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Der Hund als »Versuchstier« in der Parodontologie

Die Parodontitis, also die Entzündung des Zahnfleisches mit Zerstörung des Zahnhalteapparates, ist als plaquebedingte, bakterielle Mischinfektion die Hauptursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter (19). Dabei werden im Laufe der Zeit die Gewebe des Zahnhalteapparates (Zahnfleisch, Wurzelzement, Knochen) irreversibel zerstört. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation stellen solche Erkrankungen zusammen mit der Karies die verbreitetste Zivilisationskrankheit dar.

Die chronische Gingivitis (Zahnfleischentzündung) ist nahezu bei jedem Erwachsenen anzutreffen. Sie wird auch als »Schmutzgingivitis« bezeichnet, da ein Zusammenhang zwischen der mikrobiellen Plaque und einer mangelnden Mundhygiene besteht (19). Immer mehr Menschen auch in Deutschland leiden unter Parodontitis, einer häufigen Ursache für Zahnverlust.

Doch auch Implantate sind durch Zahnbettentzündungen und Knochenabbau in Gefahr. Jeder fünfte deutsche Erwachsene hat eine so weit fortgeschrittene Parodontitis, dass der Erhalt der Zähne gefährdet ist. Als Konsequenz ist jeder dritte Deutsche im Alter von 64 bis 75 Jahren in mindestens einem Kiefer völlig zahnlos (20).

Wissenschaftler forschen an Therapiemöglichkeiten, um das Fortschreiten der Erkrankung des Zahnhalteapparates zu verhindern. Hierfür werden oft Hunde, vor allem Beagles und Foxhounds, eingesetzt (19). Ein Grund dafür, dass diese Spezies immer wieder als Modell für derartige Fragestellungen benutzt werden, ist zunächst einmal, weil man es immer so gemacht hat und sich neue Versuchsanordnungen an früheren Versuchen orientieren.

Es wird argumentiert, dass Erkrankungen des Zahnhalteapparates auch bei Hunden auftreten. Aufgrund der weiten Fangöffnung (Maul mit 60 bis 70 Grad Öffnung) sind zahnmedizinische Untersuchungen am Hund für den Forscher bequem. Außerdem gibt es Ähnlichkeiten bezüglich der Neigung zu Plaque sowie der Entstehung und Entwicklung der Parodontitis, die sowohl beim Menschen als auch beim Hund in höherem Alter auftritt.

Die Erkrankungen des Zahnhalteapparats sind u. a. auf die Fütterung mit Weichfutter zurückzuführen, wodurch es zu häufigerer Plaque- und Zahnsteinbildung kommt im Vergleich zu Hunden, die mit Trockenfutter ernährt werden. Der Hund lässt sich an die klinische Untersuchung der Maulhöhle oder die Mundhygiene problemlos gewöhnen; eine Narkose bzw. Beruhigung ist hierfür in der Regel nicht erforderlich, wodurch Kosten gespart werden (19).

Bei den Versuchen werden jungen Hunden Löcher in die Kiefer gebohrt und das gewünschte Implantat eingesetzt. Unter großen Schmerzen durch hochgradige Entzündungen und Wundheilungsstörungen müssen die Hunde ihr Dasein fristen, bis sie nach Versuchsende getötet werden.

Die Ergebnisse dieser Art Versuche mit Hunden sind nicht auf den Menschen übertragbar. Denn die Abläufe beim Kauvorgang des Hundes sind vollkommen anders als die des Menschen, was eine Übertragbarkeit auf den Menschen fragwürdig macht. Das Kiefergelenk des Hundes ist ein reines Scharniergelenk und erlaubt, angepasst an die Ernährungsweise als Beutetierfresser, nur Auf- und Ab-Bewegungen und keine Mahlbewegungen.

Die Speichelzusammensetzung des Hundes, der Säurewert sowie die Menge des Speichels unterscheiden sich ebenfalls vom Menschen, Eine weitere Abweichung besteht in der Mundhygiene (19). Das abschließende Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung: »...der Versuch war hinsichtlich der Fragestellung aufschlussreich, die Probleme bei der Erstellung eines geeigneten Tiermodells aufzuzeigen.« Vielen Dank auch. Bei einigen Tierversuchen bezweifeln selbst die Experimentatoren in ihren Publikationen deren Übertragbarkeit auf den Menschen (21).

Zunächst zogen die Tierexperimentatoren jedem der zwölf eingesetzten Beagles 20 Zähne und bohrten ihnen nach einer Heilungsphase standardisierte Löcher in den Ober- und Unterkiefer. Danach wurden Schraubenimplantate eingesetzt. Schließlich wurden die Tiere getötet. Die Versuchsergebnisse lassen sich nicht auf den Menschen übertragen, denn der parodontitische Kieferknochen eines Menschen zeigt ein anderes Heilverhalten als der künstlich verletzte, gesunde Kieferknochen eines Hundes.

Der knöcherne Zahndamm, in den die Zähne des Ober- und Unterkiefers eingewachsen sind, ist beim Hund sehr viel dichter und kompakter in seiner Struktur als der Zahndamm des Menschen. Der Knochenstoffwechsel ist anders, es kommt zu Spontanheilungsprozessen, die beim Menschen so nicht vorkommen (21).

Vorbeugung macht Therapie überflüssig

Dies gilt für die Humanmedizin genauso wie für die Veterinärmedizin. Eine Prophylaxe (Vorbeugung) beinhaltet die mechanische Säuberung der Zähne und der Mundhöhle. Die Motivierbarkeit des Patienten zur Mitarbeit bei der Mundhygiene als prophylaktische Maßnahme ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Neben der häuslichen Mundhygiene sollen Gingivitis- und Parodontitis-Patienten sich regelmäßig in der Zahnarztpraxis untersuchen lassen, um Karies, Gingivitis und neuen Infektionen von Zahnfleischtaschen vorzubeugen (20).

Weiterlesen: Tierversuchsersatzverfahren
Quellen

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