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Hessische Tierschutzforschungspreis-Verleihung 2012

Der Preis soll dazu beitragen, die Anzahl und das Leiden von Versuchstieren in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie der Herstellung biomedizinischer Produkte zu verringern, so die Veranstalter. Der Preis wurde diesmal an zwei Wissenschaftler vergeben, zusätzlich wurde eine weitere Forschergruppe geehrt.

Der mit 15.000 Euro dotierte Tierschutzforschungspreis des Landes Hessen ging in diesem Jahr an zwei Wissenschafter, an Dr. Sascha Meyer dos Santos vom Institut für Klinische Pharmakologie der Universität Frankfurt am Main sowie an den Ingenieur Andreas Daus von der Technischen Universität Darmstadt. Zusätzlich wurde das Wissenschaftsteam Prof. Wolfgang Kleinekofort und Prof. Friedemann Völklein für ihre Leistungen bei der Entwicklung eines Tierversuchsersatzverfahrens geehrt.

Der Diplom-Biochemiker Dr. Meyer dos Santos erhielt den Preis für die detaillierte Aufklärung eines Mechanismus, mit dem Blutplättchen an den Innenseiten der Blutgefäße haften bleiben. Die Ergebnisse sind für die Arterioskleroseforschung bedeutsam. Anstelle von gentechnisch veränderten Mäusen hat der Forscher hierfür ein Flusskammersystem mit humanen Blutgefäßen eingesetzt, die aus Bypassoperationen stammten.

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Preisträger Dr. Meyer dos Santos empfing die Würdigung von der Hessischen Umweltministerin, Lucia Puttrich.
Foto: Christiane Hohensee

Der Diplomingenieur Andreas Daus wurde für die Entwicklung eines Biosensors auf der Basis dreidimensionaler Zellkultursysteme geehrt: zunächst wurden Kardiomyozyten (Herzzellen) und Neurone (Nervenzellen) jeweils mit einer selbst konstruierten Rotationseinrichtung zu kugelförmigen 3D-Gebilden, sogenannten Sphäroiden, aggregiert. Diese Sphäroide mit einer Größe von zirka 0,3 Millimetern wurden dann an neu entwickelte Mikroelektroden zur Analyse zellulärer Prozesse gekoppelt. Da sowohl die Herz- als auch Nervenzellen Aktionspotenziale bilden, lassen sich Änderungen im elektrischen Signalmuster nicht-invasiv messen. Das Verfahren ist geeignet, die Sphäroide auf pharmakologisch wirksame Stoffe oder ionisierende bzw. nicht-ionisierender Strahlung zu testen. Die Innovation geht aus einer Kooperation der Technischen Universität Darmstadt, Fachbereich Biologie, mit der Hochschule Aschaffenburg, Fachbereich Ingenieurwissenschaften, hervor.

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Preisträger Andreas Daus und die Hessische Umweltministerin Lucia Puttrich.
Foto: Christiane Hohensee

Prof. Wolfgang Kleinekofort, Leiter des Studienbereichs Physik der Hochschule Rhein-Main, und Prof. Friedemann Völklein, Direktor des Instituts für Mikrotechnologien (IMtech) der Hochschule RheinMain, werden für die Entwicklung eines Mikrochips ausgezeichnet, der die stoffwechselbedingte Wärmeproduktion von Zellverbünden auf Implantatoberflächen im Nanokalorimetriebereich messen kann. Ziel ist es, eine Tierversuchsersatzmethode zum Test von Implantatverträglichkeiten mit menschlichen und tierischen Zellen zu entwickeln, damit der Tiereinsatz hier zumindest teilweise abgelöst werden kann. Um die Langzeitverträglichkeit von Implantaten im Empfängerorganismus zu testen, werden diese normalerweise bereits im Vorentwicklungsstadium im Tier getestet. Mit Hilfe des entwickelten Mikrosensors, der die Wärmeproduktion von Zellen im Nanowattbereich misst, lassen sich nun außerhalb eines Organismus Vitalität, Zellbeeinträchtigungen und Abstoßungsreaktionen feststellen. Ein eigens entwickeltes miniaturisiertes Thermoelement kann hierbei Temperatur-schwankungen im Bereich weniger Zehntausendstel Grad detektieren. Bei einer Abstoßung des Implantates kommt es zu einer Temperaturüberhöhung in den Zellen (Fieberreaktion). Ein Rückgang der Wärmeproduktion lässt eine Beeinträchtigung der Zellen durch das Implantat annehmen. Der Mikrochip wurde am Institut für Mikrotechnologien bereits mehrfach getestet, allerdings an Bäckerhefe-Zellen. Nun wollen die Wissenschaftler humane Kardiomyozyten und Keratozyten testen. Das Verfahren kann, so die Forscher, auch auf die Wirkstofftestung in der pharmazeutischen Industrie ausgeweitet werden.

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Preisträger Prof. Wolfgang Kleinekofort (links) und Prof. Friedemann Völklein (mitte) lauschen der Ansprache von Umweltministerin Lucia Puttrich.
Foto: Christiane Hohensee

Am Rande der Preisverleihung führte InVitroJobs Interviews mit den Preisträgern. Hier geht es zu ausführlicheren Informationen: www.invitrojobs.de




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