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Der Beagle im Tierversuch

1. Toxikologische Prüfungen

beagle6Die Prüfung auf toxische, also giftige, Eigenschaften von Produkten und Stoffen ist gesetzlich vorgeschrieben. So müssen Substanzen u. a. auf ihre orale Toxizität geprüft werden, indem die Schädlichkeit bei einmaliger (akuter) und bei längerer (chronischer) Gabe untersucht wird.

Bei letztgenannter Methode erhält das Tier 90 Tage (subchronisch) oder sechs bis zwölf Monate (chronisch) lang die Testsubstanz. Diese Prüfungen müssen sowohl an Nagetieren (Maus oder Ratte) als auch an einem »Nicht-Nager« durchgeführt werden.

Hier wird meist der Hund und bevorzugt die Rasse Beagle eingesetzt. Bei der 90-Tage-Toxizitätsstudie bei wiederholter oraler Verabreichung an Nicht-Nagetiere z. B. wird die Prüfsubstanz täglich über einen Zeitraum von 90 Tagen in verschiedenen Dosen an mehrere (zunächst gesunde) Tier-Gruppen verabreicht.

 

Die Prüfsubstanz wird den Hunden also täglich mit dem Futter oder mit einem Pillengeber bzw. über eine Magensonde verabreicht. Die Hunde werden während der laufenden Versuche auf Vergiftungssymptome hin untersucht. Zu festgelegten Zeitpunkten werden auch Blutentnahmen durchgeführt. Gestorbene Tiere werden seziert, alle überlebenden Tiere werden nach Abschluss des Prüfungszeitraums getötet und ebenfalls wie die bereits vorzeitig gestorbenen seziert. Die bei der Tierbeobachtung sowie bei der Sektion gefundenen Symptome und Veränderungen werden protokolliert und ausgewertet.


1.1. Bewertung


1.1.1. Die Leiden der Tiere

In Abhängigkeit von der Giftigkeit der Prüfsubstanz sind die Schmerzen und Leiden bei diesen Tests für die Hunde als gering bis hochgradig einzustufen. Bei hoch toxischen Prüfsubstanzen sind Symptome wie u. a. Atemnot, starker Augen- und Nasenausfluss, Lähmungen, Krämpfe, Zittern, Brechdurchfälle, Aggression durch starke Schmerzen, komatöse Zustände, Verharren in Bauch- oder Seitenlage, gequälte Lautäußerungen etc. zu beobachten und das oft über längere Zeit. An der Schwere der Leiden und Schäden, welche bei Tieren zu vorzeitigem Sterben führen, dürfte es keinen Zweifel geben. Letztlich wird mit der Tötung allen Tieren der größtmögliche Schaden zugefügt.

1.1.2. Methodenkritik

Obwohl es zwischen den in Giftigkeitsprüfungen eingesetzten Tierarten keine Unterschiede hinsichtlich Leidensfähigkeit gibt, nehmen ethische Bedenken bei der Verwendung von Hunden als »Versuchstiere« auch in der chemisch-pharmazeutischen Industrie zu. So werden z. T. länderübergreifend Projekte zur kritischen Überprüfung und Reduzierung des Einsatzes von Hunden bei Toxizitätstests realisiert; und das auch gemeinschaftlich von Vertretern der Industrie und Organisationen, die sich explizit für den Ersatz von Tierversuchen einsetzen (12, 13, 14, 18). Anhand von Datenauswertungen konnte festgestellt werden, dass z. T. in über 90 Prozent der Fälle die 12-monatige Gabe einer Prüfsubstanz keine neuen Ergebnisse gegenüber 90- oder 180-Tage-Studien lieferte, zumal die meisten für den Menschen verwertbaren Ergebnisse bereits innerhalb von drei Monaten bzw. sogar innerhalb eines Monats erkennbar waren (12).

Bezogen auf die Testung von Pestiziden könnten nach Meinung von Toxikologen Studien, die länger als drei Monate dauern, entfallen (12, 16). Zudem hat sich auch bei fast 80 Prozent eines ausgewerteten Datensatzes von Arzneistofftestungen kein signifikanter geschlechtsspezifischer Unterschied gezeigt, weshalb die generelle Prüfung von Stoffen an männlichen und weiblichen Tieren infrage zu stellen ist (12).

Die Erkenntnisse aus diesen bereits vorliegenden Daten haben zu einer wichtigen Problematisierung besonders der 12-Monate-Studie an Hunden geführt (12, 15, 16) und könnten die Grundlage für eine kritische Überprüfung und Änderung der gesetzlichen Regelungen und Prüfrichtlinien bilden, damit zumindest übergangsweise eine Reduktion von Giftigkeitsprüfungen an Hunden erreicht werden kann.

Parallel dazu müssen andere Testmethoden in der Toxikologie wie z. B. In-vitro- und Computermodelle ausschöpfend genutzt bzw. weiterentwickelt werden. Dies gilt auch für Daten aus klinischen Prüfungen sowie Erfahrungswerte aus Vergiftungsfällen beim Menschen. Die Notwendigkeit verbesserter Datenarchivierung und Datenauswertungen wurde auch in Bezug auf Einsparungsbemühungen von Hunden in der gesetzlich vorgeschriebenen toxikologischen Arzneimittelprüfung gesehen (18).

Zudem sind inzwischen dank der Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Zellkulturforschung z. B. sogenannte Hochdurchsatz-Messungen in vitro möglich geworden. Mit dieser Technologie können große Zahlen von Substanzen automatisiert parallel in vitro getestet werden. Die pharmazeutische Industrie wendet dieses Verfahren schon längere Zeit zur Wirkstoffselektion an, und viele Pharma-Firmen verfügen über Substanzbanken von Hunderttausenden Stoffen.

Projekte in Europa (InViTech-Programm) und auch in den USA (ToxCast-Programm) erstellen nun endlich auch für die Toxikologie solche Substanzbanken mit wichtigen Vorinformationen zur Risikoabschätzung von Stoffen, die wiederum zur Einsparung von »Versuchstieren« dienen können (17). Nicht zuletzt, angestoßen durch die neue EU-Chemikalienpolitik REACH, gibt es vielversprechende Entwicklungen auf verschiedenen Gebieten der Ersatzmethodenforschung. Eine effiziente Nutzung neuer Technologien und Strategien ist nun ebenso gefordert wie die reibungslose behördliche Bearbeitung von Anerkennungsverfahren neuer Methoden zum Ersatz von Tierversuchen in der Toxikologie.

Weiterlesen: Der Hund als »Versuchstier« in der Parodontologie
Quellen

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