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FAQs zum Kosmetikverkaufsverbot


Häufig gestellte Fragen zum V
erkaufsverbot von an Tieren getesteter Kosmetik


Von Bürgern erhalten wir immer wieder Anfragen, die die Unsicherheit über die derzeitige Praxis nach Inkrafttreten der letzten Stufe des Kosmetikverkaufsverbots widerspiegeln.

Wir haben hier einige Fragen und Antworten zusammengestellt.


1. Darf ich denn jetzt bedenkenlos jede Kosmetik verwenden?


Es gibt noch eine Übergangsfrist von drei Monaten, also bis zum 11. Juli 2013, bis dieser Beschluss nun endgültig in Kraft tritt. Bis zu dieser Zeit können die Hersteller noch ihre alten Produkte verkaufen und ihre Produktion umstellen, wenn sie es noch nicht getan haben. Der Bundesverband empfiehlt, um sicher zu gehen, auf Produkte von Herstellern zurückzugreifen, die schon vor einiger Zeit sich einem strengen Tierschutz-Audit unterzogen und damit offiziell bestätigt haben, dass sie ihre Produkte ohne Tierversuche hergestellt haben.

Hierfür kommen drei Label in Betracht: The leaping Bunny, der Hase mit der schützenden Hand und die Veganblume der britischen Vegan Society.

Der springende Hase (leaping bunny) wird von der Coalition for Consumer Information on Cosmetics an tierversuchsfreie Kosmetik vergeben. Die Kriterien unterliegen HCS-Standard (Human Cosmetic Standard). Die CCIC führt jährliche Kontrollen durch. 


leaping bunny




Der Hase mit schützender Hand ist ein Siegel des IHTK (Internationaler Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik) für tierversuchsfreie Kosmetik, dem sich 8 Firmen angeschlossen haben. Die Regeln sind vom Deutschen Tierschutzbund vorgegeben worden.  


hschen mit hand



Die Veganblume wird von der Vegan Society England vergeben. Das Siegel wird neben Kosmetik auch für Putz- und Waschmittel sowie Lebensmittel vergeben. Es garantiert nicht nur, dass das Produkt nicht am Tier getestet wurde, sondern stellt auch als einziges sicher, dass sich keinerlei tierische Bestandteile im Produkt befinden. 



veganblume



2. Für welche Bedarfs- und Haushaltsgegenstände müssen Tiere sonst noch leiden?

Das Verkaufsverbot gilt nur für Substanzen, die ausschließlich in kosmetischen Produkten Verwendung finden.

Ansonsten werden bislang alle Konsumgüter an Tieren getestet. Hierzu zählen Chemikalien, Arzneimittel (auch Impfstoffe und Seren), Biozide (z.B. Schädlingsbekämpfungsmittel), Pestizide, Lebensmittelzusatzstoffe (Konservierungsmittel, Farbstoffe, Emulatoren etc.); Medizinprodukte (z.B. chirurgisches Nahtmaterial, künstliche Gelenke, Hüftprothesen, Zahnimplantate), in der Veterinärmedizin sind dies Arznei- und Futtermittel. Für ihre Vermarktung (sog. Sicherheitstests oder auch regulatorische Tests) sind Prüfungen vorgeschrieben (im wesentlichen Giftigkeitstests (Toxizitätstest).  

Bei the Leaping Bunny und the Vegan Society sind jedoch auch Haushaltsmittel gelistet, vor Kurzem konnte das belgische Unternehmen Ecover mit seinen Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln als tierverbrauchsfreier Hersteller dazugewonnen werden. Wie bei der Kosmetik gibt es für Haushaltsprodukte den Humane Household Products Standard (HHPS), der regelmäßig überprüft wird.


3. Welche Alternativen zu Tierversuchen in der Kosmetik gibt es schon?

Es gibt Hunderte Methoden, die Frage ist jedoch: welche sind relevant zur Beantwortung der Fragestellung über eine giftige Reaktion einer Substanz. Der aktuelle Stand der Forschung umfasst in vitro-Entwicklungen – also Zellkulturen oder künstliche Organentwicklungen, aber auch Computersimulationsprogramme und Datenbanken mit verschiedenen Inhalten, die u. a. mit Grundlage für diese Computersimulationen bilden.


4. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der letzten Stufe des Verkaufsverbots von an Tieren getesteter Kosmetik gab es noch nicht alle geforderten Ersatzverfahren. Wie ist hier im Moment die Entwicklung?

Es gibt drei Testziele, bei denen es bislang  noch nicht ausreichend Ersatzverfahren zum Tierversuch gab bzw. diese noch nicht abschließend wissenschaftlich bewertet und anerkannt worden sind. Es handelt sich um

a) die Gifigkeitstest auf die Fruchtbarkeit und Nachkommenschädigung:

Hier werden z. B. eine ganze Reihe von Hormontests, Rezeptorbindungstests und Stammzelltests entwickelt, wobei einige sogar schon validiert bzw. prävalidiert sind.

b) Untersuchungen zum Gesamtstoffwechselprozess, also Absorption der Substanz, Verteilung im Körper, Umwandlung der Substanz in ein anderes Molekül und Ausscheidung:

Hier sind noch Tierversuche vorgeschrieben, denn der umfassende Weg von der Aufnahme bis zur Endausscheidung einer Substanz kann noch nicht simuliert werden. Derzeit sind deshalb noch Tests am Tier vorgeschrieben. Zudem vergleicht man metabolische Profile zwischen Mensch und Tier mit dem Ziel, Datenbanken mit Testergebnissen aufzubauen, die als Grundlage für z.B. Simulationen dienen können. Die europäische Validierungsbehörde EURL ECVAM hat zwei Programme entwickelt: eine Datenbank mit 100 getesteten Substanzen und ein Rechenprogramm.

c) Auswirkung der Substanz bei langfristiger Wiederholung der Anwendung der Substanz – was ja bei der Kosmetik der Fall ist.

Auch hier gibt es Fortschritte, aber noch keine vollständigen Lösungen: Da bei Untersuchungen zur Schädigung nach Verabreichung einer Substanz sowohl die Leber, Niere, das ZNS, die Lunge und Teile des Immunsystems eine Rolle spielen, wurden hier auch jeweilige Modelle mit humanen Zellkulturen oder Organen entwickelt. Nur anerkannt und in die Testguideline aufgenommen wurden die Methoden noch nicht.

Alte Substanzen sind ja bereits getestet, das Tiertestverbot betrifft neue Substanzen. Parallel dazu wird von Wissenschaftlern und Firmen an den neuen Ersatzmethoden zum Tierversuch gearbeitet.


5. Vor welchen Herausforderungen stehen Firmen, die Ihre Produktion auf neue Verfahren umstellen müssen, damit sie sie in der EU vermarkten können?

Für die Firmen, die ihre Produkte in der EU verkaufen wollen, bedeutet dies, dass sie die Risikobewertung ihrer Produkte oder kosmetischen Bestandteile/Inhaltsstoffe anhand tierversuchsfreier Tests nachweisen müssen. Das gilt aber nur für Stoffe/Substanzen, die ausschließlich in der Kosmetik zum Einsatz kommen. Das sind nur ca. 10 %. Für Stoffe, die auch anderweitig z. B. in der Industrie genutzt werden, gelten andere Bestimmungen (z.B. die europäische Chemikalien-Richtlinie).

Die meisten Hersteller arbeiten schon längst mit tierfreien Methoden oder geben ihre Untersuchungen hierzu an andere Labore ab, die die Tests für sie durchführen, denn man benötigt gut ausgestattete Labore. Da man heute z. B. die genauen Stoffwechselschritte auf molekularer Ebene mit höchst komplizierten künstlich hergestellten Organen untersucht, ist das eine Herausforderung, die auch gut geschultes Personal voraussetzt. Kurzfristig könnte dies eine Investition bedeuten - langfristig ist es viel viel preisgünstiger, weil mit den neuen Untersuchungsmethoden sehr viele Proben gleichzeitig untersucht werden können (Hochdurchsatzverfahren) und die Ergebnisse bei Verwendung humanspezifischer Zellen und Organe die Ergebnisse auch übertragbar sind.

Was nicht außer Acht gelassen werden darf ist, dass die Haltung und Pflege eines Tierbestandes und der entsprechende Tierversuch auch sehr teuer ist.

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