Lehrstühle für tierversuchsfreie Forschung
Zur Situation
Forschung und Lehre zu tierversuchsfreien Verfahren führen an Hochschulen und Universitäten entgegen vieler politischer Reden und Medienberichten ein Schattendasein. Die Mehrzahl der Wissenschaftler forscht traditionell tierexperimentell. Hierfür steht auch das Gros der Forschungsgelder zur Verfügung, obwohl sogar die wissenschaftliche Kritik am Tierversuch mittlerweile gesellschaftsfähig geworden ist. Hierzu hat die Bewegung der Tierversuchsgegner, die in Deutschland Mitte der 70er Jahre aktiv wurde, maßgeblich beigetragen.
Die wenigen vorhandenen invitro (im Reagenzglas) und insilico (im Computer) Methoden werden von den Wissenschaftlern nicht zwingend angewendet. Noch viel weniger fühlen sich die Wissenschaftler verpflichtet, tierversuchsfreie Verfahren zu entwickeln und praxistauglich zu machen.
Ausweg Lehrstuhl
Einen wirksamen Ausweg aus der wissenschaftlichen Sackgasse der Tierversuche bieten Lehrstühle und Professuren für tierversuchsfreie Verfahren. Denn sie decken die Bereiche akademische Lehre, Forschung und gesellschaftliche Akzeptanz ab. Außerdem fördert und sichert ein Lehrstuhl oder eine Professur den wissenschaftlichen Nachwuchs und zieht Wissenschaftler aus der ganzen Welt an.
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte verfolgt das Ziel, Politik, Wissenschaft und Industrie zu gewinnen, derartige Lehrstühle und Professuren einzurichten und finanziell abzusichern. Der Bundesverband steht mit mehreren Hochschulen und Industrieunternehmen in Verhandlungen und setzt sich in seiner Lobbyarbeit für die Etablierung von Lehrstühlen ein. Die höchste Hürde ist die finanzielle Absicherung dieser Einrichtungen.
Lehrstühlen/Professuren zu Tierversuchsersatzverfahren stellen eine elementare Ergänzung der bestehenden geringen finanziellen Fördermaßnahmen der Bundesregierung und der Länderregierungen – wie derzeit von Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz – dar.
Schlüsselfunktion der Lehrstühle
Je mehr Wissenschaftler tierversuchsfreie Verfahren erforschen und lehren, umso größer wird der Output an qualifizierten Forschern und leistungsfähigen tierleidfreien Verfahren sein.
Von Lehrstühlen/Professuren geht eine Initialzündung aus, die sich positiv auf die Qualität und Quantität für Ersatzverfahren auswirken und einen Leistungsansporn der Lehrstühle untereinander auslösen wird. Der Einrichtung von Lehrstühlen/Professuren für Ersatzverfahren kommt daher eine Schlüsselfunktion zu. Bisher gibt es nur einen einzigen Lehrstuhl an der Universität Konstanz. Dieser wird 10 Jahre aus privaten Stiftungsgeldern finanziert. Danach übernimmt Baden-Württemberg die Förderung.
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