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Unsere Position

beagle-neuUnser Bundesverband ist ein Tierrechtsverband. Seit mehr als einer Generation verfolgen wir konsequent das Verbot aller Tierversuche und den Einsatz tierversuchsfreier, humanspezifischer Methoden. Unser Ziel ist keine Vision lebensferner Träumer, sondern inzwischen beginnende Realität.

Ein wichtiges Indiz, dass wir auf dem richtigen Weg sind, ist: Anders als früher kritisieren heute auch Wissenschaftler Tierversuche. So gibt es seriöse Untersuchungen, die die begrenzte Aussagefähigkeit der Tierversuche belegen.

Diese Offenheit war noch vor wenigen Jahren undenkbar. In dieser Entwicklung sehen wir einen Erfolg unserer langjährigen Kritik, auch wenn er sich noch längst nicht in sinkenden Tierversuchszahlen zeigt. Sie steigen bisher kontinuierlich an und betrugen 2014 laut Bundesstatistik nahezu 2,8 Millionen.

Tierversuche – das Ende ist überfällig!

Tierversuche sind ein Irrweg. Daran erinnern 16.000 Arzneimitteltote jedes Jahr, Arzneimittelrücknahmen und fehlende Therapien. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte verfolgt seit seiner Gründung (1982) konsequent den Ausstieg aus dem Tierversuch und den Einsatz tierversuchsfreier, humanspezifischer Methoden. Denn Tierversuche sind aus medizinischen, methodischen und moralischen Gründen abzulehnen.  Dies ist keine weltfremde Vision. Es gibt immer mehr seriöse Untersuchungen, die die begrenzte Aussagefähigkeit der tierexperimentellen Forschung belegen. Anders als früher kritisieren heute selbst Wissenschaftler den Tierversuch. Auch das EU-Recht fordert langfristig den Ausstieg. Lesen Sie, warum Tierversuche abgeschafft werden müssen und wie eine innovative und verantwortungsvolle Forschung ohne Tierversuche Wirklichkeit werden kann.

Was geschieht mit Tieren im Tierversuch?

In Tierversuchen werden Tiere auf verschiedenste Arten als Messinstrumente genutzt. Deswegen können hier nur stellvertretend einige Tierversuche beschrieben werden. Jedes Jahr sterben mehr als 100.000 Kaninchen in deutschen Tierversuchslaboren – die meisten für die Humanmedizin. Sie leiden für die Herstellung und Qualitätskontrolle von Herzklappen, Stents, Hüftgelenken und Zahnimplantaten sowie für die Entwicklung von Impfstoffen, Seren und Antikörpern.

Für die Antikörper-Produktion werden ihnen bestimmte Substanzen (Antigene) mit einer Spritze injiziert. Danach wird ihnen regelmäßig Blut abgenommen. Die Tiere leiden unter schmerzhaften Entzündungen und Fieber. Wenn sich die Tiere nicht länger für die Produktion von Antikörpern verwenden lassen, werden sie durch Entbluten getötet.

In der neurobiologischen Grundlagenforschung werden Affen eingesetzt, um herauszufinden, wie das (menschliche) Gehirn funktioniert. Dazu wird ihnen u.a. der Schädel aufgebohrt, ein Bolzen eingesetzt und ein Draht ins Auge implantiert. Nachdem der Affe mit festgeschraubtem Kopf in einen „Primatenstuhl“ fixiert wurde, muss er stundenlang Aufgaben auf einen Monitor „lösen“. Damit das bewegungsfreudige Tier gezwungen ist zu kooperieren, wird es künstlich durstig gehalten. Nach Ablauf der Versuche werden die Tiere getötet und ihre Gehirne untersucht.

Tierversuche für Botox, Giftigkeitstests und in der Zahnmedizin

Zur Qualitätssicherung des Faltenglätters Botox (enthält das Nervengift Botulinumtoxin) wird Mäusen das Gift gruppenweise in unterschiedlicher Dosierung in die Bauchhöhle gespritzt. Anschließend wird ermittelt, wie viele Mäuse in den kommenden Stunden bzw. Tagen an Muskellähmung sterben (LD50-Test). Die Tiere ersticken bei vollem Bewusstsein. Zur Erforschung von ätzenden Substanzen wird Mäusen, Kaninchen oder Meerschweinchen das Rückenfell rasiert und die reizende Substanz in unterschiedlicher Dosierung aufgetragen. In den darauffolgenden Tagen kommt es zu schmerzhaften Entzündungen und Verätzungen der Haut.

Hunde werden u.a. in Giftigkeitstests eingesetzt. Dazu müssen sie teilweise hochgiftige Prüfsubstanzen schlucken oder einatmen. Dabei kommt es zu Atemnot, Lähmungen und Krämpfen. Teilweise werden die sanften Tiere durch die starken Schmerzen aggressiv oder fallen ins Koma. Bei zahnmedizinischen Versuchen werden jungen Hunden Löcher in die Kiefer gebohrt oder Zähne gezogen und testweise Zahnimplantate eingesetzt. Die Hunde leiden unter Wundschmerz und Entzündungen. Am Ende des Versuchs werden die Hunde getötet, um weitere Untersuchungen vorzunehmen.

zahl der tierversuche

 

Warum werden Tierversuche immer noch gemacht?

Tierversuche sind noch immer gesetzlich vorgeschrieben. Ohne Tests am Tier dürfen Produkte wie Chemikalien, Arzneimittel, Medizinprodukte, Pestizide und Biozide nicht zugelassen und vermarktet werden. Die Vorschriften resultieren u. a. aus der europäischen Chemikalienverordnung REACh, dem europäischen Arzneibuch (Pharmakopöe) oder den Regulatorien für Pestizide und Biozide. Für die Herstellung und Vermarktung von Kosmetika ist der Tierversuch dank des jahrelangen gemeinsamen Einsatzes vieler Tierschutzorganisationen inzwischen verboten.

 

Innovationsdruck führt zu mehr Tierversuchen

Doch auch die Hersteller tragen dazu bei, dass die Zahl der Tierversuche so hoch ist. Dadurch, dass immer neue vermeintliche Innovationen auf den Markt gebracht werden, werden auch mehr Tierversuche durchgeführt. Viele dieser neuen Stoffe und Medikamente werden nicht gebraucht, weil es bereits genügend wirksame Produkte gibt. Diese Bilanz zog der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten und Krankenkassen im Mai 2014. Bei der Bewertung von 73 neuen Arzneimitteln konnte nur bei 14 Präparaten ein beträchtlicher Zusatznutzen festgestellt werden.

Steigende Tierversuchszahlen in der Grundlagenforschung
In der Grundlagenforschung, die mehr oder weniger dem reinen Erkenntnisgewinn dient, werden etwa ein Drittel der Tiere verwendet – mit steigender Tendenz. Leider sind gerade hier die Wissenschaftler am wenigsten bereit, den Irrweg „Tierversuch“ zu verlassen und sich aktiv in die Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren einzubringen.

Tierversuche in der Aus- und Fortbildung
Tierversuche werden auch zu Aus- und Fortbildungszwecken gemacht. In den Studiengängen der Biologie, Human- und Veterinärmedizin werden Studierende noch immer unter Einsatz von Tieren ausgebildet. Wissenschaftler, Laboranten und Tierpfleger, die tierexperimentell arbeiten, erlernen in Fortbildungsveranstaltungen Techniken an lebenden Tieren, Veterinärmediziner die Behandlung von sogenannten „Nutztieren“. In der Biologie müssen Studierende im zoologischen Anfängerpraktikum Tiere vom Einzeller bis zum Säugetier untersuchen und dafür u. a. Fische, Mäuse oder Ratten sezieren (sogenannter Schnippelkurs). Der Einsatz von Tieren ist zwar nur dann zulässig, wenn es keine tierversuchs- bzw. tierverbrauchsfreien Verfahren gibt. Dies ist jedoch nur schwer bis gar nicht kontrollierbar. Viele Hochschulen kennen die jüngsten Entwicklungen bei den tierversuchsfreien Verfahren noch gar nicht oder greifen vorsätzlich auf altbekannte Methoden mit Tiereinsatz zurück.

Welche Gesetze regeln Tierversuche?
Die EU-Tierversuchsrichtlinie 2010/63/EU legt den Rahmen zur Durchführung von Tierversuchen fest. Diese Bestimmungen werden in Deutschland durch das Tierschutzgesetz (insbesondere die Paragrafen 7, 8 und 9) sowie die Verordnung zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere umgesetzt. Aus allen Rechtsvorschriften geht hervor, dass der Einsatz von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken oder zu Bildungszwecken nur dann zulässig ist, wenn es keine tierversuchsfreien Verfahren gibt. Im Antrag auf Genehmigung eines Tierversuchs muss der Antragsteller begründen, warum ein Tierversuch (aus seiner Sicht) unerlässlich und ethisch vertretbar ist. Doch genau hier ist der Knackpunkt: Die EU-Tierversuchsrichtlinie legt fest, dass die Genehmigungsbehörden das Recht und die Pflicht haben zu prüfen, ob der beantragte Tierversuch „unerlässlich“ und „ethisch vertretbar“ ist. Hierzu muss die Behörde eigenständig feststellen, ob der Tierversuch „unerlässlich“ ist. Im nächsten Schritt prüft sie, ob der erwartete wissenschaftliche Nutzen die Schmerzen, Leiden, Ängste und Schäden der Tiere im Versuch überwiegt. Erst dann ist die ethische Vertretbarkeit eines Tierversuchs laut geltendem Recht gegeben.

Genehmigung von Tierversuchen ist eine Farce
Doch genau das Prüfrecht zur Feststellung der Unerlässlichkeit wurde den deutschen Behörden mit dem skandalösen Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes (BVerwG) Leipzig vom Januar 2014 entzogen. Die Behörden dürfen danach lediglich feststellen, ob die Angaben des Antragstellers plausibel erscheinen. In diesem Rechtsstreit hatte der Bremer Hirnforscher Andreas Kreiter gegen das Verbot seiner Affenversuche durch die Bremer Gesundheitsbehörde geklagt – und gewonnen. Der Grund: Das Tierschutzgesetz sagt schwammig, dass die Behörde die Genehmigung zu erteilen hat, sofern der Antragsteller das Versuchsprojekt „wissenschaftlich begründet dargelegt“ hat. Dies führt dazu, dass Versuche genehmigt wurden, die eigentlich nicht genehmigungsfähig sind. Der Bundesverband fordert deswegen, diesen Passus im Tierschutzgesetz zu streichen.

Tierversuche sind unwissenschaftlich

Tierversuchs-Ergebnisse lassen sich nicht zuverlässig auf den Menschen übertragen. Grund sind die sogenannten Artunterschiede. Tiere leben deutlich kürzer, sie haben einen anderen, teilweise viel schnelleren Stoffwechsel und andere Immunreaktionen. Selbst Menschenaffen reagieren mitunter ganz anders auf Wirkstoffe als wir. Die hohe genetische Übereinstimmung von Menschen und Schimpansen (bis zu 99 Prozent) bedeutet nicht, dass auch die physiologischen Abläufe übereinstimmen. Die Krankheitsmechanismen laufen bei Mensch und Schimpanse z. B. bei HIV/AIDS oder auch Hepatitis C unterschiedlich ab. Schon 2009 zeigte eine Studie, dass die Übertragung der Ergebnisse eines Tierversuchs auf den Menschen, aber auch auf andere Tierarten, oft spekulativ ist. Das gilt für Giftigkeitsstudien ebenso wie für Arzneimittelwirksamkeitsprüfungen. Substanzkonzentrationen, die für Ratten tödlich sind, entsprechen in keiner Weise den für den Menschen tödlichen Konzentrationen. Längst nicht jede Substanz, die die Kaninchenhaut reizt, reizt auch die Haut des Menschen. Eine weitere wissenschaftliche Veröffentlichung belegte, dass die Maus Entzündungskrankheiten des Menschen höchst unzuverlässig nachstellt.

Lebensgefährliche Risiken

kaninchen-webBelege dafür, dass Übertragungen vom „Versuchstier“ auf den Menschen wissenschaftlich fragwürdig sind, sind u. a. die vielen für sicher gehaltenen Medikamente, die trotz tierexperimenteller Erprobung wegen unerwarteter oder gefährlicher Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden mussten. Dass ein tiergeprüftes Medikament sogar lebensgefährlich sein kann zeigte sich z. B. bei der Entwicklung des therapeutischen Antikörpers TGN1412: An Affen erfolgreich getestet führte er beim Menschen zu Multiorganversagen. Nur durch wochenlange Behandlungen auf der Intensivstation konnten die Testpersonen gerettet werden. Diese Risiken bestehen auch noch nach der Zulassung von Medikamenten, wenn diese eigentlich als unbedenklich gelten sollten. Weitere Beispiele sind der Cholesterinsenker Lipobay (vom Markt genommen im Sommer 2001), das Schmerzmittel Vioxx (vom Markt genommen im September 2004) sowie der Blutstiller Trasylol (Vermarktungsstopp seit November 2007). In Deutschland sterben jährlich über 58.000 Menschen an tödlichen Nebenwirkungen. Zudem schafft es nur ein Bruchteil von Arzneimitteln, die zuvor erfolgreich im Tierversuch getestet wurden, überhaupt auf den Markt.

Der Tierversuch ist kein Goldstandard!

Während neue tierversuchsfreie Verfahren langjährige und kostenintensive Anerkennungsverfahren durchlaufen müssen, wurden Tierversuche nie „validiert“ – mussten sich also nie vergleichen und bewerten lassen. Wenn eine damalige Studie also ein Zufallsergebnis war, vergleichen die Forscher ihre Ergebnisse heute mit potenziell nicht stimmigen Ergebnissen. Dennoch wird der Tierversuch weiterhin als der sogenannte „Goldstandard“ von Forschern herangezogen.

Tierversuche sind unmedizinisch

Erkrankungen des Menschen haben viele Ursachen – wie Ernährung, Umwelteinflüsse, Lebensstil, psychische und genetische Faktoren. Diese können im Tier nicht nachgestellt werden. Mit genetischen Manipulationen, vor allem an Mäusen, versucht man, menschliche Erkrankungen im Tier künstlich zu erzeugen. Ein akutes Tiermodell muss deswegen oft für ein chronisches Krankheitsphänomen, z. B. Diabetes Typ 2, herhalten, das sich im Menschen erst im Laufe vieler Jahre entwickelt, beim Tier aber „auf Knopfdruck“ ausgelöst wird, indem z. B. die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Selbst Tierversuchsbefürworter kritisieren mittlerweile die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus diesen sogenannten „Tiermodellen“.

Tierversuche sind unmoralisch

Jedes Tier hat einen eigenen Wert und ein Recht auf Unversehrtheit. Tiere sind schmerz- und leidensfähig wie wir Menschen, deshalb dürfen ihnen keine Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden – unabhängig vom eventuellen Nutzen für den Menschen. Dies ist eine unantastbare moralische Regel, die das Quälen und Töten von Tieren verbietet. Gegen diese verstößt unsere Gesellschaft in Tierversuchen permanent.

Beispiele für tierversuchsfreie Verfahrentierversuchsfrei-web

Tierversuchsfreie Verfahren kommen, wie der Name schon sagt, ohne den Einsatz von Tieren aus – ob es sich um die Testung von Wirkstoffen, Medizinprodukten, therapeutischen Maßnahmen handelt oder um Grundlagenforschung. Zu den tierversuchsfreien Verfahren zählen die sogenannten in-vitro-Methoden, wie beispielsweise Zellkulturen oder künstliche Organe, Computersimulationen, bildgebende Verfahren (z. B. CT, MRT, PET) oder der Einsatz von Probanden. Die Verträglichkeit von Kosmetika und bestimmten Chemikalien wird bereits erfolgreich in-vitro erforscht, also an Haut oder anderem Gewebe, das im Reagenzglas gezüchtet wurde. Diese Verfahren sind zielgenauer, reproduzierbarer und zuverlässiger. Daran hat auch die Industrie ein großes Interesse, da tierversuchsfreie Verfahren, sobald sie Praxisreife erreicht haben und im Hochdurchsatzverfahren verwendet werden können, deutlich kostengünstiger sind als Tierversuche.

Mini-Organismus ersetzt Tierversuche
Die Wissenschaft begründet die Notwendigkeit von Tierversuchen vor allem damit, dass die Wirkung von Substanzen nur im Gesamtorganismus beurteilt werden kann. Die sogenannte Human-on-a-Chip-Technologie könnte dies simulieren. Dabei werden die wichtigsten menschlichen Organe auf einem bankkartengroßen Chip nachgebildet. Mit diesen künstlichen Organsystemen wird es bald möglich sein, beispielsweise Giftigkeitstests ohne Tierversuche durchzuführen. Das Ziel ist, mit diesen Organsystemen gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche zu verdrängen.

Menschliche Krankheitsmodelle
Statt tierischen „Krankheitsmodellen“, für die meist Mäuse genetisch manipuliert werden, lassen sich Krankheiten mit humanen Krankheitsmodellen aus Zell- oder Gewebeproben in der Petrischale reproduzieren. An diesen können Ursachen und Mechanismen studiert oder neue Therapien entwickelt werden. Es gibt mittlerweile unzählige menschliche Krankheitsmodelle für Organe wie Herz, Lunge, Darm, Leber und Niere.

Menschliches Blut statt Kaninchen
Auch für die Testung von Medizinprodukten gibt es ein tierfreies Verfahren (Blutzellen, also Monozyten, sind auch Zellen!). In der Immunologie wird beispielsweise mit dem „Monozyten-Aktivierungstest“ gearbeitet. Dabei wird statt in einem Versuch mit Kaninchen an menschlichem Blut getestet, ob sich an oder in medizinischen Produkten Bestandteile von gefährlichen fieberauslösenden Substanzen befinden.

In-silico: Computersimulationen und Vorhersagemodelle
Bei computergestützten Methoden („in-silico“) handelt es sich beispielsweise um Datenbanken, die Informationen aus bereits gelaufenen Giftigkeitsprüfungen enthalten, sowie Simulationsabläufe zur Vorhersage der untersuchten Eigenschaften eines Stoffes. Ein gutes Beispiel ist das Computer-Vorhersagemodell „VirtualToxLab“, mit dem sich potentielle Störungen des Hormonhaushalts, des Stoffwechsels oder die krebsauslösende Wirkung von Substanzen vorhersagen lassen.

Probanden und bildgebende Verfahren
Mit bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) können Interaktionen zwischen verschiedenen Gehirnregionen untersucht werden.

Simulatoren zur Testung von Medizinprodukten
Während man bisher für die Testung künstlich entwickelter Herzklappen Schafe verwendete, wurde ein sogenanntes Flusskammersystem entwickelt, das die Umgebung der Herzklappe nach Einsetzen in den menschlichen Körper simuliert.

Kombinierte in-vitro-Modelle testen Hautreizung
Im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACh sowie auch bei der Herstellung von Pflanzenschutzmitteln sind Augen- und Hautreizungstests vorgeschrieben. Bis vor Kurzem wurden Haut- und Augenreizungstests meistens in qualvollen Tierversuchen vorgenommen, traditionell vor allem am Meerschweinchen (Ginea pig Maximization Test) und am Kaninchen (Draizé Test). Mittlerweile sind hier Tests in überzeugender Weise ohne Tiere möglich. Dabei werden mehrere tierfreie Testmodule miteinander gekoppelt.

Nötig: Eine andere Gewichtung der Fördergelder

Das Grundproblem ist, dass es noch immer zu wenig tierversuchsfreie Verfahren gibt. Schuld daran ist vor allem, dass in diesem Bereich noch zu wenig geforscht wird. In die tierversuchsfreie Forschung fließt nur einen Bruchteil der Gelder, die in die tierexperimentelle Forschung fließen. Tierexperimentell arbeitende Wissenschaftler nutzen den Tierversuch, solange dieser erlaubt ist. Die Mehrzahl trägt nichts zum Umschwung bei, sondern wartet darauf, dass andere Forscher die fehlenden Verfahren entwickeln. Läge der Forschungsschwerpunkt und das Gros der Forschungsgelder auf der Entwicklung praxisreifer tierversuchsfreier Verfahren, würden sich sehr viele Wissenschaftler in diesen Forschungsbereich einbringen. Ein weiteres Hindernis ist das kosten- und zeitintensive behördliche Anerkennungsverfahren für neue Verfahren. Um Tierversuche ablösen zu können, muss das neue Verfahren in die internationalen Testvorschriften aufgenommen werden. Hierfür ist jedoch zunächst eine Validierungsstudie vorgeschrieben, die Qualität, Reproduzierbarkeit und praktischen Nutzen einer tierversuchsfreien Methode überprüft. Für die Validierung stehen keine öffentlichen Gelder zur Verfügung, so dass das Anerkennungsverfahren bis zu 15 Jahren und länger dauern kann.

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