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EU-Tierversuche: Deutschland an zweiter Stelle

Mitte Dezember 2013 veröffentlichte die EU-Kommission die neuesten Versuchstierzahlen. Demnach sind EU-weit knapp 11,4 Millionen Tiere eingesetzt und getötet worden. Gegenüber der letzten Statistik von 2008 (knapp 12 Millionen) war damit insgesamt ein Rückgang um 4,3 Prozent zu verzeichnen. Deutschland hat mehr als 18 Prozent der Tiere in der EU verbraucht und treibt die Zahlen gegenüber der Erhebung von 2008 damit in die Höhe.

Während die Tierversuchszahlen in 19 Ländern zurückgegangen sind, ist in 8 Ländern, unter ihnen auch Deutschland (ein plus von fast 50.000), Tschechien (mit rund 54.000) und vor allem Irland (mit fast 140.000 Tieren), ein deutlicher Anstieg festzustellen. Weitere Länder mit höherem Tierverbrauch waren die Niederlande, Estland, Lettland, Polen und Spanien*.

In Deutschland, Frankreich und Großbritannien steigen oder stagnieren die Tierversuchszahlen

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist betroffen, dass der Tierverbrauch nach wie vor so hoch ist. Statt einem Rückgang steigen oder stagnieren die Tierverbrauchszahlen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. In diesen drei Ländern wurden 2011 wiederholt 55 Prozent der 11,4 Millionen Versuchstiere eingesetzt.

80 Prozent der verwendeten Tiere waren Nagetiere, wie Mäuse, Ratten, Meerschweinchen und  Kaninchen, wobei Mäuse mit 60 Prozent am häufigsten betroffen waren. Die zweitgrößte Gruppe waren mit 12,5 Prozent Reptilien, Amphibien und Fische, gefolgt von Vögeln mit rund 6 Prozent.

Größter Anstieg bei Fischen und Kaninchen

Der größte Anstieg im Tierverbrauch im Vergleich zu 2008 war unter den Fischen zu verzeichnen (310.307 auf 1.297.462 Tiere), gefolgt von den Kaninchen (um 25.000 auf 358.213).  Es gibt aber auch ein Rückgang festzustellen: am höchsten war dieser bei den Ratten (500.000 Tiere). Auch bei den Mäusen sank der Verbrauch insgesamt um 122.876, bei den Meerschweinchen um 49.401. Es gab auch weniger Verbrauch bei den Vögeln (Rückgang um 85.000). Auch die Zahl der Hunde sank um 3.419 auf 17.896 und die der Katzen um 375 auf 3.713. Auch Schweine und Altweltaffen wurden mit  77.280 bzw. 5.312 in geringerem Maße eingesetzt.

Steigende Zahlen in der Grundlagenforschung

Eine Zunahme des Tierverbrauchs gab es im der Grundlagenforschung. Hier steigen die Zahlen von 38 Prozent auf 46 Prozent, dies entspricht rund 7.150.000 Tieren. Dies basiert insbesondere auf dem Einsatz von gentechnisch veränderten Mäusen, und den Tieren, die bei der Prüfung von Produkten und medizinischen Geräten eingesetzt wurden.

Immer mehr Tiere leiden in Giftigkeitsprüfungen

Insgesamt hat der Anteil der Tiere, die in Giftigkeitsprüfungen eingesetzt wurden, gegenüber 2008 deutlich zugenommen. Insgesamt wurden 1.004.873 Tiere in Toxizitätstests eingesetzt, davon die meisten (14 Prozent) in akuten oder subakuten Tests (4 Wochen-Studien) für die Produktion und Qualitätskontrolle vom human-, zahn- und veterinärmedizinischen Geräten (141.132 Tiere). Das entspricht einer Zunahme von rund 45 Prozent gegenüber 2008.

Verdreißigfachung der Zahlen beim qualvollen LD50-Test

Mehr als 26 Prozent der Tiere in Toxizitätsstudien wurden in qualvollen LD50-Tests eingesetzt. Bei dieser Methode wird ihnen ein Stoff zugeführt und die Dosis ermittelt, bei der 50 Prozent der Tiere sterben (264.779 Tiere). Als Grund wurden "andere toxikologische oder Sicherheitsbewertungen“ angegeben. Im Vergleich zu 2008 (8.701 Tiere) entspricht dies einer Verdreißigfachung! Von Haut- oder Augenreizungs- und Sensibilisierungstests waren 39.127 Tiere betroffen (3,9 Prozent aller Toxizitätstests). Davon waren die meisten Hautreizungstests für medizinische Produkte, aber auch für Stoffe, die in der Industrie genutzt werden. Im Jahr 2008 waren von Reizungs- und Sensibilisierungstests nur 2.305 Tiere betroffen.

Weniger Tiere zur Erforschung von Krankheiten verwendet

Zur Erforschung von Krankheiten wurden 2008 1.649.921 Tiere, hauptsächlich Mäuse und Ratten, eingesetzt. Im Jahr 2011 waren es mit 6.599.320 Tieren deutlich weniger. Der Einsatz von Affen z.B. Lemuren, Neuweltaffen und Altweltaffen (Makaken) hat sich mit 6.095 gegenüber der letzten Erhebung (3.354) fast verdoppelt. Einsatzgebiete waren medizinische Geräte, Grundlagenforschung und toxikologische Studien.

Fazit: Deutschland muss Vorbildfunktion bei der tierversuchsfreien Forschung übernehmen

An diesen Zahlen zeigt sich, nach Ansicht des Bundesverbandes, wie wichtig es ist, endlich die tierversuchsfreien Methoden massiv zu fördern - sowohl auf nationaler, als auch auf europäischer Ebene. Es ist beschämend, dass vor allem Deutschland zu den Spitzenländern bei den Tierversuchszahlen zählt. Obwohl Deutschland zu den wenigen Ländern gehört, die überhaupt regelmäßige Mittel für die Entwicklung von tierversuchsfreien Methoden zur Verfügung stellen, steigen die Tierversuchszahlen hierzulande seit Jahren an. Der Forschungsstandort Deutschland muss eine Vorbildfunktion übernehmen und Schrittmacher für diesem innovativen und zukunftsträchtigen Forschungszweig werden. Dies ist nur mit einer massiven Steigerung der Forschungsgelder für diesen wichtigen Bereich möglich.

* Länder, bei denen der Verbrauch von Tieren in 2011 zugenommen hat, waren Deutschland (Zunahme um fast 50.000) Tschechien (um rund 54.000 auf 354.196), Estland (ca. 6.200 auf 41.035), Irland (fast 140.000 auf 264.990), Lettland (1.200 auf 10.329), Niederlande (ca. 13.000), Polen (ungefähr 7000), Spanien (2.250).

Hier können Sie sich die Original-Übersicht der Europäischen-Kommission als PDF herunterladen:
www.tierrechte.de

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