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30 Millionen Euro für tierversuchsfreie Tests

Eine neu gegründete Forschungsgruppe (Forschungscluster EU-ToxRisk) erhält 30 Millionen Euro von der EU-Kommission. Das Geld kommt aus dem EU-Fördertopf Horizon 2020*. Damit will EU-ToxRisk in den nächsten sechs Jahren die Toxikologie mit tierversuchsfreien Methoden weiter voranbringen.


2.12.2015  Die Entwicklung von humanrelevanten, tierversuchsfreien Teststrategien in der Toxikologie (Lehre von den Giftstoffen, den Vergiftungen und der Behandlung von Vergiftungen) ist die Aufgabe der Forschungsgruppe „EU-ToxRisk“. An EU-ToxRisk sind insgesamt 36 Partner aus zwölf europäischen Ländern und den USA beteiligt. Die Fördergelder wurden für einen Zusammenschluss von Universitäten, Forschungseinrichtungen, Großindustrie, Mittelstand und Regulationsbehörden bewilligt. Aus Deutschland sind dabei: die Universitäten Konstanz und Heidelberg, die Forschungsgesellschaft für Arbeitsphysiologie und Arbeitsschutz (IFADO) in Dortmund, das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) in Hannover, das Steinbeis-Zentrum CAAT in Konstanz, die Firmen BASF und TissUse Berlin sowie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA).

Bessere Risikobewertung von Chemikalien
Im Fokus stehen Teststrategien für die besonders dringlichen Bereiche „Langzeittoxikologie“, „Entwicklungstoxikologie“ und Reproduktionstoxikologie“. Denn für Toxikologie-Tests leiden und sterben EU-weit noch immer besonders viele Tiere.** Zu den neuen Testansätzen zählen hochmoderne human-relevante In-vitro-Methoden (sogenannte omics-Technologien) systembiologische Ansätze sowie In-silico-Technologien am Computer. Die neuen Verfahren sollen eine bessere Risikobewertung von Chemikalien ermöglichen. Die Praxistauglichkeit für die Risikobewertung von Chemikalien soll in sogenannten Machbarkeitsstudien belegt werden. Danach sollen die Anwendungen in Bündel von Testzusammenstellungen integriert und durch Aufnahme in die Prüfvorschriften verbindlich vorgeschrieben werden. Erst dann werden die neuen Verfahren in der Praxis eingesetzt und können zur Reduktion von Tierversuchen beitragen. Der Bundesverband begrüßt das neue europäische Förderprojekt. Mit dieser Finanzierung kommt die Forschung im Bereich der Toxikologie endlich voran.

Mehr Fördergelder für humane Krankheitsmodelle
Auch in die Entwicklung menschlicher Krankheitsmodelle in der Petrischale fließen mehr Fördergelder (mehr dazu auf Seite xy). Bayern hat gerade 15 Millionen Euro für das Projekt CARE bewilligt: es kombiniert moderne Stammzelltechnologien mit der Pharmaforschung. Ergänzend entwickelt ein deutsch-amerikanisches Forscherteam in den kommenden drei Jahren Analyse-Methoden, um die Qualitätskontrolle der iPS-Zellen zu verbessern. Das Forschungsprojekt wird insgesamt mit rund 3,6 Millionen US-Dollar vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem California Institute for Regenerative Medicine (CIRM) finanziert. Den Forschungspreis erhielten ein In-vitro-Parkinsonmodell (vom Max-Planck-Institut, Münster) und die Entwicklung von In-vitro-Kulturen zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen, an denen Marcel Leist, Inhaber des ersten Lehrstuhls für tierversuchsfreie Methoden in Konstanz, arbeitet.


4,2 Millionen für künstliche Organsysteme
Dass neue Verfahren immer relevanter werden, zeigt sich auch an der Förderung der sogenannten Human-on-a-Chip-Technologie. Die Firma TissUse hat gerade 4,2 Millionen Euro im Rahmen der GoBio-Initiative des BMBF erhalten, um den Organ-on-a-Chip weiterzuentwickeln. Durch den Einsatz der derzeit bestehenden 2-Organ- und 4-Organ-Chips können Tierversuche schon heute bei der Vorauswahl von Substanzen reduziert werden. Das Ziel ist, dass diese Organsysteme gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche in Zukunft verdrängen.


* Horizont 2020 ist das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation. Es ist der Nachfolger des 7. Rahmenprogramms. Schwerpunkt ist die Förderung von sechs Schlüsseltechnologien: Mikro-/Nanoelektronik, Nanotechnologie, Photonik, Materialwissenschaften, industrielle Biotechnologie und fortschrittliche Fertigungstechniken. Der europäische Etat für die Jahre 2016 und 2017 beträgt 16 Milliarden Euro.


** In der EU wurden 2011 114.098 Tiere in der Entwicklungs- und Reproduktionstoxikologie (11,35 Prozent) und 80.124 Tiere in der Langzeittoxikologie (8 Prozent) eingesetzt.

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