und Flora
Weiter gelangen entwichene oder ausgesetzte exotische Wildtiere immer wieder in die heimische Natur. Nichtheimische invasive Arten können dort Fauna und Flora schädigen (zum Beispiel Schmuckschildkröten, diverse Hörnchen). Viele Wildtiere sind Überträger von Infektionskrankheiten, die auch dem Menschen gefährlich werden können. Bei Reptilien für die Heimtierhaltung geht das Robert-Koch-Institut davon aus, dass bis zu 90 Prozent der Tiere Träger und Ausscheider von Bakterien der Gattung Salmonella sind. Vielfach wird von der Reptilienhaltung in Haushalten mit Kleinkindern, Schwangeren, Menschen mit Immunschwäche und Älteren abgeraten. Mediziner warnen auch vor Viruserkrankungen und Parasiten, die durch den Handel mit exotischen Heimtieren verbreitet werden. Im Frühjahr 2015 gab das Friedrich-Löffler-Institut bekannt, dass in Sachsen-Anhalt drei Züchter von Bunthörnchen an den Folgen einer Infektion mit einer bis dahin unbekannten Form des Bornavirus starben.

Wildtiere haben große Haltungsansprüche
Zudem haben viele Wildtiere besonders hohe Haltungsansprüche, die großes Fachwissen, enormen Aufwand und jahrzehntelange Verantwortung erfordern, denen Privathalter kaum nachkommen können. Als Konsequenz landen viele Tiere in Tierheimen und Auffangstationen, deren Kapazitäten bereits überlastet sind. Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag im November 2013 auf Folgendes geeinigt: "Handel mit und private Haltung von exotischen und Wildtieren wird bundeseinheitlich geregelt. Importe von Wildfängen in die EU sollen grundsätzlich verboten und gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere untersagt werden." Wir begrüßen diese Initiative und fordern die regierenden Parteien auf, ihrem Wort nun auch gerecht zu werden und die nächsten Schritte zum Erreichen dieser Ziele einzuleiten.

Spektrum der Tierarten in Privathand muss eingeschränkt werdenEine Abschwächung oder gar Nicht-Umsetzung des Koalitionsvertrages ist nicht akzeptabel. Ein Sachkundenachweis für Tierhalter, wie er von einem Teil der Halter- und Händlerverbände als Lösungsmöglichkeit und Kompromiss vorgeschlagen wird, stellt keine Regelung des Handels und der Haltung im Sinne von Vorgaben dar und reicht bei weitem nicht aus, sondern würde lediglich als ergänzende Maßnahme Sinn machen. Zudem gibt es viele Tausend Wildtierarten, die privat gehalten werden. Um effizient zu sein, müsste ein Sachkundenachweis individuell und artspezifisch deren Haltungsanforderungen abprüfen - ein kaum zu realisierender Aufwand. Stattdessen muss das Spektrum der Tierarten in Privathand eingeschränkt werden und verbindliche Haltungsvorgaben erlassen werden, welche dann ebenfalls die Sachkunde der Halter als einen Punkt beinhalten sollten. Dem Wortlaut des Koalitionsvertrages würde durch einen alleinigen Sachkundenachweis jedenfalls nicht entsprochen.

Die unterzeichnenden Verbände appellieren an die Koalition:

  1. Sich für ein Importverbot für Wildfänge auf Bundes- und auf EU Ebene einzusetzen

  2. Eine bundeseinheitliche Regelung des Handel mit und der privaten Haltung von Wildtieren zu schaffen

  3. Eine Positivliste von Tierarten zu erlassen, die mit Blick auf Tier-, Natur- und Artenschutz sowie auf Gesundheit und öffentliche Sicherheit für die Privathaltung, Zucht und den Handel geeignet sind; Positivlisten entsprechen dem Vorsorgeansatz, sind unbürokratisch zu handhaben und zu vollziehen und könnten sich an den bestehenden Listen in Belgien und den Niederlanden orientieren

  4. Den Verkauf von Wildtieren auf Tierbörsen sowie gewerblichen Tierbörsen zu verbieten
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