Tierversuchsstatistik
Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz veröffentlicht jedes Jahr im Herbst die Tierversuchszahlen des Vorjahres in Deutschland. Seit Jahren steigen die Zahlen, der in Tierversuchen verwendeten Tiere an. Insgesamt wurden 2009 (das sind die jüngsten Angaben) 2.786.435 Tiere verbraucht und getötet. Das sind 93.945 oder 3,5 Prozent mehr Tiere als in 2008. Ein Vergleich der Jahresstatistiken zeigt: In den letzten 10 Jahren stieg die Zahl der in Versuchen verwendeten Tiere jährlich um 100.000 an. Die steigenden Tierzahlen beruhen im Wesentlichen auf einer Zunahme der Tierversuche im Bereich der Gentechnik und der Tiertötungen zum Zweck der Organentnahme.
Hunderttausende mehr in der Gentechnik
Der jährliche Anstieg um 100.000 Tiere ist vor allem auf die Etablierung gentechnisch veränderter Mauslinien zurückzuführen (Anstieg von 2008 auf 2009 um 111.147). Deutlich weniger hoch ist der Anstieg gentechnisch veränderter Ratten (Anstieg von 2008 auf 2009 um 29.732 Tiere). Die Grundlagenforschung und die angewandte Forschung wollen durch gezielte Genmanipulationen alle erdenklichen menschlichen Errkankungen ausschnittsweise nachstellen, um einzelne Vorgänge und Mechanismen der Erkrankung zu untersuchen. Die Modellierung der gesamten menschlichen Erkranung gelingt nicht und ist auch nicht Ziel der Manipulationen. Erst vor Kurzem haben Wissenschaftler angekündigt, im Rahmen der Grundlagenforschung jedes Gen der Maus »ausknocken« zu wollen, um zu sehen, was passiert.
Immer mehr Tieren werden Organe entnommen
Die Tötung von Tieren zu Zwecken der Entnahme von Organen oder Zellen ist von 671.108 auf 690.847 Tiere gestiegen. Vor allem Mäuse und Ratten werden häufig für Forschungen mit Zellkulturen verwendet. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen ist jedoch ähnlich fragwürdig wie beim Tierversuch (siehe auch hier).
Weitere Anstiege der Tierzahlen
Mehr Schweine im Versuch
Zugenommen hat auch wegen ihrer physiologischen Nähe zum Menschen die Zahl der eingesetzten Schweine: um 639 auf insgesamt 13.741 in 2009 Tiere. Der Bundesverband berichtete bereits mehrfach über den Einsatz von Schweinen, z. B. in der Transplantationsmedizin.
Mehr Fische im Versuch
Ein hoher Anstieg ist zudem in ökotoxikologischen Versuchen mit Fischen zu verzeichnen. Hier sind es insbesondere Fragestellungen zur Vergiftung oder Verseuchung durch Pestizide und andere chemische Stoffen, die in Gewässer gelangen können. Dafür mussten 34.187 Fische mehr sterben als im Vorjahr, insgesamt 146.130 Fische.
Mehr Tierverbrauch in der Ausbildung
Auch in der Aus-, Fort- und Weiterbildung sind die Tierzahlen gestiegen, von 51.890 auf 57.248 Tiere, obwohl beispielsweise der Einsatz von Tieren im Studium nicht vorgeschrieben ist. Außerdem existiert eine Vielzahl tierleidfreier Methoden, die aus rechtlichen Gründen vorrangig anzuwenden sind (siehe auch hier).
Verschiebung bei Affen
Der Tierverbrauch der Affen ist differenziert zu betrachten. Zwar ist der Einsatz von Halbaffen mit 543 weniger Tieren scheinbar aufgegeben worden, hingegen bei Makaken um 474 Tiere gestiegen. Das sind vor allem Javaner- und Rhesusaffen, die durch Medienveröffentlichungen zur Hirnforschung bekannt geworden sind. Sie wurden überwiegend für Giftigkeitsprüfungen von Substanzen sowie medizinischer Produkte und Geräte benutzt.
Positive Trends: Rückgang bei Kaninchen, Meerschweinchen und Hunden
Die Zahlen aus 2009 zeigen erste positive Trends, z.B. bei Kaninchen. Hier macht sich der Einsatz von tierversuchsfreien Verfahren anstelle des Tieversuchs bereits zahlenmäßig bemerkbar. Ihre Zahl ist von 98.607 in 2008 auf 59.208 in 2009 gesunken, ein Rückgang um knapp 40.000 Kaninchen, was uns besonders freut. Für die bisher an Kaninchen durchgeführten Prüfungen von Substanzen oder Produkten auf hautschädigende oder fieberauslösende Eigenschaften (Pyrogentest) stehen inzwischen von der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) anerkannte Ersatzverfahren zur Verfügung.
Ebenfalls wurden in 2009 weniger Meerschweinchen (Rückgang um 9.260 Tiere) und Hunde (Rückgang um 618 Hunde) in Versuchen verwendet.
Hier lesen Sie mehr zu den Tierversuchszahlen in der EU.





