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Beispiele für durchgeführte Versuche an Katzen

1. Hirnforschung

In der Hirnforschung werden Katzen besonders für Fragestellungen eingesetzt, die sich mit der Verarbeitung von Sinneseindrücken im Gehirn beschäftigen. Es wird hier sowohl reine Grundlagenforschung wie auch Forschung zur Entwicklung von Stoffen und Produkten für die Medizin betrieben.

1.1. Visueller Cortex

Bei der Erforschung des Visuellen Cortex (Sehrinde im Gehirn) wurde z. B. bei Katzenwelpen zunächst einseitiges Schielen erzeugt, indem ihnen unter Narkose der äußere gerade Muskel eines Auges durchtrennt (23) oder im Alter von acht bis zehn Tagen - noch bevor sie ihre Augen öffnen - ein Auge zugenäht wurde (24). Später wurden an den Augen verschiedene Untersuchungen vorgenommen, bei denen die Pupillen mit Atropin erweitert oder spezielle Kontaktlinsen unter lokaler Betäubung eingesetzt wurden.

Für die eigentlichen Ableitungen von Hirnströmen wurden den Katzen unter Narkose eine 20 mm große Stahlkammer in die Schädeldecke einzementiert. In die für die Verarbeitung von optischen Eindrücken zuständigen Bereiche des Gehirns wurden dann über die einzementierte Kammer Elektroden implantiert und die Hirnströme gemessen (23, 25). Für solche Versuche gibt es spezielle Software, mit welcher über einen Bildschirm das »Versuchstier« verschiedenen visuellen Reizen (Blitze, Muster, Farben) ausgesetzt und die Reaktion entsprechender Hirnareale darauf als EEG-Aktivität über die implantierten Elektroden erfasst und aufgezeichnet wird (25, 26).

Solche Messungen werden z. T. über mehrere Tage durchgeführt. Die Katzen bleiben die ganze Zeit in Narkose und werden intravenös und über eine Magensonde mit Glukose- und Elektrolytlösung ernährt (25). Am Ende der Versuche werden die Tiere noch in Narkose getötet (Finalversuch).

In anderen Versuchen müssen zuvor elektrodenimplantierte Katzen solche Versuche mit bis zu drei Stunden langer Fixierung des Kopfes erdulden (27).

1.2. Hörforschung

Für Versuche in der Hörforschung wird Katzen das Gehör zerstört, indem man ihnen z. B. ab dem ersten bis zum 20. Lebenstag täglich eine das Gehör zerstörende Substanz (Neomycin-Lösung) subkutan injiziert oder ihnen im Erwachsenenalter durch einen operativen Eingriff die in der Hörschnecke im Innenohr (Cochlea) vorhandene Flüssigkeit durch eine Neomycin-Lösung ersetzt.

Wie im Falle der oben beschriebenen Versuche werden auch hier den Katzen Elektroden z. T. subkutan am Kopf oder in das Gehirn (hier Mittelhirn) implantiert durch Eröffnung des Schädels und Einzementieren einer Elektrodenkammer. Die Elektrodendrähte sind von einem Silikonschlauch ummantelt, der unter der Haut entlang und auf Höhe der Schulterblätter durch eine Hautöffnung an die Körperoberfläche geführt wird.

Über einen am Ohr der Tiere platzierten Lautsprecher werden nun akustische Reize (Klickreize z. B.) erzeugt oder es werden mit einem Signalgenerator elektrische Impulse direkt über eine Kabelverbindung auf die Mittelhirnelektrode übertragen, um die so im Gehirn erzeugten Potenzialänderungen (akustisch oder elektrisch evozierte Potentiale) ableiten zu können.

Zur Bestimmung der Hörschwelle werden die Tiere z. T. über drei Monate an fünf Tagen für jeweils vier Stunden in einer Box chronisch elektrisch stimuliert und akustisch beschallt (28).


2. Die Katze als »Krankheitsmodell«


2.1. Gastrointestinale Refluxkrankheit

Der Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre ist eine der häufigsten Erkrankungen in den westlichen Industrienationen und geht mit Symptomen wie Sodbrennen, Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre, Schmerzen, Asthma, Fremdkörpergefühl in der Speiseröhre, Schlafstörungen usw. einher. Ursache dieser Erkrankung ist u. a. eine vom Schluckakt unabhängige, auf Magendehnung reagierende Erschlaffung des Speiseröhrenschließmuskels am Mageneingang (29).

Um ein »Tiermodell« für diese Störung zu etablieren, wurde zehn Katzen in Narkose die Bauchhöhle eröffnet. Dabei wurde bei fünf Tieren am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen nur leicht manipuliert, während bei den anderen fünf Tieren der Gruppe eine befüllbare Silikonschlinge um die Speiseröhre an deren Eintrittsstelle in den Magen gelegt und befestigt wurde. Der Schlauch zum Befüllen des Silikonrings wurde unter der Haut entlang im Nackenbereich der Katzen an die Körperoberfläche geführt.

Um nun in der Speiseröhre die Störung des Speiseröhrenschließmuskels zu provozieren und die anschließende Bewegungsantwort der Speiseröhre zu messen, wurde den Tieren ebenfalls in Narkose ein mit einem Ballonkatheter kombinierter Manschettenkatheter in den Magen eingeführt. Durch Flüssigkeitsgabe in den Rachen der Tiere wurden Peristaltikbewegungen der Speiseröhre ausgelöst. Der Ballon am Mageneingang wurde dort platziert, wo bei fünf Tieren der einengende Silikonring sitzt, und mit fünf bzw. und zehn ml Luft gefüllt. Die Druckverhältnisse in Speiseröhre und Mageneingang wurden dabei gemessen. Nach einer Erholungsphase von sieben Tagen wurden diese Experimente fortgesetzt (30).

Weiterlesen:  Tierversuchsersatzverfahren
Quellen

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