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Dezember 2016: Tierstudienregister reicht nicht aus

Wissenschaftler reagieren auf die mangelnde Reproduzierbarkeit von Tierversuchsstudien und fordern im Dezember 2016 in der Zeitschrift PLOS Biology ein international zugängliches Register. Doch das reicht nicht aus: Der Bundesverband Menschen für Tierrechte fordert schon seit Jahren die Veröffentlichung aller Daten und Versuche in Form einer rückblickenden Bewertung und eine wissenschaftliche Bewertung z.B. des "Nutzens" bzw. der "Relevanz" der durchgeführten Tierstudien.

Mittlerweile kommt die Kritik am Umgang mit Ergebnissen aus Tierversuchen aus der Wissenschaft selbst. Forschern fordern im Dezember 2016 in der Zeitschrift PLOS Biology ein international zugängliches Register. Der Hintergrund: Nur rund die Hälfte der Ergebnisse von Tierversuchsstudien in wissenschaftlichen Fachzeitschriften wird veröffentlicht. Zudem sind die publizierten Ergebnisse oft schwierig zu reproduzieren. Die mangelnde Kenntnis über bereits vorliegende Falsifizierungen wissenschaftlicher Hypothesen führt u.a. zu Wiederholungen unzähliger Tierversuche durch andere Forscher. In Publikationen werden nur die "guten" Ergebnisse publiziert. Der überwiegende Teil der Forschung wird überhaupt nicht veröffentlicht. Das führt zu einer Überbewertung eines Zufallsergebnisses ("Publikationsbias"), auf den dann die Folgeforschung aufbaut, die wiederum nicht reproduzierbar ist.

Tierversuche: Selbsterhaltendes System
Die meist hochrangigen Zeitschriften selbst haben daran einen großen Anteil, denn bislang ist niemand an "Negativ"-Ergebnissen interessiert, sondern vor allem an solchen, die die Hypothesen bestätigen. Sie beeinflussen zusätzlich die Wissenschaftsszene durch ihre einseitige Forderung nach Tierversuchsergebnissen. Die Wissenschaftler wollen natürlich in diesen hochrangigen Zeitschriften publizieren und so hält sich dieses System immer weiter aufrecht, auf Kosten von vielleicht weltweit Millionen Tieren jährlich, die in nicht-reproduzierbaren Tierversuchen leiden und sterben müssen.

Notwendig: Veröffentlichung einer umfassenden rückblickenden Bewertung
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte und  Kritiker der gegenwärtigen Publikationspraxis fordern schon seit Jahren eine Veröffentlichung aller Daten und Versuche in Form einer rückblickenden Bewertung, also eine frei zugängliche Evaluierung der durchgeführten Tierversuche und deren Veröffentlichung. In der europäischen Tierversuchsrichtlinie 63/2010/EU konnten sich die Tierrechtler mit dieser Forderung jedoch nicht durchsetzen.

Fehlt: die dringend notwendige wissenschaftliche Bewertung
In Artikel 39 ist die rückblickende Bewertung nur für Versuche an nichtmenschlichen Primaten oder bei Tierversuchen durchzuführen, die als "schwer belastend" eingestuft wurden. Letzteres ist fast nie der Fall. Nach Artikel 15 Absatz 2 sollen "die Mitgliedstaaten gewährleisten, dass ein Verfahren nicht durchgeführt wird, wenn es starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste verursacht, die voraussichtlich lang anhalten und nicht gelindert werden können." Bei der Antragstellung werden in der Regel die voraussichtlichen Schmerzen, Leiden oder Schäden mit mittel bis gering eingestuft, so dass eine rückblickende Bewertung nicht durchgeführt werden muss. Wobei wir wieder beim Thema wären. Der jetzt vorgebrachte Vorschlag von Seiten der Wissenschaft für ein öffentliche Tierstudienregister deckt sich nicht mit unseren Forderungen, denn in dem Register würden die Wissenschaftler VOR Studienbeginn die Anzahl der Tiere, die geplante Dauer, Kontrolle und statistische Auswertung der Experimente in einer Online-Datenbank erfassen. Das wäre lediglich eine Erweiterung der bereits bestehenden Datenbank Animaltestinfo, allerdings mit internationalem Zugang. Es fehlte dann die so dringend notwendige  wissenschaftliche Bewertung z.B. des Nutzens/der Relevanz der durchgeführten Tierstudien.

Mehr Vor- als Nachteile
Dass die bestehende Datenbank Animaltestinfo keinerlei Einfluss auf eine Reproduzierbarkeit oder Wiederholung bereits durchgeführter versuche mit negativem Ausgang hat, liegt auf der Hand. In ihrer Publikation haben die Autoren auf der Grundlage einer Befragung die Akzeptanz und Bedenken aufgelistet. Die Stärken überwiegen die Schwächen deutlich:  Forschungsqualitätsverbesserung, mehr Kreativität und Networking, Meta-Analysen werden erst möglich, verbesserter Ressourcenverbrauch, Transparenz und Reduktion des Tierverbrauchs. Demgegenüber stehen die Gefahr des Ideendiebstahls und der zusätzliche Verwaltungsaufwand.  

Europa ist gefordert
Europa hat sich selbst das Ziel gesetzt den Tierversuch sobald wie möglich zu beenden. Es ist nicht nur dazu verpflichtet, die Entwicklung von tierfreien Methoden zu fördern, sondern muss auch dafür sorgen, dass es während des Übergangs zu diesem Ziel der Forschung mit humanspezifischen Methoden nicht auch noch zu einer Verschwendung von Tieren wegen Nicht-Reproduzierbarkeit aufgrund mangelnder Informationsverfügbarkeit kommt. Das ist es sich seiner eigenen Vorgaben schuldig. Mit dem klaren Ziel, die Tierversuche abzuschaffen, wird sich der Bundesverband Menschen für Tierrechte weiterhin für die Veröffentlichung aller Daten und Versuche in Form einer rückblickenden Bewertung und eine wissenschaftliche Bewertung von durchgeführten Tierversuchen einsetzen.
 
Susanne Wieschowski, Diego S. Silva & Daniel Strech (2016): Animal Study Registries: Results from a Stakeholder Analysis on Potential Strengths, Weaknesses, Facilitators, and Barriers. Meta-Research Article. PLOS Biology 14(11): e2000391. doi:10.1371/journal. pbio.2000391

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