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Lehrstühle für tierversuchsfreie Forschung

2.12.2015  Forschung und Lehre zu tierversuchsfreien Verfahren führen an Hochschulen und Universitäten entgegen vieler politischer Reden und Medienberichten nach wie vor ein Schattendasein. Die Mehrzahl der Wissenschaftler forscht traditionell tierexperimentell. Hierfür steht auch das Gros der Forschungsgelder zur Verfügung, obwohl sogar die wissenschaftliche Kritik am Tierversuch mittlerweile gesellschaftsfähig geworden ist. Einen wirksamen Ausweg aus der wissenschaftlichen Sackgasse der Tierversuche bieten Lehrstühle und Professuren für tierversuchsfreie Verfahren. Denn sie decken die Bereiche akademische Lehre, Forschung und gesellschaftliche Akzeptanz ab. Außerdem fördert und sichert ein Lehrstuhl oder eine Professur den wissenschaftlichen Nachwuchs und zieht Wissenschaftler aus der ganzen Welt an.

Das "Centrum für tierversuchsfreie Forschung" (CERST) in Düsseldorf
Im September 2015 hat das Centrum für tierversuchsfreie Forschung (CERST) in Düsseldorf offiziell seine Arbeit aufgenommen. Auch in Hessen hat unsere langjährige Arbeit einen Teilerfolg gebracht: Die Landesregierung aus CDU und Grünen fördert tierversuchsfreie Verfahren mit einer Professur. Auf Bundesebene konnten wir ebenfalls einen Fortschritt erzielen: das neue Zentrum zum Schutz von Versuchstieren mit Sitz in Berlin wird einen dringend notwendigen ethischen Kriterienkatalog erstellen.

Die Entstehungsgeschichte von CERST zeigt, dass wir – so schwer es uns fällt – manchmal Geduld haben müssen. Vom Konzept bis das Centrum 2015 offiziell an Start ging vergingen acht Jahre. Jetzt hat die rot-grüne Landesregierung in NRW die Finanzierung auf den Weg gebracht. Die Leitung von CERST hat die Humanmedizinerin Prof. Dr. med. Ellen Fritsche vom Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF) der Heinrich Heine Universität Düsseldorf übernommen. Ihr Ziel ist es, Methoden zu entwickeln, die die Gesundheit des Menschen besser schützen. Fritsches Team untersucht u.a. auf Basis menschlicher Hautzellen die Auswirkungen von Substanzen auf das Kind im Mutterleib. Bisher wird dies an schwangeren Nagetieren getestet. Das Centrum kümmert sich sowohl um Forschung als auch um Lehre und Ausbildung der Studierenden.

Erfolg durch ein klares Konzept
Der Bundesverband hatte schon 2007 ein konkretes Konzept für einen Lehrstuhl vorgelegt. Aber mit der damaligen Landesregierung aus CDU und FDP war dieser Fortschritt nicht möglich. Der Bundesverband blieb dennoch kontinuierlich am Thema, auch durch konkrete Fragen an die Parteien zur Landtagswahl. Der nächste positive Schritt kam 2012, als der rot-grüne Koalitionsvertrag die Einführung eines Lehrstuhls für Tierschutz, der tierversuchsfreie Methoden beinhalten sollte, festschrieb. Im Dezember 2014 erfüllte Rot-Grün dann die Zusage aus dem Koalitionsvertrag und legte mit CERST den Grundstein für ein Centrum für tierversuchsfreie Verfahren in NRW.

Drei Professuren in Hessen
Seit August wissen wir, dass unsere langjährige Arbeit auch in Hessen einen Teilerfolg gebracht hat. Das Land wird drei Professuren zur Reduzierung von Tierversuchen einrichten. Insgesamt gibt die hessische Landesregierung dafür zwei Millionen Euro aus, verteilt über fünf Jahre. Auch hier hatte unser Bundesverband schon 2008 ein Konzept vorgelegt. Zur Landtagswahl 2013 bejahten CDU, Grüne, SPD und Linke eine Professur für tierversuchsfreie Verfahren. CDU und Grüne nahmen sie schließlich im Koalitionsvertrag auf. Konkret fördert die Landesregierung eine Professur mit dem Schwerpunkt tierversuchsfreie Verfahren (In-vitro- und In-silico-Modelle) für fünf Jahre. Diese wird der Universität Frankfurt im Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie angegliedert. Dieser wichtige Forschungsbereich stand bisher nicht auf dem Plan. Die Stelle wurde bereits ausgeschrieben.

Falsche Forschungsgewichtung
Parallel dazu fördert Hessen verfeinerte Tierversuchstechniken, die mit weniger Tieren auskommen und ihre Leiden reduzieren gleich mit zwei Professuren an der Universität Gießen, im Fachbereich Veterinärmedizin. Die verwaiste Tierschutz-Professur wird mit dem Fachgebiet Versuchstierkunde und Tierschutz wieder besetzt. Die zweite Professur, eine Stiftungsprofessur für Nachwuchswissenschaftler, wird im Fachbereich Humanmedizin eingerichtet. Die Stiftungsprofessur wird fünf Jahre lang finanziert vom Land Hessen (500.000 Euro), der Von-Behring-Röntgen-Stiftung (300.000 Euro) und dem Universitätsklinikum Gießen-Marburg (300.000 Euro). Die Gießener Professuren sollen zum Wintersemester 2016/2017 erstmals besetzt werden. An der Freien Universität Berlin wird 2016 ebenfalls eine Professur zur Reduktion von Tierversuchen, aber nicht ausschließlich für die Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren eingerichtet, so wie das auch an der Uni Gießen der Fall ist. 400.000 Euro gibt das Land Berlin dafür jährlich. An den Beispielen Hessen und Berlin wird die große Benachteiligung der tierversuchsfreien Forschung gegenüber der tierexperimentellen Wissenschaft wieder einmal deutlich: Die Professuren beschäftigen sich mit der Verbesserung des bestehenden Systems Tierversuch und nur eine Professur steht für das neue System „Tierversuchsfrei“ zur Verfügung.

Wirksames Mittel zur Reduktion von Tierversuchen
Einen weiteren Teilerfolg konnten wir auf Bundesebene erringen. Das neugegründete Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren wird einen ethischen Kriterienkatalog zur Beurteilung der per Tierschutzgesetz geforderten ethischen Vertretbarkeit eines Tierversuchs erstellen. 2012 hatte der Bundesverband die Einrichtung eines „Kompetenzzentrums statt Tierversuche“ gefordert. Unsere Petition haben mehr als 10.000 Menschen unterzeichnet. Statt des zunächst angekündigten „Nationalen Kompetenzzentrums“ gab Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt 2015 die Einrichtung des „Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren“ bekannt. Zwar haben dieses Zentrum und das von uns geforderte Kompetenzzentrum wenig gemein – unsere dringlichste Forderung nach dem Kriterienkatalog wird aber aufgegriffen. Es soll ein Fragenkatalog erarbeitet werden, der die ethische Abwägung des Tierversuchs erleichtert und standardisieren soll. Der Katalog könnte ein wirksames Mittel zur Reduktion von Tierversuchen werden

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte verfolgt das Ziel, Politik, Wissenschaft und Industrie zu gewinnen, derartige Lehrstühle und Professuren einzurichten und finanziell abzusichern. Der Bundesverband steht mit mehreren Hochschulen und Industrieunternehmen in Verhandlungen und setzt sich in seiner Lobbyarbeit für die Etablierung von Lehrstühlen ein. Je mehr Wissenschaftler tierversuchsfreie Verfahren erforschen und lehren, umso größer wird der Output an qualifizierten Forschern und leistungsfähigen tierleidfreien Verfahren sein.

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