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Interview: "Eine ethische Selbstverständlichkeit"

3.12.2015
 Das NRW-Wissenschaftsministerium unterstützt das neue Centrum für Ersatzmethoden zum Tierversuch in Düsseldorf (CERST) mit 200.000 Euro für 2015. Insgesamt wurden eine Million Euro bis 2019 in Aussicht gestellt, sofern der Haushaltsgesetzgeber zustimmt. Damit soll ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung von Tierversuchen geleistet werden. Tierrechte sprach mit Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.

Tierrechte: Frau Ministerin, im September ist CERST endlich offiziell an den Start gegangen. Warum haben Sie sich für dieses Centrum so eingesetzt?

Ministerin Schulze: Langfristig sollen Tierversuche möglichst vollständig ersetzt werden. Aber es wird bis dahin noch ein weiter Weg sein. CERST ist eines von vielen Projekten auf diesem Weg. Ich denke, wir kommen gut voran. Schon jetzt verpflichtet das Tierschutzgesetz Forscherinnen und Forscher dazu, wo immer möglich Ergänzungs- und Alternativmethoden einzusetzen und die Anzahl der für einen Tierversuch benötigten Tiere so gering wie möglich zu halten.

Tierrechte: Warum halten Sie tierversuchsfreie Verfahren grundsätzlich für wichtig?

Ministerin Schulze: Es ist schon aus ethischen Gründen eine Selbstverständlichkeit, dass wir dort, wo wir es können, auf Tierversuche verzichten. Ich bin froh, wenn sich nun zeigt, dass die für das Leben und Überleben von Menschen wichtigen Erkenntnisse immer öfter auch ohne Tierversuche gewonnen werden können.

Tierrechte: Die Etablierung von CERST hat acht Jahre gedauert. War es schwierig, die Finanzierung auf die Beine zu stellen?

Ministerin Schulze: Das Geld wurde Anfang 2015 – mit dem Haushalt 2015 – bereitgestellt. Bereits Anfang Mai 2015 hat das Ministerium den Beginn der Forschungsarbeiten zugelassen. Der sorgsame Umgang mit Steuergeldern erfordert einen entsprechenden Prüfaufwand, der sehr viel schneller nicht hätte gewährleistet werden können.

Tierrechte: Was wünschen Sie sich für die Zukunft von CERST?

Ministerin Schulze: Unsere finanzielle Unterstützung wird, wenn der Haushaltsgesetzgeber zustimmt, bis 2019 rund eine Million Euro betragen. Die Leiterin des Projektes, Frau Prof. Dr. Ellen Fritsche, wurde mehrfach für ihre Arbeiten auf diesem Gebiet ausgezeichnet. Deshalb glaube ich, dass wir auf dem Weg, Tierversuche zu reduzieren, weiter vorankommen werden.

Tierrechte: Halten Sie die Einrichtung weiterer solcher Zentren oder Lehrstühle zur Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren in NRW für denkbar?

Ministerin Schulze: Es gibt ja schon jetzt nicht nur das von Ihnen angesprochene Projekt des Leibniz-Institutes in Düsseldorf, sondern auch weitere Beispiele an Hochschulen und Einrichtungen, auf die wir stolz sein können. Auch an der Universität Köln, um ein Beispiel zu nennen, wird wie in Düsseldorf an humanen pluripotenten Stammzellen für alternative Testsysteme geforscht. Sie sollen eine bessere Vorhersage der Nebenwirkungen oder schädlichen Wirkung von Medikamenten und Inhaltsstoffen etwa von Kosmetika ermöglichen. Zwei große europäische Konsortien haben bereits, koordiniert von der Uni Köln, sehr erfolgversprechende Tests entwickelt.

Tierrechte: Was halten Sie in den nächsten Jahren für realistisch?

Ministerin Schulze: Schon jetzt zeigt sich ja, dass neue alternative Testverfahren häufig auch leichter durchzuführen und finanziell günstiger sein können. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Tierrechte: Was kann eine Tierrechtsorganisation wie unser Bundesverband Menschen für Tierrechte dazu beitragen?

Ministerin Schulze: Das nicht nur von beruflichen Interessen getragene Engagement von Menschen, sei es für Flüchtlinge, sozial Benachteiligte, den Tierschutz oder anderes, ist geradezu eine elementare Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Fortschritt. Dieses Engagement ist zugleich Mahnung und Bestätigung, Kritik und Motivation. Wir können nicht darauf verzichten.

Tierrechte: Wenn Sie in Bezug auf Tierversuche einen Wunsch frei hätten, was wäre Ihre Zukunftsvision?

Ministerin Schulze: Wünschen allein hilft ja nicht viel. Ich halte es lieber mit Wissenschaft und Forschung. Hier werden die Erkenntnisse und Lösungen gefunden, die den einzelnen Menschen helfen können. Dies ist auch zentraler Bestandteil unser Forschungsstrategie Fortschritt.NRW. Weil unser Land hier sehr gut aufgestellt ist, bin ich überzeugt, dass es auch in Bezug auf Tierversuche eine weiterhin positive Entwicklung geben wird.

Die Fragen stellte Christina Ledermann

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